Kitzingen

Europawahl: Wie eine Wahlbeteiligung von 78 Prozent gelingt

Gut besuchtes Wahllokal in Großlangheim: Im Kulturhaus konnten am Sonntag von 8 bis 18 Uhr die Bürger ihre Stimme zur Europawahl abgeben. Foto: Barbara Herrmann

Der Stolz ist Sommerachs Bürgermeister Elmar Henke am Tag nach der Europawahl anzuhören: 78 Prozent seiner Bürger haben abgestimmt. Das ist der Spitzenwert im Landkreis und 4,5 Prozent mehr als bei den traditionell ebenfalls wahlfreudigen Nordheimern (73,5 Prozent). Aufs Treppchen schafft es noch Sulzfeld mit 70,2 Prozent. Damit liegt das Spitzentrio deutlich über dem Landkreis-Schnitt von 61,6 Prozent der knapp 70 000 Wahlberechtigten. Schlusslicht im Landkreis ist Kitzingen mit einer Quote von 53 Prozent.

Wie also ist es zu erklären, dass in der Großen Kreisstadt nur gut die Hälfte der Wahlberechtigten, in Sommerach hingegen fast 80 Prozent ihr demokratisches Grundrecht wahrnahm? Stand der Bürgermeister vorm Wahllokal im Sommeracher Rathaus und hat Süßigkeiten verteilt? Henke lacht. "Das hat wirklich auch mit Tradition zu tun", sagt der 64-Jährige. Und kokettiert sogar mit dem Spitzenwert: "Das ist jetzt eigentlich ein wenig niedrig; ich hatte auf 80 Prozent gehofft." Aus gutem Grund: Schon vorab hatten 45 Prozent der Sommeracher die Möglichkeit der Briefwahl genutzt.

Grüne bleiben unter dem bayerischen Erfolgsergebnis

Schaut man sich das Ergebnis der (ehemaligen) Volksparteien im Landkreis an, spiegelt sich der bayernweite Trend fast exakt wider. CSU (41,8 Prozent, Bayern: 40,7) und SPD (9,9 Prozent, Bayern: 9,3) sind hier noch ein wenig stärker als im Freistaat insgesamt, dagegen bleiben die Grünen mit 16,3 Prozent fast drei Punkte hinter ihrem bayerischen Erfolgsergebnis von 19,1 Prozent.  Grüne Spitzenreiter sind im Landkreis die Kitzinger (18,8 Prozent), dicht gefolgt von den Volkachern (18,5) und Obernbreitern (18,3).

Aber auch bei der CSU gibt es Ausreißer: Schwarze Bastion bleibt Nordheim mit 61,4 Prozent. Ein Ergebnis, von dem die Christsozialen in Mainstockheim nur träumen können: 28,4 Prozent ist deren schwächster Wert im Landkreis. Dafür gelingt der SPD dort und in Mainbernheim immerhin eine Quote von gut 15 Prozent.

Wo die AfD am stärksten ist

Die AfD holte – wie schon bei der Landtagswahl 2018 – in Rüdenhausen mit 12 Prozent ihr stärkstes Ergebnis. Interessanterweise waren es dort bei der vergangenen Europawahl 2014 nur 3,4 Prozent für die AfD gewesen. Den niedrigsten Wert erreichte die Partei übrigens in Nordheim mit 3,8 Prozent, ebenso wie die SPD mit mageren 3,6 Prozent. Neben dem Platzhirsch CSU ist dort offensichtlich nicht mehr viel Luft.

Was bleibt also von einer Wahl, die deutlich mehr Menschen bewegt hat als noch vor fünf Jahren? "Auffällig wenig Plakate und das ist auch gut so", hat Bürgermeister Henke beobachtet. Die Leute urteilten heute nach anderen Kriterien, und es schaue nicht gut aus, wenn alles zuplakatiert sei. Für die 856  Sommeracher war die Erinnerung zur Stimmabgabe anscheinend auch nicht nötig. "Ich find's super, dass die Menschen diese demokratische Möglichkeit hier so gut nutzen."

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