Euerfeld

Erstmals in Deutschland: Brennstoffzelle versorgt Mobilfunkmast

Im Dettelbacher Ortsteil Euerfeld im Landkreis Kitzingen hat die Telekom Deutschlands ersten klimaneutralen Mobilfunk-Standort in Betrieb genommen, der dauerhaft mit einer Brennstoffzelle (rechts im Bild) mit Bio-Methanol betrieben wird. Die Anlage mit einem 3000-Liter-Ethanoltan... Foto: Thomas Obermeier

"Weltweit wohl einmaliges Projekt" – die Telekom spart bei dem, was sie am Mittwoch in der sengenden Mittagssonne am Rand des Dettelbacher Ortsteils Euerfeld (Lkr. Kitzingen) präsentiert hat, nicht am Superlativ. Um was es dabei geht, steckt in einem weißen Container, der neben einem transportablen Mobilfunkmasten steht. Darin brummt leise eine Brennstoff-Zelle und erzeugt aus Bio-Methanol Elektrizität, die den Funkmasten versorgt – klimaneutral, weil der Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen stammt.

Mobil, klein, leise – das sind laut Andrew Koob, Gesellschafter der Herstellerfirma Hyref die schlagenden Vorteile der Fünf-Kilowatt-Brennstoffzelle, die mit einem 3000 Liter fassenden Methanoltank circa drei Monate autark Strom erzeugt. Das ist deutlich länger als bei bisherigen Erzeugern, häufig Dieselaggregate, die mobile Funkmasten der Telekom mit Strom versorgen.

Hoher Besuch in Euerfeld, wo die Telekom Deutschlands ersten klimaneutralen Mobilfunk-Standort präsentiert, der dauerhaf... Foto: Thomas Obermeier

Zwei Staatsminister unter den Gästen

Dass sich mit dem Pilotprojekt viel Hoffnung verbindet, zeigt sich auch darin, dass sich mit Hubert Aiwanger (Wirtschaft) und Judith Gerlach (Digitales) gleich zwei Staatsminister unter die schwitzenden Gäste gemischt haben. Denn grundsätzlich geht es beim Projekt der Telekom um mehr als dem Ziel des Konzerns, bis zum Jahr 2021 nur noch regenerativ erzeugten Strom zu verwenden, etwas näher zu kommen. Denn solche Brennstoffzellen könnten abgelegene Mobilfunkmasten relativ günstig mit Energie zu versorgen.

Um ein Stromkabel einen Kilometer weit zu einem Funkmasten zu verlegen, summieren sich allein die Tiefbaukosten auf durchschnittlich 70 000 Euro, rechnet Mathias Poeten, der Leiter des Fest- und Mobilfunk-Netzausbaus der Telekom, vor. Hinzu kommen Probleme, etwa wenn Grundbesitzer dem Verlegen von Leitungen nicht zustimmen. Das lässt erahnen, weshalb Mobilfunkversorger sich schwer tun, weiße Flecken in der Netzabdeckung zu schließen.

In 900 Gemeinden ruckelt es bei der Datenübertragung

Aiwanger bezeichnet sich selbst als "bekennenden Brennstoffzellen-Fan". So freut er sich, dass das Pilotprojekt im Landkreis Kitzingen dem Einsatz von Wasserstoff als Energieträger Vorschub leisten könnte. In der Versorgung mit Mobilfunk, hofft er, könnten solche Anlagen dazu beitragen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um nicht nur – wie es die Politik den Anbietern vorgeschrieben hat – bis Jahresende alle Autobahnen und ICE-Strecken mit schnellem Mobilfunk zu versorgen, sondern auch die 900 Gemeinden, in denen es vor allem bei der mobilen Datenübertragung ruckelt.

Dies ist ganz im Sinn von Ministerkollegin Gerlach: Die angestrebte Digitalisierung Bayerns funktioniere nur mit einem flächendeckend gut ausgebauten Mobilfunknetz, und dieses stehe und falle mit der Infrastruktur, sagt sie.

Tamara Bischof kann dies unterschreiben. Funklöcher begleiten die Kitzinger Landrätin nach deren Aussage, seitdem sie vor 19 Jahren ihr Amt antrat. Verändert habe sich wenig, wobei die tatsächliche Netzabdeckung vor Ort oft schlechter ist als theoretisch ermittelt.

Dass das Pilotprojekt der Telekom im Landkreis Kitzingen zustande kam, schreibt sich Stimmkreisabgeordnete Barbara Becker (CSU) auf ihre Fahnen. Sie habe, einem Wahlkampfversprechen folgend, das Unternehmen und die Bürgermeister der Gemeinden Dettelbach, Marktbreit (Lkr. Kitzingen) und Dingolshausen (Lkr. Schweinfurt), in denen ebenfalls solche Brennstoffzellen getestet werden sollen, zusammengebracht mit dem Ziel, die Mobilfunkversorgung auf dem Land zu verbessern.

Im Dettelbacher Ortsteil Euerfeld hat die Telekom Deutschlands ersten klimaneutralen Mobilfunk-Standort in Betrieb genom... Foto: Thomas Obermeier

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