Kitzingen

Für 9,90 Euro mit der Familie im Bus nach Würzburg und zurück

Der Kreistag Kitzingen hat ein Ziel: Er will in naher Zukunft für alle Landkreis-Bewohner bezahlbare und regelmäßige Bus- und Zugfahrten anbieten. Geld dafür gibt es jetzt.
Öffentlicher Personen-Nahverkehr auf dem Land: So wie hier das Dorfschätze-Gefährt dürfte der Bus im Landkreis Kitzingen gern häufiger und an mehr Orten fahren. Foto: Thomaier (Archiv)

Kreisräte sind selten dafür bekannt, dass sie bei ihren Aufgaben ins Träumen geraten. Sie haben häufig mit dem Klein-Klein alltäglicher Verwaltungsarbeit im Hier und Jetzt zu tun. Umso mehr freut es die Landkreisvertretung, wenn sie mal hoffnungsvoll in die Zukunft blicken darf.

So geschehen in der Ausschuss-Sitzung für Umwelt, Verkehr und ÖPNV am Donnerstag: Landrätin Tamara Bischof und die Verwaltung malten den Kreisräten ein Bild von einem Öffentlichen Personen-Nahverkehr der Zukunft, der einen ins Schwärmen geraten lassen könnte. Da war die Rede von Familientickets für 9,90 Euro, mit denen eine Familie einen ganzen Tag lang von Kitzingen über Würzburg bis in den tiefen Spessart und zurück fahren könnte.

Ein Feuerwerk an attraktiven Ideen

Haltestelle für den Schulbus in Reupelsdorf. Regelmäßiger ÖPNV? – Fehlanzeige.  Foto: Andreas Stöckinger

Der Ausschuss hörte von E-Tickets – elektronischen Fahrkarten, die automatisch für jede Fahrt von A nach B immer den günstigsten verfügbaren Preis berechnen, ohne dass man sich vorher danach erkundigen muss. Und das alles in Bussen und Zügen, die nicht nur häufiger als jetzt verkehren, sondern auch mehr Orte bedienen. Und schließlich soll es irgendwann noch ein 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis geben, mit dem sie ein Jahr lang kostenlos in ganz Bayern Bus und Bahn fahren dürfen.

Alles Träumerei? Der Landrätin und den Kreisräten ist es damit ernst. Helfen, dies alles zu verwirklichen, soll der sogenannte Mobilitätsfonds: Der Freistaat Bayern bietet den Verkehrsverbünden, begrenzt auf die kommenden fünf Jahre, eine millionenschwere Förderung an – vorausgesetzt, sie beteiligen sich mit derselben Summe. Das würde sich im Fall des Verkehrsverbunds Mainfranken (VVM), zu dem der Landkreis Kitzingen, die Stadt und der Landkreis Würzburg und der Main-Spessart-Kreis gehören, auf zusätzliche 5,6 Millionen Euro summieren.

Auch eine Art ÖPNV: die Mitfahrerbank in Marktbreit in der Obernbreiter Straße. Wer von anderen Autofahrern mitgenommen werden möchte, setzt sich auf die Bank. Foto: Andreas Brachs

Mit diesem Geld will der Landkreis Kitzingen bis 2024 so viele seiner Träume wie möglich Realität werden lassen. Was ist konkret geplant? Während Landkreis-Bürger im Verkehrsverbund Nürnberg (VGN) mit einem günstigen Tagesticket fahren können, kostet die Tageskarte nach Würzburg und zurück derzeit 24,70 Euro. Die Folge: Familien steigen gern mal in den Zug nach Nürnberg; nach Würzburg fahren sie lieber mit dem Auto, auch wenn das Sprit und Parkgebühren kostet.  

Was für Nürnberg gilt, soll auch für Würzburg möglich sein

Deshalb strebt der Landkreis analog zum Nürnberg-Fahrschein ein Familien-Tagesticket für den VVM an, das nicht mehr als 9,90 Euro kosten soll. Im gleichen Zug will der Landkreis den  Großwabenzuschlag abschaffen und einen Fahrpreis nach gefahrenen Waben einführen.

Attraktive Tickets nützen aber nichts, wenn kein Bus kommt. Also will der Landkreis mehr davon fahren lassen. Ziel ist ein flächendeckender Stundentakt. Im nördlichen Landkreis soll im Verbund mit dem Landkreis Schweinfurt ein System mit drei Kleinbussen getestet werden, die nicht nach festem Fahrplan, sondern nach Bedarf verkehren soll. Eine Zentrale koordiniert eingehende Fahrwünsche der Passagiere und übermittelt ihnen im Umkehrschluss die Abfahrtszeiten. 

Wartet auf den Regelbetrieb: der Bahnhof Astheim der Mainschleifenbahn. Foto: Andreas Brachs

Mit Blick auf die Reaktivierung der Mainschleifenbahn, die Fahrgäste aus dem Raum Schweinfurt/Volkach bis nach Würzburg bringen soll, will der Landkreis auch den Busverkehr auf den Linien Volkach – Würzburg und Dettelbach – Würzburg verbessern. Dafür muss er allerdings bis Jahresbeginn 2026 warten, denn nach den Erwartungen der Landkreisverwaltung wird die Mainschleifenbahn frühestens dann im Regelbetrieb verkehren. 

Technik ist teilweise noch nicht entwickelt

Während es bei einigen Initiativen vor allem ums Geld geht, das nun da zu sein scheint, muss ein weiterer Vorschlag höhere Hürden nehmen. Die Einführung eines E-Tarifs, der eine Fahrt automatisch erfasst, abrechnet und dabei sogar noch den günstigsten Fahrpreis ermittelt, ist denkbar, aber derzeit noch nicht technisch machbar, erklärte der Nahverkehrsbeauftragte im Landratsamt, Günter Rauh. Ein leistungsfähiges System zu entwickeln, werde wohl noch fünf Jahre dauern. 

Wenn es um das 365-Euro-Jugendticket geht, das Schülern und Azubis ein Jahr lang die Nutzung von Bus und Bahn eröffnen soll, gibt es unterschiedliche Zeitvorstellungen: Realistisch scheint, dass der VVM ein solches Ticket ab dem Schuljahr 2020/21 anbieten kann. Bis dieses Modell bayernweit gilt, wird es allerdings noch länger dauern. 

Billige Tickets und mehr Busse kosten den Landkreis Geld

Unübersichtlich, schwer zu lesen, kein Fahrpreis erkennbar: ein klassischer Busfahrplan, hier an der Haltestelle Jahnstraße in Kitzingen. Foto: Andreas Brachs

Die Krux bei all diesen wünschenswerten Verbesserungen im ÖPNV: Wenn die Tickets für die Fahrgäste billiger werden und das Angebot an Bussen und Bahnen ausgeweitet wird, entstehen Verluste. Und die muss die Öffentliche Hand tragen. In diesem Fall der Freistaat und für seinen Bereich der Landkreis Kitzingen. Der Freistaat möchte aber Teile seiner Unterstützung nur auf wenige Jahre begrenzt zahlen und überlässt die steigenden Lasten danach allein den Verkehrsverbünden, sprich den kreisfreien Städten und Landkreisen. 

Sehenden Auges hat sich der Ausschuss des Kitzinger Kreistags dennoch für die Stärkung des ÖPNV ausgesprochen, auch wenn das mit steigenden Kosten verbunden ist. Die Gründe sind kurz gesagt: eine bessere Mobilität der Bürger auf dem Land und mehr Klimaschutz durch Vermeidung von so vielen Autofahrten wie möglich.

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