MARKTBREIT

Ein Appell für den Frieden

Totengedenken am Volkstrauertag in der Kreiskriegergedächtnisstätte bei Marktbreit. Foto: Robert Haaß

Es ist kein historischer Gedenktag, der Volkstrauertag, er wurde erstmals 1922 für die Gefallenen Soldaten des Weltkriegs begangen und von den Nazis zum Heldengedenktag umfunktioniert. „Heute ist er ein Trauertag für alle Opfer von Krieg und Gewalt“, sagte Landrat Paul Streng am Sonntagmittag an der Kreiskriegergedächtnisstätte auf der Höhe über Marktbreit.

Folgen der Gewaltpolitik

Traditionell treffen sich Vertreter von Landkreis und Gemeinden am Volkstrauertag dort an der Kappel zur zentralen Gedenkfeier des Kreises. In diesem Jahr war es Paul Streng, der die Hauptrede hielt und dabei feststellte: „Flucht und Vertreibung sind seit dem Ersten Weltkrieg und bis in die Gegenwart Folgen der allgegenwärtigen Gewaltpolitik.“

Und Streng fand deutliche Worte und harte Zahlen: Die Flucht der belgischen Bevölkerung 1914 vor dem deutschen Heer, die Vertreibung von 200 000 Deutschen aus dem Elsass als Kriegsfolge, die Ausweisung von 180 000 Menschen während der Ruhrbesetzung durch die Franzosen, Millionen von Polen, Ukrainern und Russen als Opfer deutscher Brutalität, von Vertreibung, Massakern und Zwangsarbeit. Und immer wieder die Folge von Krieg Gewalt und Gegengewalt: Vergeltung der gedemütigten Völker, zum Beispiel bei der Vertreibung von bis zu 14 Millionen Deutschen.

70 Millionen auf der Flucht

Ein Drama, das sich bis heute nicht gewandelt hat, angesichts von knapp 70 Millionen Menschen auf der Flucht – davon die Hälfte Kinder. Und „seit 2015 sind Flucht und Vertreibung ganz sichtbar mit allen Problemen in unseren Städten und Gemeinden angekommen“, sagte Streng. Darüber nachdenkend, sollte die eigene Vergangenheit, das Leid deutscher Flüchtlinge und die Versöhnung mit den früheren Gegner niemals vergessen werden. „Die Deutschen in Ost und West und auch wir hier im Landkreis haben allen Grund, an die Fragen von Flucht und Vertreibung mit Toleranz und Mitmenschlichkeit heranzugehen“, so der Landrat. Berechtigt sei der Streit über den richtigen Weg zur Bewältigung dieser Krise.

Volkstrauertag als Verpflichtung

Auch wenn im Landkreis die große Mehrheit jede Form des Rassismus ablehne, gebe es doch Unverständnis für die Langmut, mit der auf Gesetzesübertretungen der Neubürger reagiert werde. „Es ist gerade die deutsche Erfahrung mit der Integration vielen Millionen Menschen nach 1945, dass es neben der Unterstützung von Staat und Helfern besonders eigener Anstrengungen bedarf, um hier anzukommen“, sagte Streng.

Und deshalb auch sei der Volkstrauertag 2018 nicht von der Debatte um Migrationsmanagement zu trennen: Er ermahnte aber dringend, bei der Diskussion Maß und Mitte zu wahren.

Den Volkstrauertag als Appel für den Frieden wollte Marktbreits Bürgermeister Erich Hegwein verstanden wissen: „Dieser Tag ist auch immer wieder die Verpflichtung, uns für den Erhalt des Friedens weiter zu engagieren, daran zu arbeiten und mitzuwirken“, sagte der Bürgermeister.

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