KITZINGEN

Ein Koffer gegen das Vergessen

Ein Koffer zur Erinnerung an deportierte Juden aus Kitzingen: Schülerinnen des Armin-Knab-Gymnasiums Kitzingen haben das Denkmal als Teil des unterfränkischen Projekts DenkOrt Aumühle entworfen, das jetzt im Rosengarten steht.
Ein Koffer zur Erinnerung an deportierte Juden aus Kitzingen: Schülerinnen des Armin-Knab-Gymnasiums Kitzingen haben das Denkmal als Teil des unterfränkischen Projekts DenkOrt Aumühle entworfen, das jetzt im Rosengarten steht. Foto: Katrin Amling

„Der Koffer erinnert an die wenigen Habseligkeiten, die die Juden mitnehmen durften“, sagte Bürgermeister Klaus Heisel bei der Einweihung des Kitzinger Beitrags zum Projekt DenkOrt Aumühle. Es erinnert an die 208 Juden, die im März 1942 in Kitzingen in einen Zug stiegen und von dort in Vernichtungslager gebracht wurden.

Sechs Schülerinnen des Armin-Knab-Gymnasiums (AKG) haben zusammen mit ihrem Kunstlehrer und Stadtheimatpfleger Harald Knobling das Denkmal entworfen, das nun im Rosengarten steht.

Es besteht aus einem Koffer aus grauem Betonguss und Fußabdrücken davor, ebenfalls in Beton, die sie in mehreren Wochen Arbeit in ihrem Kunstunterricht geschaffen haben. Nach dem Vorbild eines alten Koffers aus dieser Zeit haben sie einen Gipsmantel modelliert und mit Beton ummantelt – rund 200 Kilogramm wiegt die Installation. „Das Material Beton in seiner ganzen Härte ist kühl und rational“, erklärte Knobling, warum er sich mit den Schülerinnen dafür entschieden hatte.

Teil der Erinnerungskultur in Kitzingen

Von einem neuen Mosaik einer jahrzehntelangen Erinnerungskultur in Kitzingen sprach die Vorsitzende des Fördervereins der ehemaligen Synagoge, Margret Löther. „Die Installation reiht sich ein in Projekte wie die Vitrinen zur jüdischen Geschichte im Stadtmuseum oder die 80 Stolpersteine auf den Straßen“, so Löther. Nun könne man in Kitzingen auch noch über den Koffer stolpern. Zusätzlich gibt es eine Infotafel mit kurzem Text und einem QR-Code, über den sich weitere Informationen abrufen lassen.

Ein guter Ort

Der Rosengarten sei ein guter Ort für das Denkmal, ergänzte Bürgermeister Heisel. „Denn hier führte der Transport Zug mit den Deportierten 1942 vorbei“, so Heisel. Außerdem würden viele Schüler und junge Menschen hier vorbeilaufen und die Gedenkstätte wahrnehmen. Auf die Verbindung zur Gegenwart machte auch Harald Knobling aufmerksam: „Das Denkmal verbindet unsere Zeit mit der damaligen. Denn auch heute geraten demokratische Rechte teilweise in den Hintergrund.“

Saxofonkonzert und ein Mundartgedicht

Zur Einweihung, zu der zahlreiche Bürger gekommen waren, spielte Benedikt Förster zwei Stücke auf dem Saxofon. Die Schülerinnen, die das Denkmal entworfen haben, lasen die Kurzgeschichte „Der Scherz“ von Volkmar Röhrig vor, die von Judenfeindlichkeit in der heutigen Zeit handelt. Außerdem trug Sepp Denninger die Erzählung „Der Bou vom Simon“ des Kitzinger Mundartdichters Engelbert Bach vor.

Zentrale Symbole

Das unterfränkische Projekt DenkOrt Aumühle erinnert mit Denkmalen in verschiedenen Gemeinden an die Deportation der Juden – mit Gepäckstücken als zentrale Symbole. Von dem alten Ladebahnhof Aumühle in Würzburg aus wurden zwischen 1941 und 1943 insgesamt 1794 Juden in Vernichtungslager gebracht. An dem alten Bahnhof entsteht eine große Gedenkstätte. Ein zweites Exemplar des Koffers, der nun in Kitzingen steht, wird auch dort stehen.

Bei der Einweihung des Kitzinger Denkmals zur Erinnerung an die jüdischen Deportierten (von links): Schülerinnen des Armin-Knab-Gymnasiums Linda Öttinger, Charlotte Drenkard, Luca Plomitzer, Maren Fahmer, Anneliese John (es fehlt: Laura Schultheis), Bürgermeister Klaus Heisel, Kunstlehrer und Stadtheimatpfleger Harald Knobling, Margret Löther vom Förderverein der ehem. Synagoge, Alt-OB Bernd Moser, Historiker Elmar Schwinger, Rotraud Ries von der Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“, Ralph Hartner vom Hauptamt Kitzingen.
Bei der Einweihung des Kitzinger Denkmals zur Erinnerung an die jüdischen Deportierten (von links): Schülerinnen des Armin-Knab-Gymnasiums Linda Öttinger, Charlotte Drenkard, Luca Plomitzer, Maren Fahmer, Anneliese John (es fehlt: Laura Schultheis), Bürgermeister Klaus Heisel, Kunstlehrer und Stadtheimatpfleger Harald Knobling, Margret Löther vom Förderverein der ehem. Synagoge, Alt-OB Bernd Moser, Historiker Elmar Schwinger, Rotraud Ries von der Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“, Ralph Hartner vom Hauptamt Kitzingen. Foto: Katrin Amling

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