Iphofen

Elefanten-Ausstellung startet am Sonntag: Graue Riesen in Natur und Kultur

Im Knauf-Museum in Iphofen dreht sich auf drei Etagen alles um die grauen Dickhäuter. Besucher erfahren dabei, weshalb die Tiere den Menschen schon immer fasziniert haben.
In Originalgröße empfängt ein Elefantenmodell die Besucher der Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen.
In Originalgröße empfängt ein Elefantenmodell die Besucher der Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen. Foto: Gerhard Krämer

Jedes Kind kennt das stattliche, graue Tier mit den Stoßzähnen, großen Ohren und dem muskelstarken, langen Rüssel. Das Knauf-Museum in Iphofen widmet dem Elefanten nun die Sonderausstellung "Graue Riesen in Natur und Kultur". Über drei Etagen geht die Ausstellung, die das Tier in verschiedenen Facetten darstellt – vom größten lebenden Landsäugetier bis zum Kuscheltier.

Modell zeigt Elefanten in Lebensgröße

Auf dem Marktplatz thront dieses Mal keine riesige Skulptur wie bei der Troja-Ausstellung. Obwohl es sich mit einem Elefanten durchaus angeboten hätte. Doch ganz wollteMuseumsleiter Markus Mergenthalerauf einen Elefanten nicht verzichten. Im ersten Raum im Erdgeschoss steht ein Modell eines afrikanischen Elefanten in Lebensgröße. Viel Platz ist da nicht mehr für weitere Objekte. Doch die, die zu sehen sind, haben es in sich.

Der Prunk-Elefant mit König und Minister zählt zu den prächtigsten Stücken der Ausstellung.
Der Prunk-Elefant mit König und Minister zählt zu den prächtigsten Stücken der Ausstellung. Foto: Gerhard Krämer

Erst kurz vor der Eröffnung hat Heiner Schwarzberg, Leiter der Abteilung Vorgeschichte der Archäologischen Staatssammlung München, ein Stück Mammut-Elfenbein mit einer Gravierung in eine Vitrine zu einem fossilen Backenzahn aus einer Sandgrube bei Fahr am Main gelegt. Die Mammutgravur auf dem Stoßzahnfragment stammt aus den Klausenhöhlen bei Essing im Altmühltal und ist zwischen 16 000 bis 12 000 vor Christus datiert.

Wolfgang Stein gilt als profunder Kenner des Themas

Da sind dann noch die beiden Prunk-Elefanten aus Elfenbein aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind aus Elfenbein in Indien gefertigt. Prächtig aufgezäumt reiten auf ihnen der König und sein engster Berater. "Das sind die prunkvollsten Stücke der Ausstellung", meint Wolfgang Stein vom Museum Fünf Kontinente in München. Ob sie Deko waren oder als Schachfiguren dienten, wisse man nicht, erläutert Stein bei der Führung durch die Ausstellung. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Thema "Elefant" und gilt als profunder Kenner. "Ohne Wolfgang Stein gäbe es die Ausstellung und den Begleitband nicht", schreibt Markus Mergenthaler in seinem Vorwort zu eben diesem Begleitband.

Die Mammutgravur auf dem Stoßzahnfragment stammt aus den Klausenhöhlen bei Essing im Altmühltal und ist zwischen 16 000 bis 12 000 vor Christus datiert.
Die Mammutgravur auf dem Stoßzahnfragment stammt aus den Klausenhöhlen bei Essing im Altmühltal und ist zwischen 16 000 bis 12 000 vor Christus datiert. Foto: Gerhard Krämer

Viel Wissenswertes vermittelt die Ausstellung über die Elefanten in Afrika und Asien. Unter anderem gibt es einen etwa 20-minütigen Film, der über das Leben der Elefanten und deren Merkmale aufklärt. Der Stammbaum der großen Säuger reicht rund 50 Millionen Jahre zurück. Während der Eiszeit bevölkerten Mammuts, Verwandte und Zeitgenossen der Elefanten, weite Teile der nördlichen Erdhalbkugel und dienten den frühen Jägern als wichtige Fleischlieferanten. Aus dem Elfenbein der Stoßzähne schnitzten die ersten Eiszeitkünstler um 30 000 vor Christus faszinierende Objekte. Noch vor 2000 Jahren vor Christus erstreckte sich der Lebensraum der grauen Riesen über ganz Afrika, den südlichen Mittelmeerraum bis weit nach Asien hinein.

Wilderer haben den Elefanten-Bestand drastisch dezimiert

Anfang des 20. Jahrhunderts soll es in Afrika mehrere Millionen Elefanten gegeben haben. Der Bestand hat sich laut Wolfgang Stein mittlerweile auf etwa 350 000 Tiere reduziert. Dafür verantwortlich macht er "die Gier des Menschen nach Elfenbein". Wilderer töteten die Tiere sogar vom Flugzeug aus mit Maschinengewehren, mit Kettensägen würden die Stoßzähne entfernt. Über Ostafrika gehe der Handel zum Umschlagplatz nach Asien. Hauptabnehmer seien bis dato China und die USA.

