Possenheim

Gemeinsame Aktion: Musik verbindet in Zeiten von Corona

Eine Aktion von Musikern zeigte am Sonntag: Auch wenn wir alle zu Hause sind, sind wir nicht allein. Ganz Deutschland machte mit – auch eine Musikerfamilie aus Possenheim.
In der Krise ein Zeichen für Solidarität setzen: Felix, Moritz, Jürgen und Simone Adler (von links) aus Possenheim machten bei der Aktion "Musiker für Deutschland" am Sonntag mit und spielten um 18 Uhr "Freude schöner Götterfunken". Foto: Julia Lucia

"An die Freude" hat Friedrich Schiller das Gedicht genannt, das Ludwig van Beethoven vertont im Jahr 1824 hat und das als "Freude schöner Götterfunke" als Europahymne bekannt ist. Freude könnte es in diesen Tagen der Corona-Krise durchaus etwas mehr geben. Deswegen ging ein Aufruf durch die sozialen Medien, alle Musiker sollen am Sonntag um 18 Uhr aus dem Fenster dieses Lied spielen – als Zeichen der Gemeinsamkeit, der Solidarität und des Respekts.

"Wir waren sofort dabei", sagt Simone Adler. Ihre Mutter hat davon gehört. Also holte die Possenheimerin ihre Blockflöte raus, die Söhne Moritz und Felix ihre Trompeten und Mann Jürgen sein Tenorhorn. "Es war Zufall, dass sie das Stück schon kannten", erklärt Jürgen Adler, der seit 31 Jahren ins Horn stößt, auch im Possenheimer Posaunenchor. "Und ich kann es mit der Flöte spielen", fügt seine Frau hinzu. Kurz geübt und dann geht's am Sonntagabend raus auf die Straße, denn vom Fenster aus hätte sie keiner am Ortsrand gehört.

Eine Trompete erklingt

Die Sonne scheint am Hasenbuck, doch von frühlingshaften Temperaturen keine Spur. Der Wind pfeift und von den Nachbarn schaut auch keiner aus dem Fenster. "Ob uns überhaupt jemand hört?", fragt sich Simone Adler. Schnell geht ihr Mann gedanklich die Musiker in der Nachbarschaft durch. Ein paar mögliche Musiker gäbe es schon. "Wir werden sehen", sagt er. "Beziehungsweise hören." Er lacht.

Auch der Musikernachwuchs ist bei der Aktion dabei: Felix (links) und Moritz Adler. Foto: Julia Lucia

Der Wind trägt das Gebimmel des Abendläutens ins Baugebiet. Sonst ist es ruhig. Gespannt hören die Adlers in die Stille. Da ... ein Pfeifen, aber nicht mehr. "Das war wohl ein Zug", sagt Simone. Die Familiencombo greift zu den Instrumenten. Plötzlich: Eindeutig spielt da eine Trompete. Die Adlers schauen sich suchend um, laufen ein paar Schritte um die Garage des Nachbarn.

Der Flöte ist zu kalt

Bei Daniel Kräutlein steht das Fenster auf. Er hat eine Trompete in der Hand. Schnell verlagern die Adlers ihre Notenständer. Mehr Musiker und Nachbarn sind nicht zu sehen. Jürgen Adler gibt das Zeichen. Felix und Moritz blasen die Wangen auf und los geht's: Am Fenster und auf der Straße erklingt die Melodie, die wohl jeder kennt. Eine Wiederholung ist leider nicht möglich. "Meiner Blockflöte ist es zu kalt", sagt Simone lachend. "Da geht nichts mehr." Auch die Jungs wollen wieder ins Haus. Ein "Bleibt gesund" für den Nachbarn und die Adlers gehen mit Sack und Pack ins Haus. Getrennt und doch gemeinsam haben sie die "Ode an die Freude" gespielt. Eine kleine, aber wichtige Freude, in den harten Zeiten von Corona.

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