Wiesenbronn

Für Einwohner steht fest: Wiesenbronn braucht einen Kaufladen

In der vollbesetzten Wiesenbronner Sporthalle informierte Wolfgang Rückert aus Langenfeld über die Möglichkeit, in einem Dorf einen Kaufladen zu betreiben Foto: Winfried Worschech

Eindrucksvoller hätte das Votum dafür, dass Wiesenbronn auch in Zukunft einen Kaufladen braucht, nicht ausfallen können. Zur Versammlung am Donnerstagabend, bei der es um dieses Thema ging, war die Sporthalle vollbesetzt. Eingeladen hatte die Initiative Pro Kaufladen, die schon fast 400 Unterschriften für den Laden gesammelt hatte. Das als "Krämer-Laden" bekannte Geschäft musste wegen Insolvenz der Fritz Krämer GmbH & Co. KG, zu der er gehörte, schließen.

Frank Ackermann, Sprecher der Initiative, berichtete davon, dass er mit Altbürgermeister Gerhard Müller die Dorfläden in Buchbrunn und Langenfeld bei Markt Bibart besucht hat, "und wir wollen mit dem Laden in Langenfeld ein Beispiel dafür bringen, wie so ein Problem gelöst werden könnte, denn wir alle brauchen einen Kaufladen". Wolfgang Rückert, Dritter Bürgermeister und ehrenamtlicher Geschäftsführer des Dorfladens in Langenfeld, zeigte auf, was Gemeinschaftssinn für die Entwicklung eines Dorfes möglich macht; der Dorfladen sei dabei "die wichtigste Sache", da er auch Begegnungsstätte für mehrere Generationen sei. "Denn wenn der letzte Treffpunkt der Friedhof ist, dann ist das Dorf am Ende."

Die Hauptgesellschafter sind sechs Vereine

So entstand in Langenfeld ab 2006 ein Mehrgenerationenhaus mit 17 Plätzen mit Tagespflege, eine rund um die Uhr ambulant betreute Wohngemeinschaft mit barrierefreier Nasszelle für zwölf Bewohner, in der ehemaligen Postkutschenstation ein Gasthaus und eine Begegnungsstätte mit Tages-Café unter dem Namen "Dorflinde". Als die Bäckerei Insolvenz anmeldete, habe man sich im Gemeinderat mit dem Thema Dorfladen befasst, eine Bürgerversammlung dazu veranstaltet und einen kompetenten Berater gefunden; "ein Arbeitskreis legte im Januar 2014 los". Im April 2014 habe man sich dann für die alte Zimmerei, die die Gemeinde kaufte, als Standort des Ladens entschieden, im Februar 2015 die Planung beauftragt, mit potenziellen Lieferanten gesprochen. Im Dezember 2015 wurde die Dorfladen Langenfeld UG mittels fünf eingetragener Vereine aus Langenfeld und eines Vereins der Nachbargemeinde Ullstadt als Hauptgesellschafter gegründet. Im gleichen Monat erfolgte die Gründungsversammlung der stillen Gesellschafter mit 150 Beteiligten und einem Kapital von rund 60 000 Euro, plus Wahl des Aufsichtsrats. Seit Mai 2017, als der Dorfladen eingeweiht wurde, gibt es etwa 300 stille Gesellschafter mit rund 140 000 Euro Kapital, "und die sagen, das ist unser Laden".

Nach dem erfolgreichen Gespräch mit "Tegut" erfolgte im Oktober 2016 der Spatenstich für den Laden, aus dem ein Dienstleistungszentrum mit kleinem Supermarkt, Backstube und Café, Lottoannahmestelle, Postfiliale, Arztpraxis, Physiotherapie, Geldautomat samt Kontoauszugsdrucker und E-Tankstelle wurde. Beschäftigt sind eine Vollzeitkraft, vier Teilzeitkräfte, zwei Kräfte auf 450-Euro-Basis und etliche ehrenamtliche Hilfskräfte. Laut Rückert wäre das ganze Unternehmen ohne die Gemeinde unmöglich gewesen. "Und es gab im Dorf noch nie so eine positive Resonanz wie für den Laden, der auch ein sozialer Treffpunkt, so etwas, wie eine Daseinsvorsorge, und wichtig für die Innenortentwicklung und die Dorfgemeinschaft ist."

Der Kärmerladen mitten in Wiesenbronn ist seit 24. Juni geschlossen, da der Betreiber insolvent ist. Foto: Barbara Herrmann

Altbürgermeister Müller: "Wir müssen uns selbst helfen"

Zum Stand der Dinge in Wiesenbronn teilte Frank Ackermann mit, dass es für das Haus samt Krämerladen einen Interessenten aus Volkach gebe und auch die Gemeinde ein Angebot abgeben werde. "Wiesenbronn wurde wegen des Ladens beneidet, er war auch ein sozialer Treffpunkt", bedauerte Altbürgermeister Gerhard Müller die Schließung des gut gehenden Dorfladens. Er appellierte an die Wiesenbronner, auch in Sachen Dorfladen zusammenzuhalten, "denn wir müssen uns selbst helfen".

Dies war auch die Haltung der Anwesenden, die sich alle für den Fortbestand des Ladens aussprachen. Es wurde vorgeschlagen, jetzt nicht das Multifunktionshaus im Anwesen neben dem Rathaus, sondern ein Projekt "Dorfladen" in Angriff zu nehmen. Zur Sprache gebracht wurde auch der Bauplatz gegenüber dem bisherigen Laden, auf dem nicht ein Mehrgenerationenhaus, sondern ein Laden gebaut werden könnte.

Gründung einer Gesellschaft könnte helfen

Zweiter Bürgermeister Reinhard Fröhlich hielt davon nichts, da es an dieser Stelle keine Parkplätze gebe, "ein eventueller Neubau müsste am Ortsrand erfolgen". Wegen des Insolvenzverfahrens seien der Gemeinde nach wie vor die Hände gebunden. Mitglieder der Initiative berichteten, dass der Investor aus Volkach auch Interesse am Weiterbestand des bisherigen Krämerladens habe, weshalb möglichst bald ein Betreiber für den Laden gefunden werden sollte. Ackermann schlug vor, so etwas wie eine Genossenschaft zu gründen, um das in die Tat umsetzen zu können. "Wer sich an dieser Interessengemeinschaft beteiligen will, soll sich per E-Mail rühren oder im Briefkasten des Hauses Koboldstraße 10 eine Nachricht hinterlassen."

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