Der elefantenköpfige Hindu-Gott Ganesha, hier eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert aus Südindien oder Sri Lanka, gilt als "Beseitiger aller Hindernisse".
Der elefantenköpfige Hindu-Gott Ganesha, hier eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert aus Südindien oder Sri Lanka, gilt als "Beseitiger aller Hindernisse". Foto: Gerhard Krämer

Der Kulturgeschichte des Elefanten in Afrika und Asien widmet sich die Ausstellung im zweiten Stock. Wer sich zwischen zwei Stoßzähne stellen möchte, kann sich so der Größe und Erhabenheit der als weise geltenden Tiere bewusst werden. Daneben als Kontrast beschnitzte Elefantenstoßzähne, die teils in den Export gingen, und ein beschnitzter Oberschenkelknochen.

Neben seiner Bedeutung als Arbeits- und Kriegselefant erlangte der Elefant vor allem in Südasien als königliches Reittier große Geltung. Schon im altindischen Rigveda heißt es, dass Indra, der Götterkönig, auf dem weißen Ur-Elefanten Airavata reitet, der mit drei Köpfen und sechs Stoßzähnen dargestellt wird. Im heutigen Indien erfreut sich der elefantenköpfige Hindu-Gott Ganesha großer Verehrung. Er ist der Sohn Shivas und gilt als "Beseitiger aller Hindernisse", steht für Weisheit, Erfolg und Wohlstand, Attribute, die sich auch auf den Elefanten selbst übertragen lassen, denn dieser könne dank seiner Kraft Hindernisse aus dem Weg räumen. Mit Weisheit und Macht wird das Tier schon früh in Verbindung gebracht. Das Museum zeigt etliche Ganesha-Skulpturen – der Erfolg der Ausstellung ist also garantiert.

Elefantenpfleger plaudert aus dem Nähkästchen

Im Obergeschoss geht es dann um den Elefanten bei der Arbeit, im Zirkus, bei Volksschauen oder im Zoo. Letzterem ist im Begleitband zur Ausstellung ein Kapitel gewidmet, in dem der Elefantenpfleger Navin Adami vom Münchner Tierpark Hellabrunn aus dem Nähkästchen plaudert.

Prachtvolle Kunstwerke zeigt die Ausstellung.
Prachtvolle Kunstwerke zeigt die Ausstellung. Foto: Gerhard Krämer

Aber es geht auch um die Verbindung des Elefanten in Kunst und Kunstgewerbe. Denn die Darstellung der grauen Riesen, aus welchem Material auch immer, hat die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigt.

Der Elefant als Spielzeug und Kuscheltier – natürlich dürfen da Steiff-Elefanten nicht fehlen. Der Aspekt des Elefanten in der Werbung als Sympathieträger rundet die Ausstellung, die auch für die Kleinen viel bietet, ab. Benjamin Blümchen oder Babar, der kleine Elefant, oder der blaue Elefant von der Sendung mit der Maus – die Kinder werden sie erkennen. Und es gibt für sie Ausschnitte aus Zeichentrickfilmen, darunter natürlich auch die Elefantenparade aus dem Dschungelbuch.

Das Knauf-Museum Iphofen stellt in der Sonderausstellung "Elefant – Graue Riesen in Natur und Kultur" eines der größten lebenden Säugetiere der Welt in den Mittelpunkt und zeigt Objekte von der Urzeit bis in die Moderne.
Das Knauf-Museum Iphofen stellt in der Sonderausstellung "Elefant – Graue Riesen in Natur und Kultur" eines der größten lebenden Säugetiere der Welt in den Mittelpunkt und zeigt Objekte von der Urzeit bis in die Moderne. Foto: Gerhard Krämer

Für die Kleinen ist zudem ein eigenes Begleitheftchen erschienen. Die Gipskristallfigur "Gipsi" bringt darin Kindern ab acht Jahren die Ausstellung nahe.

Plätzchen hatten die Form eines Elefanten

Passend zur Ausstellung gab es beim Pre-Opening Plätzchen in Elefantenform. Ein Winzer bietet auch einen Bocksbeutel mit Elefantenmotiv an.

Öffnungszeiten: 31. März bis 10. November, von Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Internet: www.knauf-museum.de

Museumsleiter Markus Mergenthaler (links) und Wolfgang Stein vom Museum Fünf Kontinente in München stellen die Ausstellung zum zum Thema Elefant vor.
Museumsleiter Markus Mergenthaler (links) und Wolfgang Stein vom Museum Fünf Kontinente in München stellen die Ausstellung zum zum Thema Elefant vor. Foto: Gerhard Krämer

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