Iphofen

Franken als Schwerpunkt des Hexenwahns

Eröffnung Franken als Schwerpunkt des Hexenwahns: Die Sonderausstellung im Iphöfer Knauf Museum widmet sich nach zwei Jahren Vorbereitung den Hexenverfolgungen – und lässt die Opfer zu Wort kommen.
Platz des Verhörs
(gkr) Auf einem solchen Stuhl möchte niemand mehr Platz nehmen. Für Museumsleiter Markus Mergenthaler, Margarete Klein-Pfeufer und Ingrid Knauf gehört er aber in die Ausstellung „Hexenwahn in Franken“, die am Wochenende im Iphöfer Knauf-Museum eröffnet wurde. Foto: Gerhard Krämer

Wer im Knauf-Museum auf dem Weg vom Eingang zur Sonderausstellung flüsternde Stimmen hört, leidet nicht unter Wahnvorstellungen. Von überall her scheinen sie zu kommen. Wie hinter vorgehaltener Hand dringen Wortfetzen ans Ohr. „Der böse Blick“ – „schwarze Katzen hat sie auch“ – „die hat sie auch verhext“. Dann taucht das Bild einer vermeintlichen Hexe auf und der Besucher beginnt zu verstehen, wie nur durch Bezichtigungen unzählige unschuldige Menschen den Tod auf dem Scheiterhaufen fanden.

Die Sonderausstellung „Hexenwahn in Franken“ widmet sich nach zweijähriger Vorbereitungszeit einer äußerst düsteren Epoche, der Zeit der Hexenverfolgungen. Mit Deutschland als Zentrum des Hexenwahns in Europa, der in Franken seinen Schwerpunkt hatte. Es war wohl eine Zeit, in der die Menschen sehr verunsichert waren. Während damals Hexen Angst und Schrecken bei den Menschen auslösten und niemand etwas mit ihnen zu haben wollte, seien sie Dank Bibi Blocksberg und Harry Potter heute kaum aus unserem Leben wegzudenken, wie es der Direktor des Kriminalmuseums in Rothenburg, Markus Hirte, in seinem Festvortrag ausdrückte.

Auslöser der damaligen Hexenverfolgung in Franken, der Tausende von Menschen zum Opfer fielen, könnten laut Museumsleiter Markus Mergenthaler Missernten in Zusammenhang mit der „Kleinen Eiszeit“ gewesen sein, mögliche Gründe könnten aber auch in religiösen Dingen oder Krankheiten liegen.

Ab 1430 kam es in der Westschweiz zu den ersten Hinrichtungen von Frauen als Hexen. Nach dem Erlass der so genannten Hexenbulle 1484 durch Papst Innozenz und dem Erscheinen des „Hexenhammers“ 1487, für Margarete Klein-Pfeufer, Mitorganisatorin der Ausstellung, ein „unheilvolles Werk“ aus der Feder des Dominikanerpaters Heinrich Kramer, fanden weitreichende Hexenverfolgungen päpstlicher Inquisitoren in Südwestdeutschland statt.

Der Glaube an die Existenz von Hexen war in jener Zeit allgegenwärtig: In der Ausstellung ist neben einer Ausgabe des „Hexenhammer“ und weiteren zeitgenössischen Werken zum Thema auch die Schedel‘sche Weltchronik mit der Abbildung einer mit dem Teufel reitenden Hexe zu sehen. Auch Albrecht Dürer schuf einen Kupferstich mit einer Hexe auf dem Ziegenbock.

In den Jahren 1585/87 breiteten sich die Verfolgungswellen über Schwaben nach Franken aus und führten auch in evangelischen Gebieten zu Hexenverbrennungen. In der Folgezeit nahmen die Hexenprozesse in Franken rasant zu und dehnten sich in die katholischen Fürstbistümer Würzburg und Bamberg, daneben auch Eichstätt aus. Die Rolle der Fürstbischöfe in dieser Zeit wird ausgiebig beleuchtet. In Würzburg nämlich setzte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Gegenreformation durch und trieb dabei ab 1590 auch die Jagd nach Hexen voran, ebenso wie Johann Gottfried I. von Aschhausen, Philipp Adolph von Ehrenberg und Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, der als „Hexenbrenner“ von Bamberg traurige Berühmtheit erlangte.

Die Ausstellung lässt viele Frauen, Männer und Kinder ihr ganz persönliches Schicksal erzählen:

Walburga Rabenstein, 1616, stranguliert und verbrannt – Kunigunde Weingartsmann, 1616, verbrannt – Hans Götz, 1627, enthauptet und verbrannt oder Hans Link (zehn Jahre), verhört, Schicksal ungewiss. Vom Künstler Wladimir Petrischev geschaffene Silhouetten machen Personen aus Iphofen, Rödelsee, Kitzingen, Ochsenfurt, Gerolzhofen oder Wertheim mit Verhörprotokollen oder Briefen präsent. So gibt die Ausstellung auf 360 Quadratmetern einen Einblick, wie es zu grausamen Fehlurteilen in der Zeit der Hexenverfolgung kommen konnte und öffnet neue Sichtweisen auf das Thema.

Die Sonderausstellung „Hexenwahn in Franken“ ist bis 2. November im Knauf-Museum Iphofen, Am Marktplatz, zu sehen. Infos unter Tel. (0 93 23) 3 15 28 oder -3 10 sowie im Internet: www.knauf-museum.de. Geöffnet Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Zu der Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitband im Verlag J.H. Röll, Dettelbach, erschienen.

Hexenprozesse in Iphofen: Das Handeln von Valentin Pfaff, der mit seiner Familie auf einem Holztafelgemälde verewigt ist, ist ebenso dargestellt, wie das Schicksal von Walburga Rabenstein oder Barbara Lump. Foto: Gerhard Krämer
Modernste Technik: Sie lässt ein Verhör mit einer vermeintlichen Hexe erleben, erklärt Museumsleiter Markus Mergenthaler.
Hexenverfolgung: Margarete Klein-Pfeufer und Museumsleiter Markus Mergenthaler zeigen in der Ausstellung auch die Rolle der Fürstbischöfe auf. FOTO Gerhard Krämer
Doppelköpfiges Kalb: Ein Hauptvorwurf an die angeblichen Hexen war, dass sie das Vieh verzaubern würden. Missbildungen brachte man deshalb früher mit dem Schadenszauber der Hexen in Verbindung. Foto: Gerhard Krämer
Folterwerkzeuge: Geständnisse waren für eine Verurteilung notwendig. Dazu durfte nach damaligem Recht gefoltert werden.
Verhör: Es musste ein „Hexenhemd“ getragen werden, oft mit Weihwasser besprengt.

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