MARKBREIT

Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival

Vorbereitungen zu „Artbreit“ in diesem Frühling: „Der Froschkönig und die Afrikanerin”, eine Skulptur von Peter Lenk, wurde mitten auf dem Breitbach installiert. Große Skulpturen sind einer der Schwerpunkte von Artbreit. Foto: ArchivRobert Haaß

Alle zwei Jahre wird die Altstadt von Marktbreit (Lkr. Kitzingen) zum Mekka für Kunstfreunde, wird zur Bühne für Konzerte, wird zur Galerie. Das Kunstfest Artbreit ruft und alle kommen: Prominente Maler und Bildhauer ebenso wie Kunstschaffende aus der Region. Bands und Musikgruppen aus ganz Deutschland treten auf, aber auch die heimische Musikschule. Und das alles privat organisiert vom Heimatverein Marktbreit unter der Leitung von Claus-Peter Berneth.

Geboren wurde die Idee eines solchen Festivals in der Familie Berneth Anfang der 1980er Jahre bei einem Campusfestival einer kleinen Universität im Osten der USA. Vor allem die Stimmung der Veranstaltungen unter freiem Himmel beeindruckte Christiane und Claus-Peter Berneth so stark, dass die Idee weiter trug, bis zur Ansiedlung der Familie in Marktbreit.

Anfängliche Skepsis im Ort gegenüber der Idee wich schnell. Helfer wurden in Heimatverein und den Altstadtfreunden Marktbreit gefunden. Traditionell gutes Wetter, lockere Stimmung, anregende Musik, ein ungewöhnliches Plakat und die Beteiligung von fünf Marktbreiter Wirten machten aus der Idee und dem anfangs kleinen Konzept einen Riesenerfolg.

Idee aus den USA

Dazu kam noch etwas ganz Besonderes, das bis heute Bestand hat: die Einbeziehung der Bewohner der Stadt. Sie stellen heute noch Höfe, Häuser, Ladengeschäfte, Strom, Wasser und viel mehr zur Verfügung und lassen so auch bei den Gästen den Eindruck entstehen, dass hier eine ganze Stadt feiert – und das alles ohne Kommerz. Tatsächlich profitieren die Markbreiter selbst davon: Wer sich darauf einlässt, wird im Laufe der Jahre nicht nur zum Kunstexperten – immer wieder entdecken auch die Bürger ihre eigene Stadt neu.

Die erste Auflage von Artbreit im Jahr 1994 war so erfolgreich, dass schon im folgenden Jahr ein zweites Kulturfest veranstaltet wurde. Jedes der zwischenzeitlich 18 Feste zeichnete sich durch eine Weiterentwicklung aus. War es die Einführung des Artbreit-Journals, eines Veranstaltungsheftes, oder die verstärkte Nachwuchsförderung – nicht nur aus dem Zentrum Würzburg. Auch die Musikschulen Marktbreits und Kitzingens sind eingebunden. Das Kinderprogramm wurde ausgeweitet; dabei steht das Mitmachen im Mittelpunkt. Ab dem Jahr 2001 gab es erstmals eine öffentliche Förderung. Die Stadt Marktbreit und der Bezirk Unterfranken unterstützen seitdem zusammen mit vielen privaten Sponsoren das immer noch ehrenamtlich organisierte Festival mit Zuschüssen.

Doch war der Anfang alles andere als leicht: „Das war sehr zäh“, resümiert Christiane Berneth. Netzwerke mussten aufgebaut werden, Kontakte geknüpft und viel Überzeugungsarbeit bei den Künstlern geleistet werden. Denn wer gibt schon gerne große Skulpturen – einer der Schwerpunkte von Artbreit – aus der Hand? Doch irgendwann „platzte der Knoten“, so Berneth. Heute kann dank Internet jeder einen Einblick in das Festival bekommen, gibt es Künstlerempfehlungen, etwa vom Bildhauer Karl Henning Seemann.

Claus-Peter Berneth in Aktion. Seinen Arbeitsaufwand beschreibt der Organisator so: „Ein halbes Jahr täglich, jede freie Minute.“ Foto: Robert Haass

Auf Dauer war der Jahresrhythmus allerdings nicht zu halten – zu groß ist der Arbeitsaufwand für Kopf Claus-Peter Berneth und die ehrenamtlichen Mitarbeiter aus dem Verein. Seit 2005 mit „Artbreit 12“ gibt es das Kunstspektakel nur noch alle zwei Jahre. Denn: „Die Arbeit hört nie auf“, sagt Berneth. Immer wieder versucht er, in Marktbreit einen neuen Ort für die Ausstellungen zu finden, und bei Reisen bleibt das Auge auch nicht ruhig, kann immer wieder Neues entdecken. Etwa ein Jahr vor Artbreit beginnt dann die konkrete Arbeit für das gut 15-köpfige engere Organisationsteam: Es schreibt Künstler an, fragt Ausstellungsorte an und wählt aus. Wenn klar ist, wer kommt und wo er oder sie sich präsentieren kann, werden die Künstler unter dem Team aufgeteilt und betreut. Denn über 50 bildende Künstler brauchen ihren Ansprechpartner.

