Würzburg/Prichsenstadt

Fahrerin im Ausnahmezustand: Haftstrafe nach tödlichem Unfall

Im Prozess um den schweren Unfall mit zwei Toten bei Prichsenstadt im Herbst 2018 ist das Urteil gefallen. Ursache war einem Gutachter und Zeugen zufolge nicht nur Alkohol.
Archivbild von Oktober 2018: Einsatzkräfte an der Unfallstelle zwischen Altenschönbach und Schönaich im Landkreis Kitzingen nach dem Unfall mit zwei Toten und zwei Schwerverletzten.  Foto: Bertold Diem

Alkohol und ein in Deutschland nicht zugelassenes Medikament gegen Kopfschmerz und Fieber  waren im Oktober 2018 offenbar die Ursache für den tödlichen Unfall auf einer abgelegenen Kreisstraße bei Prichsenstadt-Altenschönbach im Landkreis Kitzingen: Von den vier Fahrzeuginsassen, alles Arbeitskollegen, waren zwei getötet, zwei schwer verletzt worden. Die 35-jährige Fahrerin wurde am Amtsgericht Würzburg nun unter anderem  wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Ihre Führerscheinsperre wurde um drei Jahre und sechs Monate verlängert.

Das Fahrzeug der Angeklagten war am späten Sonntagabend auf der wenig befahrenen Kreisstraße nach einer langgezogenen Kurve mit hoher Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen, hatte sich mehrfach überschlagen und war nach etwa 130 Metern schwer beschädigt auf dem Dach liegengeblieben.  Eine 25-jährige Mitfahrerin und ein 35-jähriger Mitfahrer wurden dabei getötet. Ein weiterer Insasse wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und schwer verletzt. Die schwer verletzte Fahrerin hatte sich aus dem Wrack befreien und den Notruf wählen können. Das Eintreffen der Helfer verzögerte sich,  weil die Fahrerin kaum Deutsch spricht und die Unfallstelle nur vage beschreiben konnte.  

Polizist war zufällig vorbeigekommen

Ein Beamter der Polizeiinspektion Kitzingen war am betreffenden Oktober-Abend mit dem Fahrrad auf dem Heimweg vom Dienst zufällig in der Nähe der Unfallstelle unterwegs. Er hörte die Frau, die aus dem Straßengraben auftauchte und um Hilfe rief, und sah das Fahrzeug in einem Feld liegen. Und er hörte Rettungsfahrzeuge auf der Suche nach der Unfallstelle.

Den Ermittlungen zufolge war Fahruntüchtigkeit - aufgrund 0,8 Promille und einem Medikament - die Unfallursache gewesen. Der 32-jährige Mitfahrer,  der den Unfall überlebt hatte, berichte als Zeuge vor Gericht,  die Angeklagte habe während der Fahrt ganz plötzlich zu weinen begonnen und Vollgas gegeben. Die Tachonadel habe zwischen 220 und 240 km/h vibriert. Er habe Angst bekommen und  die Kollegin gebeten, ihn aussteigen zu lassen, doch sie habe überhaupt nicht reagiert. Dann ende seine Erinnerung.

Rechtsmediziner: "Es war nicht nur der Alkohol"

24 Tage lang war der 32-Jährige im künstlichen Koma gelegen. Heute hat er selbst mit Gehhilfen Probleme,  sich fortzubewegen. Einen Beruf kann er nicht mehr ausüben. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte er gerade vier Wochen in Altenschönbach gearbeitet und seinen ersten Lohn erhalten.

Rechtsmediziner Dr. Thomas Tatschner sprach vor Gericht von einer Ausnahmesituation: "Es war nicht nur der Alkohol." Die Angeklagte habe schon zuvor beim Halt auf einem Parkplatz heftig geweint und sei von ihrem Mitfahrer nicht zu trösten gewesen.

Angeklagte ohne Erinnerung

Die 35-Jährige selbst konnte keine Aussagen zum Unfall machen, ihre Erinnerung setze bereits weit vor der Fahrt aus. Sie akzeptiere aufgrund der Polizeiermittlungen, dass sie selbst am Steuer ihres Fahrzeugs gesessen haben muss. Einer ihrer Schuhe war vor dem Fahrersitz gefunden worden. 

Die Verteidigung beantragte  eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Das Schöffengericht verurteilte die Angeklagte zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Der Vorsitzende Richter machte der Fahrerin wenig Hoffnung auf ein milderes Urteil in der nächsten Instanz. "Im Namen des Volkes" Bewährung zu geben, "das würde niemand verstehen".

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