Münsterschwarzach

Flitterwochen statt Wohngemeinschaft

Reden wir darüber: Andrea und Karl Heinz Wegner, seit fast 26 Jahren verheiratet, organisieren Paarwochenenden. Foto: Wegner

Wenn's in der Ehe kriselt: Andrea und Karl Heinz Wegner aus Schwabach organisieren für Marriage Encounter (ME), eine geistliche Ehebewegung der katholischen Kirche, Paarwochenenden unter der Überschrift „Die Liebe neu erleben“ – so wie vom 15. bis 17. April im Kloster Münsterschwarzach. ME entstand 1968 in Amerika. Andrea und Karl Heinz Wegner, die seit fast 26 Jahren verheiratet sind, übernahmen 2015 das ME-Bayern. Der Bedarf scheint da zu sein – das Paarwochenende im April in Münsterschwarzach ist jedenfalls schon ausgebucht.

Frage: Liebe ist . . .

Andrea Wegner: . . . eine Entscheidung. Die Liebe darf nicht bei den Gefühlen stehen bleiben.

Hat Liebe eine Halbwertzeit?

Andrea Wegner: Nein,wenn die Kommunikation stimmt . . . Karl Heinz Wegner: . . . hat sie eine Vollwertzeit.

Was kann alles an der Liebe nagen?

Karl Heinz Wegner: Wenn wir kein Verständnis füreinander aufbringen, keine Beziehung leben. Andrea Wegner: Vor allem Stress. Man könnte jetzt auch sagen: Eifersucht. Aber ich war früher eifersüchtig und bin es nicht mehr, weil wir ständig im Gespräch sind und das gibt mir Sicherheit.

Ist der Alltag mächtiger als die Liebe?

Andrea Wegner: Wenn wir ihn lassen . . . Karl Heinz Wegner: Wenn wir uns aus den Augen verlieren . . .

Die Liebe wieder neu zu erleben – wie geht das?

Andrea Wegner: Sich darauf besinnen, was ich mag an dir, was haben wir gemeinsam? Warum habe ich mich damals für dich entschieden? Möchte ich mit dir weiterleben und wenn ja, warum?

Karl Heinz WEgner: Ich kann mich fürs Lieben entscheiden!

Gibt es das verflixte siebte Jahr?

Karl Heinz Wegner: Schwierige Jahre gibt es in jeder Beziehung – mal früher, mal später. Andrea Wegner: Bei mir war es das Fünfte.

Wie oft gab es den Kurs schon? Mit wie vielen Teilnehmern?

Andrea Wegner: Seit 1980 haben insgesamt 435 Wochenenden stattgefunden mit 4389 Paaren und 150 Priestern.

Wie viele Ehepaare haben Sie gerettet?

Karl Heinz Wegner: Das kann man so nicht sagen, aber alle ME-Paare, die wir kennen, sind sich darin einig, dass ihre Beziehung besser geworden ist.

Wann versagen Ihre Möglichkeiten?

Andrea Wegner: Wenn sich die Paare innerlich bereits voneinander getrennt haben.

Karl Heinz Wegner: ME ist keine Paartherapie.

Das Angebot richtet sich an wen genau?

Karl Heinz Wegner: Paare, die gerne zusammen sind und es auch bleiben möchten.

Andrea Wegner: Paare, die aus ihrer 'Wohngemeinschaft' wieder öfter 'Flitterwochen' machen möchten.

Wie alt sind die Teilnehmer?

Andrea Wegner: Wir waren damals 30 und 37 Jahre alt, die Kinder waren klein – ein idealer Zeitpunkt, um sich so ein Wochenende zu gönnen. Viele Paare haben aber schon Enkel, wenn sie das ME-Wochenende entdecken.

Wie sieht so ein Wochenende aus?

Karl Heinz Wegner: Die Wochenenden laufen stets nach einem bestimmten Plan ab: Drei Paare und ein Priester leiten das Seminar, zwölf Themen werden bearbeitet. Dabei geht?s um die Frage nach der eigenen Identität, um Gefühle, um Kommunikation, auch um Sexualität. Jeder bedenkt die Thematik erst für sich selbst, um dann mit dem Partner zu sprechen. Dabei geht?s nicht ums Diskutieren, sondern um das Zuhören mit dem Herzen. Was der Partner mir von sich mitteilt, als Geschenk nehmen.

Andrea Wegner: Ich habe meinen Mann an dem Wochenende erst richtig kennengelernt.

Karl Heinz Wegner: Die Privatsphäre bleibt gewahrt – es gibt keine Gruppengespräche.

Reden Ehepaare zu wenig miteinander?

Andrea Wegner: 'Holst du heute die Kinder ab?' oder 'Was gibt es morgen zum Essen?' ist nicht wirklich miteinander reden. Nach einiger Zeit meinen wir, wir wüssten eh schon alles voneinander. Was der Andere denkt, wie er fühlt. Interessant sind aber Fragen wie 'Wie geht es dir heute? Was hat dich heute am stärksten bewegt? Wie geht es uns miteinander?' Da kommen jeden Tag andere Antworten.

Spielt der Glaube eine Rolle?

Andrea Wegner: Ja, es geht auch um den Glauben, um das 'Sakrament' Ehe, obgleich es weder Voraussetzung für die Teilnahme am Wochenende ist, katholisch zu sein, noch, überhaupt einer Kirche anzugehören. Ich bin evangelisch.

Karl Heinz Wegner: Und für mich spielt der Glaube gar keine Rolle.

Zwei Tipps, wie sich Beziehungen auffrischen lassen?

Andrea Wegner: Sich immer wieder Impulse von außen holen. Das kann ein Film sein, ein Buch, eine Therapiestunde. Und: im Gespräch bleiben – aber richtig.

Karl Heinz Wegner: Besonders effektiv ist ein ME-Wochenende.

Wann haben Sie sich kennengelernt?

Andrea Wegner: 1986 in der Arbeit.

Ein Wort zum Veranstalter, der Marriage Encounter Gemeinschaft.

Andrea Wegner: Marriage Encounter ist eine geistliche Ehebewegung der katholischen Kirche. Es bedeutet etwa „vertiefte Begegnung in der Ehe“. Wir engagieren uns ehrenamtlich für einen verständnisvollen und liebevollen Umgang miteinander.

Das Wochenende in Münsterschwarzach ist inzwischen ausgebucht . . .

Andrea Wegner: Ja, der nächste Termin in Münsterschwarzach ist erst wieder im kommenden Jahr vom 31. März bis 2. April. Anmeldungen unter muensterschwarzach@me-deutschland.de. Weitere Infos gibt's unter www.me-deutschland.de.

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