KITZINGEN

Einbruch ins Vereinsheim

Einbrecher sind in der dunklen Jahreszeit besonders aktiv: Wie man sich bestmöglich vor einem Einbruch schützen kann, erfuhren die Besucher bei einem Vortrag in Mellrichstadt. Foto: Andreas Gebert/dpa

Mitte Juli 2014. Der 27-Jährige geht in Kitzingen bis weit in den Abend hinein einem Gelegenheitsjob nach, um sich danach auf den Weg zu einem Bekannten nach Schwarzach zu machen. In der Nähe findet noch ein Vereinsfest statt, die beiden Männer gehen hin und fangen an zu bechern.

Da es schon zu vorgerückter Stunde ist, löst sich die Gesellschaft langsam auf. Bald sitzen die beiden Männer alleine vor dem Vereinsheim – vor allem aber sitzen sie auf dem Trockenen. Die lauschige Nacht ist viel zu schön, um jetzt schlafen zu gehen. Woher aber noch Getränke bekommen? Der suchende Blick der Freunde wandert am Vereinsheim entlang – und bleibt an einer offenen Dachluke hängen. Dann war sie auch schon geboren, die „blöde Idee“, wie der 27-Jährige zerknirscht dem Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm erzählt. Das Duo klettert aufs Dach, zwängt sich durch die Luke, gelangt durch den unverschlossenen Dachboden in die Räume des Vereinsheims und macht sich auf die Suche nach Alkohol-Nachschub.

Dabei bleibt es jedoch nicht: der 27-Jährige entdeckt einen Schrank und bricht die Tür auf. Darin befindet sich eine Kassette mit einem Geldbeutel und 2200 Euro. Er greift zu, steckt das Geld ein und türmt zusammen mit seinem Kumpel, der von dem Diebstahl nichts mitbekommen hat.

Schon auf dem Heimweg dämmert es dem Mann: Das war gerade ganz großer Mist. Und unprofessionell dazu: Auf der Geldkassette werden die Fingerabdrücke des Diebes gefunden, die Polizei hat leichtes Spiel. Dass er auffliegt, ist für den 27-Jährigen fast eine Erleichterung. Er macht sofort reinen Tisch, gibt alles zu und gibt das Geld zurück – wegen der Gewissensbisse hat er keinen Cent davon auf den Kopf gehauen.

Mehr noch: Er geht zum Vorstand des Vereins, entschuldigt sich und legt noch 300 Euro oben drauf – sozusagen als Wiedergutmachung und für den entstandenen Schaden. Dass die Entschuldigung angenommen wurde, zeigt die großzügige Reaktion des Vereinsvorstandes: Er lädt den Täter wieder zum nächsten Fest ein.

Auch vor Gericht macht der Mann einen guten Eindruck. Im Grunde, so wird das Gericht später in der Urteilsbegründung sagen, sei der Angeklagte „eine ehrliche Haut“. Auch wenn drei Vorstrafen scheinbar dagegen sprechen, für die es allesamt Geldstrafen setzte.

Das Problem des 27-Jährigen: In seinem Leben fehlte bisher jegliche Struktur. Dazu kam eine Krankheit, die ihn nach der Diagnose zunächst aus der Bahn warf. Inzwischen sieht die Welt des Mannes wieder freundlicher aus: Er hat einen festen Job und die Krankheit angenommen.

Zehn Monate Haft drohen

Ob das trägt, müssen die nächsten drei Jahre zeigen: So lange steht der Mann unter Bewährung. Schafft er es nicht, straffrei zu bleiben, muss er wegen des Diebstahls in besonders schwerem Fall für zehn Monate hinter Gitter. Zudem bekommt der 27-Jährige einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss 200 Stunden soziale Hilfedienste leisten.

Ein guter Grund, dass die „ehrliche Haut“ auch tatsächlich ehrlich bleibt, sitzt im Zuschauerraum: Die Freundin des Angeklagten, die er durch seine Krankheit kennengelernt hat und die dem Gericht in die Hand verspricht, künftig auf ihren Freund aufzupassen.

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