GRÄFENNEUSES

Ein Klosterportal als wertvolles Erbstück

Mächtiges Hoftor: Das Portal des ehemaligen Kartäuserklosters von Ilmbach steht als Hoftor eines Anwesens in Gräfenneuses. Foto: Andreas Stöckinger

Etwas versteckt im Geiselwinder Gemeindeteil Gräfenneuses, an einem Wohnhaus, befindet sich ein ungewöhnliches, wie auch beeindruckendes Monument aus früheren Jahrhunderten. Es ist das Eingangsportal des ehemaligen Kartäuserklosters in Ilmbach, das dort in einer Seitenstraße der Ortsdurchfahrt, direkt hinter der Kirche, beinahe wie versteckt scheint.

Das riesige, etwa zehn Meter breite und bis zu 7,50 Meter hohe Tor ist der Eingang zum Hof von Johann Dietmeyer. Es stammt aus der Barockzeit und wurde wohl 1634 errichtet, wie auf einem der Steine steht.

Auf ungewöhnliche Weise kamen seine Vorfahren 1848 zu dem Bauwerk, das mittlerweile nicht nur das Hoftor der Dietmeyers ist, sondern so etwas wie das Familienerbstück. Sebastian Dietmeyer, der Urgroßvater des heutigen Besitzers, handelte vor 170 Jahren gedankenschnell, als das mächtige Portal in Ilmbach abgerissen wurde. Vom dortigen einstigen Kloster war nach etlichen Plünderungen kaum mehr etwas übrig, es stand leer. Der damalige Eigentümer Graf Erwein von Schönborn, hatte keinen Verwendungszweck und wollte die Steine zum Bau einer Straße verwenden.

Sebastian Dietmeyer, einst ein Jagdfreund des Grafen, hatte eine andere Idee. Er fragte den Adeligen, ob er das Tor bekommen könne. Der Graf willigte ein und schenkte es dem Landwirt.

Dieser ließ es abbauen, in Teile zerlegen und transportierte es mit dem Fuhrwerk zu sich nach Gräfenneuses. Dort wurden die Teile wieder zusammengefügt und das Portal wieder aufgebaut, das bis heute als Einfahrt zum Bauernhof dient. Das Familien-Erbstück aus Stein wurde einmal aufwändig hergerichtet nämlich 1958 von Josef Dietmeyers Vater. Erst nach einigem Überlegen habe sich dieser entschlossen, es im größeren Stil herzurichten, was damals bereits einiges Geld kostete. Einige Zeit wurde daran gearbeitet. Heute wäre wieder eine Renovierung des komplett aus grünem Sandstein bestehende Bauwerks nötig, was unschwer an vielen Stellen zu erkennen ist. Doch das Herrichten bereitet Josef Dietmeyer Sorgen.

Der heutige Besitzer möchte es zwar angehen, nur wann und wie, das ist die Frage. „Ich will es schon wieder restaurieren, aber wenn ich es von Fachleuten machen lasse, kostet mich das zu viel“, sagt er. Zumal er wohl nicht mit Zuschüssen von irgendwelchen Seiten rechnen kann. Zumindest sei ihm nichts bekannt, so Dietmeyer. „Jeder sagt, das ist aber ein schönes Tor.

Doch davon allein können wir uns nichts kaufen“, schränkt er ein. Allein schon ein passendes Gerüst für eine Renovierung aufzustellen, sei nicht ganz einfach. So überlegt er, bei einer Sanierung selbst so viel als möglich am Monument auszubessern, jedenfalls wo es geht. Als Leiter des Bauhofs der Gemeinde Geiselwind hat er schon mehrfach kleinere Reparaturen am Tor vorgenommen. Letzten Herbst etwa brachte Josef Dietmeyer an einigen Ecken auf dem Gesimse Blech auf, damit das Wasser bei Regen besser abtropfen kann und nicht zu sehr ins Gemäuer läuft.

Zuletzt wurde am Wohnhaus, einem schönen, alten Bauernhaus, gewerkelt. Die Familie ließ das große Gebäude verputzen und ausbessern, wo es nötig war. Außerdem wurde in den Torbogen zur Straße hin ein schmiedeeisernes Hoftor eingebaut, damit nicht jeder in den Hof schauen, oder gar hineinlaufen könne. Zusammen habe das schon einiges gekostet, so Dietmeyer.

Als nächstes könnte vielleicht das Tor an der Reihe sein. Beim neuerlichen Vorhaben werde wohl viel Arbeitszeit anfallen, doch das würde er in Kauf nehmen, wie er sagt. Den Zeitpunkt lässt er offen, im Moment habe er mehr als genug zu tun. „Spätestens wenn ich mal Rentner bin, dann werde ich mich daran machen“, schmunzelt er.

Das Kloster Ilmbach

In Ilmbach, einem Weiler zwischen Kirchschönbach und Gräfenneuses, bekam der Kartäuserorden eine damals dort bestehende Festung im Jahr 1453 geschenkt. Das Kloster wurde 1454 anerkannt und bestand neben Würzburg, Tückelhausen und Astheim als Sitz der Kartäuser. 1525 wurde das Kloster im Bauernkrieg erstmals verwüstet, es füllte sich später wieder.

1631 wüteten die Schweden dort im Dreißigjährigen Krieg, das Kloster erholte sich auch davon und hatte danach eine Blütezeit. Erst 1803 wurde es im Zug der Säkularisation aufgelöst und zum Abbruch freigegeben. Das Eingangsportal, das als Toreinfahrt diente und nun in Gräfenneuses steht, ist das letzte Relikt und wird in Kurzform so beschrieben: „Das dreiteilige Sandsteinportal hat eine Rundbogendurchfahrt und Seiteneingänge, reichlich mit Rokoko verziert. Zu sehen sind der Heilige Josef und Maria im Baldachingehäuse, mit Balustraden, Zierobelisken und Vasen umgeben.“ (Quelle: Hans Bauer).

Das renovierte Bild über dem Eingang des Wohnhauses der Familie Dietmeyer in Gräfenneuses.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gräfenneuses
  • Andreas Stöckinger
  • Hans Bauer
  • Klöster
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!