CASTELL

Ein Picknick mit Cabaret im Schlosspark

Das Cabaret hat seine schönen Seiten, wie auch das Leben. Der Fränkische Theatersommer gastierte mit dem Musical Cabaret in Castell. Foto: Andreas Stöckinger

Die Casteller Kulturgemeinde hat sich getraut. Nein, nicht wegen des Stücks „Cabaret“, zu dem der Fränkische Theatersommer mit Sitz in Hollfeld mit einigen adretten, teils leicht bekleideten jungen Damen aufwartete. Das Wetter war der heikle Punkt bei der wahrlich sehenswerten Aufführung im Schlossgarten in Castell. Trotz mancher dunkler Wolken hielt es tatsächlich, so dass es sich für die Zuschauer auch picknicken ließ.

Das ist der Clou bei der Freilicht-Aufführung, die der Kulturverein einmal pro Sommer anbietet. Wer will, kann schon lange vor dem Beginn anreisen, seine Brotzeit und Getränke auspacken und sich im Ambiente des Parks stärken. Mancher bestellt einen gepackten Picknick-Korb, den die Gastronomie extra dazu anbietet. Auf der Decke – oder an den Tischen und Bänken – lässt sich gemütlich speisen: vor, oder auch während des Stücks.

Stark nachgefragte Veranstaltung

Das ist seit 15 Jahren recht beliebt, wie der Vorsitzende der 1950 gegründeten Kulturgemeinde Hans-Adam von Schultzendorff sagt. „Es ist die am stärksten nachgefragte Veranstaltung, die wir haben.“ Diesmal waren es mit etwa 200 Besuchern wohl wegen des bewölkten, windigen Wetters etwas weniger. Es blieb trocken, die zig bemühten Handy-Wetter-Anzeigen behielten recht. Ein Ausweichen in die Reithalle war nicht notwendig.

Die Schauspieler des Fränkischen Theatersommers, eine in den Sommermonaten meist draußen in den die Städten Oberfrankens spielende Bühne, boten diesmal mit „Cabaret“ ein Filmmusical, in dem Liza Minell als Hauptdarstellerin 1973 einen der acht Oscars gewann. In „Cabaret“ steigt der amerikanischer Schriftsteller Brainshaw im bunten Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre ab, um sich vom pulsierenden Leben dort inspirieren zu lassen. Er mietet sich ein Zimmer in einer Pension, in der auch einige im benachbarten Nachtklub beschäftigten Damen ihre Bleibe haben und lernt diese Welt damit kennen.

Brainshaw verliebt sich in eine der Tänzerinnen, es geht drunter und drüber. Doch die Zeiten ändern sich, der Nationalsozialismus und sein strenges Regime gewinnen die Oberhand. Das Ganze wird recht unterhaltsam dargestellt, schnell wechselt die spärliche Kulisse mit wenigen Stühle rücken und dem Vorhang von der Pension zur Cabaret-Bühne, was irgendwie charmant wirkt. Das Publikum bekleidet quasi die Rolle des Zuschauers im Kabarett. Die Schauspieler kämpfen erfolgreich erfolgreich gegen den im Park aufkommenden Wind, singen und tanzen charmant durch den Abend, „Money makes the World go round“, bis zum nachdenklichen Ende des schmissigen Stücks.

Demnächst in Castell

Als nächstes sind bei der Kulturgemeinde Castell die Kinder an der Reihe. Am 8. Juli ist der Kinderkulturtag im Gemeindehaus Castell, wo Thomas Glasmeyer beim Theater „Die wundersame Geschichte vom armen aber zufriedenen Ritter Valentin Gundelfinger“ erzählt.

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