Kitzingen

Gedenken zur Pogromnacht: Auf den Spuren jüdischer Mitbürger

Beim 2. Kitzinger Gedenkspaziergang zur Pogromnacht berichtete Jan Götz von einem Kitzinger Schicksal. Foto: Christine Pfanzer

Zur Erinnerung an die vielen jüdischen Mitbürger in Kitzingen, die Opfer der Nazizeit wurden, luden wie schon 2018 die Mitglieder der Jungen Union, Sabrina Stemplowski und Daniel Nagl, zu einem Gedenkspaziergang am Jahrestag der Reichspogromnacht ein. Diese Gedenkveranstaltung soll laut Nagl die Erinnerungsarbeit frisch gestalten, um somit alle Teile der Bevölkerung, besonders die Jugendlichen, zu erreichen. Durch das Nahebringen der einzelnen Schicksale sollen deren Geschichten am Leben erhalten und in die Mitte der Gesellschaft getragen werden.

So fanden sich am Samstagabend circa 25 Interessenten am Koffer-Denkmal am Rosengarten ein. An jenem Mahnmal, das an die vielen Familien erinnern soll, die von den Nationalsozialisten aus Kitzingen deportiert wurden. Von dort aus begaben sich die Teilnehmer zunächst in die Rosenstraße, in der einige sogenannte Stolpersteine jene Häuser markieren, in denen jüdische Bürger gelebt haben. An diesen Stolpersteinen wurden Kerzen aufgestellt, um sich auf die Menschen zu besinnen, denen an diesem Ort Schreckliches von Seiten der Nationalsozialisten widerfahren ist.

Erinnerung an 15-jährige Oppenheimer

Stolpersteine in der Kitzinger Rosenstraße erinnern an jüdische Mitbürger. Foto: Christine Pfanzer

Da die Organisatoren den Schwerpunkt ihrer Erinnerungen in diesem Jahr auf die jüngeren jüdischen Mitbürger gelegt haben, wurde beispielsweise über das Schicksal der damals 15-jährigen Marianne Oppenheimer berichtet. Durch die detailgetreue Darstellung an ihrem damaligen Wohnort, wurden die Ereignisse nicht nur informativ, sondern auch emotional vermittelt.

Der Weg führte danach über die Lindenstraße und den Krainberg bis in die Würzburger Straße. An verschiedenen Stationen wurde über diejenigen Bürger Kitzingens berichtet, die aufgrund ihrer Religion Terror von Seiten des nationalsozialistischen Regimes erfahren haben. So ist hier ebenso beispielhaft Julius Glückstein zu nennen, der während eines illegalen Grenzübertrittes verhaftet und anschließend ins Konzentrationslager Sachsenhausen überführt wurde, wo er erschossen wurde. Sein Bruder erfuhr erst gut 50 Jahre später von seinem Schicksal.

Diejenigen, die die Geschichten erzählten, mahnten die Teilnehmer immer wieder, dass religiös motivierter Hass in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfe. Nach einer guten Stunde wurden die Mitspazierenden zu einer Vorstellung ins Roxy-Kino eingeladen, in dem der Film "Ein Licht zwischen den Wolken" gezeigt wurde. Auch dieser Film beinhaltete laut Nagl das Motto des Abends: kein Platz für religiöse Intoleranz.

Ein Video vom Gedenkspaziergang sehen Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=cRIXVs2lQWg

Teilnehmer und Organisatoren des Gedenkspaziergangs versammeln sich am Koffer-Denkmal am Kitzinger Rosengarten. Foto: Christine Pfanzer

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