Marktbreit

Ein Koffer aus Beton als Erinnerung

Auf dem Weg zum Bahnhof steht dieser Koffer aus Beton, der an die Deportation der Juden aus Marktbreit erinnert und von Bürgermeister Erich Hegwein (links) am Freitag enthüllt wurde.
Auf dem Weg zum Bahnhof steht dieser Koffer aus Beton, der an die Deportation der Juden aus Marktbreit erinnert und von Bürgermeister Erich Hegwein (links) am Freitag enthüllt wurde. Foto: Robert Haaß

Fast wie zufällig steht er da in der Grünfläche an der Bahnhofstraße in Marktbreit: Der Koffer. Hat ihn jemand stehen lassen? Vergessen? War er zu sehr in Eile oder einfach zu müde ihn weiter zu schleppen, hinauf bis zur Bahnstation? Das alles und noch viel mehr will der geformte Brocken aus Beton ausdrücken, den Bürgermeister Erich Hegwein am Freitagabend feierlich in Beisein eines guten Dutzend Marktbreiter enthüllte.

Auch Marktbreit kann und will sich der jüngeren Geschichte nicht verschließen und deshalb war die Präsentation des jüngsten Gedenksteins in der Stadt auch mit Bedacht gewählt: Der 9. November, der Tag der "Reichspogromnacht" 1938 in der in Deutschland die Synagogen brannten und sich die Judenvernichtung im Lande bereits deutlich abzeichnete. Zwar brannte in Marktbreit keine Synagoge. Doch viele der hier lebenden Juden erlitten das gleich Schicksal, wie überall im Lande: Verschleppung in Vernichtungslager und dort der Tod.

In der Region war es der kleine Güterbahnhof in der Würzburger Aumühle in der über 2000 Juden den Zug ins Lager bestiegen. Dort entsteht gerade der Denk-Ort Aumühle, ein Projekt, das an diese Deportation erinnern will. Auf einer Metallkonstruktion werden Gepäckstücke aus den 109 Orten in Unterfranken gesammelt, in denen es 1933 noch eine jüdische Gemeinde gab. Im Ort selber gibt es eine "Kopie" die den Bezug herstellen soll.

Keine Diskussion gab es in Marktbreit, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Gewählt wurde ein Koffer, erstellt vom lokalen Steinmetzbetrieb Hartner. Und auch der richtige Platz war schnell gefunden: "Der Standort, Beginn der Bahnhofstraße, ist bewusst gewählt worden, ist er doch der Weg zum Bahnhof, weil diese bedauernswerten Menschen damals mit dem Zug nach Würzburg transportiert wurden", sagte der Bürgermeister. Ein kleines Schild weist auf die Bedeutung des Denkmals hin, künftig wird auch noch ein QR-Code eine längere Textpassage erschließen.

"Hoffentlich bleibt das Denkmal unbeschädigt", war ein Kommentar aus den Reihen der Feiergäste. Was zeigt, wie wichtig eine solche Erinnerungsstelle ist, schlägt das Pendel heute doch schon wieder in Richtung Rassismus.

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