MAIN-SPESSART/KITZINGEN

Falsche Anwältin nimmt Mann aus

Weil eine 43-jährige Hausfrau aus dem Raum Marktheidenfeld einem leichtgläubigen 47-Jährigen die Rechtsanwältin und Immobilienmaklerin vorspielte und ihn nach Strich und Faden ausnahm, drohen ihr fünf Jahre Gefängnis. Das Schöffengericht Gemünden bezog in sein Urteil eine Vorverurteilung wegen Betrugs in 48 Fällen ein. Zur Gesamtstrafe von drei Jahren und neun Monaten kommt eine Einzelstrafe von einem Jahr und vier Monaten.

Dem späteren Opfer aus dem Landkreis Kitzingen ging es darum, weniger Unterhalt für seine beiden Kinder zu bezahlen. Hilfe erhoffte er sich von der Angeklagten, die sich nicht nur als Immobilienmaklerin vorstellte, sondern auch als Millionärin und Anwältin.

Die „Beratung“ kam dem 47-jährigen Mann teuer zu stehen. Um seine Einkommensverhältnisse vor dem Jugendamt zu vertuschen, gewährte er der Angeklagten aus Ersparnissen ein Darlehen über 50 000 Euro. Der Vertrag sei nur pro forma gemacht worden, erklärte der 47-Jährige. Man habe vereinbart, dass der Vater der Frau das Geld im Ausland anlege und er es zurückbekomme, sobald die Unterhaltssache geklärt wäre.

Damit nicht genug: Die vermeintliche Anwältin überredete den Mann auch, dass er 2010 einen Kredit über 30 000 Euro aufnahm, um Schulden bei der Unterhaltsberechnung geltend zu machen. Auch diese Summe wurde angeblich im Ausland angelegt.

„Ich wollte, dass es vorbei ist.“
Das Opfer zum Ausgangsmotiv, den Unterhaltszahlungen

Die Angeklagte zog ihrem Opfer nach dessen Aussage aber noch mehr Geld aus der Tasche: Mal ein paar Tausend Euro für Nachzahlungen ans Jugendamt, mal für Gerichtskosten. Zudem 3000 Euro, die sie sicher in ihrem Safe aufbewahren wollte, da angeblich eine Sperrung der Konten des 47-Jährigen drohte.

Ende 2012 behauptete die Angeklagte, alle ihre Konten seien gesperrt worden und sie müsse monatlich 1800 Euro zahlen wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Staatsanwalt. Daraufhin verkaufte das leichtgläubige Opfer sein Sportcoupé und gab ihr die 5300 Euro Erlös. Alles in allem, so der 47-Jährige, sei er um über 100 000 Euro gebracht worden, dazu kam eine saftige Unterhaltsnachzahlung.

Die Beschuldigte schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen. Über ihren Anwalt ließ sie erklären, nur das Darlehen über 50 000 Euro sei zutreffend und werde über den Verdienst ihres Mannes auch getilgt. „Ich wollte, dass es vorbei ist“, sagte der 47-Jährige auf die Frage seines Anwalts, wie er sich während der Geschichte gefühlt habe und meinte damit seine Unterhaltsangelegenheiten.

Schließlich ging das Opfer zur Polizei. Anfangs habe er das alles kaum glauben können, erinnert sich der Ermittler als Zeuge: „Wie kann ein Mann so bescheuert sein?“ Doch die Geschichte sei immer plausibler geworden: Bei der Hausdurchsuchung bei der 43-Jährigen seien Belege über Barausgaben und zwei Autokäufe aufgetaucht, die zu den Angaben des Mannes passten. Darüber hinaus sei die Wohnung übergequollen: Vier Fernseher, Unmengen von Lebensmitteln und Schuhen, 100 Computerspiele. Dabei hatte die Frau zweimal die eidesstattliche Versicherung abgelegt.

Die Möglichkeit einer Verständigung mit dem Gericht schlug die Beschuldigte aus. Sie wolle nichts zugeben, was sie nicht getan habe, weil sie damit „beim letzten Mal“ schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Sie meinte ihre Verurteilung vom September 2010 zu zwei Jahren auf Bewährung und 160 Tagessätzen wegen Betrugs in 48 Fällen. Damals ging es darum, dass sie einem Mann die Ehe versprochen und einem anderen eine Schwangerschaft vorgetäuscht sowie Geld erschwindelt hatte. Ein weiteres Ermittlungsverfahren läuft noch.

Vor den Plädoyers beschränkte das Gericht das Verfahren auf die beiden großen Zahlungen (50 000 und 30 000 Euro) sowie die 5300 Euro aus dem Autoverkauf. Die Staatsanwältin fordert für ersteres unter Einbeziehung der Vorstrafe vier Jahre Gesamtstrafe und für die Sache mit dem Autoverkauf ein Jahr und acht Monate. Der Verteidiger bleibt dabei, dass es nur um die 50 000 Euro gehen könne. Eine Strafe im Bereich von dreieinhalb Jahren sei angemessen.

Das Schöffengericht geht von Betrug in drei besonders schweren Fällen aus: wegen der Höhe, und weil es gewerbsmäßiger Betrug zur Finanzierung der Lebensführung war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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