Ziel für bildende Künstler

Die Frage nach dem persönlichen Aufwand beantwortet Berneth nur mit einem Lachen und dem Satz: „Ein halbes Jahr täglich, jede freie Minute.“ Das gilt dann zusätzlich rund um das Artbreit-Wochenende für eine ganze Menge an Helfern, denn sie müssen Bühnen auf- und abbauen, Parkplätze zuweisen und Besucher-Fragen beantworten. Dabei engagieren sich auch in der Stadt untergebrachte unbegleitete Flüchtlinge. Bei alldem ist Artbreit, eine Veranstaltung, die alle zwei Jahre Anfang Mai stattfindet, in der Entwicklung nie stehen geblieben, erfindet sich auf der Basis des Bewährten immer neu. So wie mit dem Nachmittag der offenen Galerien am Samstag: Besucher können ohne das Rahmenprogramm und bei deutlich weniger Gedränge Kunst erfahren.

Seit einigen Jahren startet das Fest mit einem Eröffnungskonzert in der evangelischen Stadtkirche, das immer für Überraschung sorgt und unterschiedliche Genres bedient: von Jazz-Rock aus New York mit Hazmat Modine, lebendiger Volksmusik des Herbert Pixner Projekts oder moderner Klassik mit den Soundtravellers aus Leipzig. „Artbreit intermezzo“ füllt mit einem Konzert das Artbreit-freie Jahr.

Über die Jahre hat das Kunstfest in Marktbreit dauerhaft Spuren hinterlassen. Immer wieder, wenn es das Budget zulässt, kauft der Heimatverein eine Großskulptur, stiftet sie der Stadt und stellt sie an prominenter Stelle auf. Sechs solcher Werke sind so das ganze Jahr über zu sehen.

Rückblick

  1. Preisträger Aktion Zeichen setzen: „Wertschätzung für unsere Arbeit“
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  3. Rosa Hilfe Würzburg: "Wir nehmen jedes Anliegen ernst"
  4. Fußballturnier für Kinder der Intensivstation
  5. 50 Jahre Seniorenkreis: Der Donnerstag als Höhepunkt der Woche
  6. Die Rettung altgedienter Haushaltshelfer
  7. Bad Königshöfer Promiband schunkelt für einen guten Zweck
  8. Ehrenamtliche helfen, damit der letzte Wunsch in Erfüllung geht
  9. Einkaufen und Kaffeetrinken im Dorfladen
  10. Der lange Atem der Auber Museumsmacher
  11. Hospizarbeit: Zeit schenken, zuhören und da sein
  12. Engagement für Herzensthemen
  13. Selbst aktiv werden für die Integration
  14. Erkennen, was Leben mit Behinderung heißt
  15. Ein wirklich vorbildliches Kirchturm-Denken
  16. Wunderbare Anerkennung für die Arbeit
  17. Landesbischof Bedford-Strohm begeistert die Ehrenamtlichen
  18. Viele Wege, anderen zu helfen
  19. „Wir wären nichts ohne das Ehrenamt“
  20. Gelebtes Miteinander im Café Diwan
  21. Betreuung mit Liebe und Zuwendung
  22. Ein „Buntes Netz“ der Hilfsbereitschaft
  23. Fränkische Passionsspiele: Eine Gemeinschaft von Freiwilligen
  24. Die helfenden Hände aus Mittelsinn
  25. Aus Liebe zum Leben: Ehrenamtliche begleiten gehörlose Sterbende
  26. Damit die Angst nicht siegt
  27. Wo man sich aussprechen kann
  28. Das Motto: Kümmern ums Landjugendhaus
  29. Zwei Frauen werden Freundinnen
  30. Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival
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  33. Aktion Zeichen setzen: Helfen, weil es Freu(n)de macht
  34. Aktion Zeichen setzen würdigt Ehrenamt
  35. Mutter Beimer: "Mir wurde geholfen, ich habe geholfen"
  36. Wozu wir den Wald brauchen
  37. Kreativwerkstatt für Selbermacher
  38. Ratgeber mit Erfahrung
  39. Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden
  40. Drei Seniorinnen kochen für alle
  41. Der Kampf gegen eine tückische Krankheit
  42. Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern
  43. Die Begeisterung verbindet
  44. Wildromantisches Paradies im Stadtgebiet
  45. Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg
  46. Garten der Kulturen und der Begegnung
  47. Die „Lesehörnchen“ kommen ans Krankenbett
  48. Damit die fränkische Mundart bewahrt wird
  49. „Projekt Würzburg“: Spenden sammeln für soziale Aufgaben
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