Dettelbach

Ein Kunstwerk in Dettelbach, in dem sich jeder verewigen darf

Der Dettelbacher Künstler Roger Bischoff hat mit „Denkräume“ ein ungewöhnliches Kunstwerk geschaffen. Darauf darf man sich setzen – und sogar selbst etwas einritzen.
Der Bildhauer Roger Bischoff in seinem Freiluftatelier mit einem herrlichen Blick auf Dettelbach. Foto: Walter Sauter

"Nicht berühren" steht auf den meisten Kunstwerken und wer sich einer Skulptur in einem Museum nähert, kann schnell mehr als nur die missbilligenden Blicke des Aufsichtspersonals auf sich ziehen. Ganz anders bei diesem Kunstwerk: Hier ist es sogar ausdrücklich erwünscht, dass man sich dem Objekt nähert, ja es ist sogar erlaubt, sich drauf zu setzen und – bei anderen Kunstwerken absolut undenkbar – selbst Hand anlegt. Und das sogar mit dem Messer. "Die Besucher sollen selbst Denksprüche in das Holz ritzen", wünscht sich der Künstler Roger Bischoff aus Dettelbach.

Passt sich gut in den Skulpturenpark in Dettelbach am Main ein: Das Kunstwerk "Denkräume" von Roger Bischoff. Foto: Walter Sauter

"Denkräume" heißt das ungewöhnliche Kunstwerk, dessen Form und Größe schon allein eine Inspiration sind. Gefertigt aus breiten, alten Eichendielen, 2,40 Meter hoch und vier Meter lang. Unterteilt in sieben unterschiedlich große "Fächer", die ganz neue Durchblicke gewähren. In die man aber auch klettern und sitzen kann. Und schnitzen, wenn man will. Der Künstler hat dort schon selbst Sinnsprüche eingeritzt. Zusammen getragen hat er sie bei Dettelbacher Bürgern und Freunden, die er gebeten hat, ihm Weisheiten zuzusenden, die ihr Leben begleitet haben.

"Freunde finden und behalten, das ist das Beste auf der Welt. Wichtiger als jede Kunst."
Künstler Roger Bischoff

Einer, so Bischoff, ist ihm besonders wichtig: "Keine Straße ist zu lang mit einem Freund an deiner Seite", den Dettelbachs Bürgermeisterin Christine Konrad beigesteuert hat. "Dieser Satz könnte so auch über meinem Leben stehen", verrät der Bildhauer. "Freunde finden und behalten, das ist das Beste auf der Welt", betont er. "Wichtiger als jede Kunst". Und so ist es nicht verwunderlich, dass Freundschaften sein Leben nachhaltig geprägt und ihn nach einem aufregenden Leben auf drei Kontinenten schließlich nach Dettelbach gebracht haben.

Der Dettelbacher Bildhauer Roger Bischoff. Foto: Walter Sauter

Dabei spielte die Kunst in den ersten Jahren des heute 72-Jährigen keine bedeutende Rolle. Geboren in den USA an der Ostküste war er nach seinem Studium zunächst Sportlehrer. Doch schon nach einem Jahr bemerkte er, dass der Job nicht zu ihm passt und begab sich auf eine Reise nach Europa, wo er erstmals mit Kunst in Kontakt kam.

Er befasste sich mit Aquarellmalerei, aber ihn lockte auch das Abenteuer. Nach Marokko. Dort lebte er neun Monate unter einfachsten Verhältnissen, fast ohne Geld, am Strand in einer Grashütte. "Das war für mich eine Offenbarung", sagt Bischoff mit leuchtenden Augen. Muska, ein marokkanischen Fischer, rettete ihm das Leben, später ging er mit ihm fischen und malte seine Eindrücke.

Als Küchenjunge auf dem "Peace Ship"

Zurück in den USA kam er mit der Schnelllebigkeit in seiner alten Heimat nicht zurecht. Von Freunden hörte er von einem Projekt, das ihn sofort elektrisierte: Das "Peace Ship" des damals weltbekannten Friedensaktivisten Abie Nathan. Da wollte er auf jeden Fall mitmachen, gegen alle Widerstände. Zunächst als Handlanger am Ausbau des 500-Tonnen-Schiffs beteiligt, gelang es ihm schließlich, als Küchenjunge für die Überfahrt nach Europa anzuheuern. Eine Überfahrt, die fast in einer Katastrophe endete, denn das "Peace Ship" geriet in einem schweren dreitägigen Sturm, in dem zwei andere Schiffe untergingen. In Europa angekommen war der Empfang alles andere als freundlich, denn der Plan Nathans, mit der Radiostation Voice of Peace ("Stimme des Friedens") als Piratensender von Bord des Schiffes in internationalen Gewässern des Mittelmeers zu senden, fand bei den Behörden keine große Gegenliebe.

Die Sinnsprüche, die Roger Bischoff in das Kunstwerk eingeritzt hat, haben ihm Freunde und Dettelbacher Bürger zugesandt. Foto: Walter Sauter

Roger Bischoff, der sich zwischenzeitlich um die Maschinen des Schiffs kümmerte, blieb zwei Jahre an Bord. Doch trotz all der Abenteuer hat er die Kunst nie vergessen. Er zog nach Göttingen und lernte schon bald danach bei einem Aquarellkurs 1987 in Salzburg einen Mann kennen, der sein Leben nachhaltig verändern sollte und mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich eng verbunden blieb: den tschechischen Bildhauer Miloslav Chlupác, der ihn für die Arbeit mit Stein und Meisel begeisterte. Und die Begeisterung blieb, auch als er 1993 nach Dettelbach kam.

Internationale Bildhauersymposien in Dettelbach

Heute kann Bischoff auf Dutzende von Ausstellungen und Symposien in Deutschland, Österreich, der Schweiz und sogar in Indien zurück blicken. In Dettelbach hat er sich unter anderem einen Namen als Organisator von zwei internationalen Bildhauersymposien und als Initiator des Skulpturenparks am Main gemacht. Dort steht auch sein Kunstwerk "Denkräume" und wartet darauf, dass andere an ihm weiter schnitzen.

Bei strömenden Regen stellten Mitarbeiter des Bauhofs und der Bildhauer Roger Bischoff das Kunstwerk "Denkräume" im Skulpturenpark auf. Die Stadt Dettelbach hat die Skulptur angekauft. Foto: Walter Sauter

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