KITZINGEN

Gerd Müllers drastische Warnung in Kitzingen

Voll besetzt war die Rathaushalle beim Neujahrsempfang der Kitzinger CSU mit (von links) dem früheren Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, JU-Kreischef Michael Plömpel, der Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber, Festredner Gerd Müller und Kreischef Otto Hünnerkopf. Foto: Hartmut Hess

Viel drastischer als Gerd Müller beim Neujahrsempfang der Kitzinger Kreis-CSU hätte man es kaum auf den Punkt bringen können: „Kinder sterben zu lassen, ist Mord“, sagte der Bundesentwicklungsminister mit Blick auf Afrika in der voll besetzten Rathaushalle.

Bis 2050 müssten dort zwei Milliarden Menschen ernährt werden. „Es braucht einen Marshallplan der Hoffnung“, so der 61-Jährige. Müller verweist darauf, dass Ökologen zehn Milliarden Menschen auf unserem Planet für verkraftbar halten. „Dafür muss die Landwirtschaft in Afrika von Grund auf modernisiert werden, der Kontinent zum Selbstversorger werden.“

Jedes Jahr 80 Millionen Menschen

Sollte dies nicht gelingen, werde sich der Migrationsdruck drastisch verschärfen. „Jeden Tag gibt es 230 000 Menschen mehr, 80 Millionen im Jahr.“ Millionen junger Afrikaner sehen in den sozialen Netzwerken, wie gut es uns in Europa geht. „Wenn wir ihnen nicht unser Können vermitteln, ihnen vor Ort Bildung und Wohlstand ermöglichen, werden wir überrollt.“

Nicht vergessen dürfe man, dass unser Wohlstand auch auf dem Rücken Afrikas aufgebaut worden sei – und noch immer wird. „Wir haben eine Verantwortung, den Menschen in ihren Ländern beim Überleben zu helfen.“ Ermutigend sei, dass mit deutscher Finanzhilfe nunmehr 8000 syrische Lehrer in der Türkei gestrandete Kinder unterrichten. Oder Familien beim Wiederaufbau ihrer Häuser in Syrien unterstützt würden. „Dort baut man mit 2000 Dollar eine Wohnung für eine Familie mit mehreren Kindern.“ Jeder in Afrika investierte Euro entfalte viel mehr Wirkung als bei uns, wo 30 Milliarden Euro für eine Million Flüchtlinge aufgewendet worden sei.

Die Leistung junger Freiwilliger

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CSU-Neujahrsempfang

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Es werde von Ländern wie Libanon (vier Millionen Einwohner/zwei Millionen Flüchtlinge) oder der Türkei (drei Millionen Flüchtlinge) Großes für Syriens Menschen geleistet – allerdings auch von den beiden große deutschen Kirchen, Hilfsorganisationen und sehr vielen jungen Freiwilligen. „Das müsste weit mehr herausgestrichen werden, geht hierzulande viel zu oft völlig unter.“

In Deutschland habe sich die Situation entspannt durch die Schließung der Balkanroute, den Deal mit der Türkei und die Einstufung der Balkanländer als sichere Herkunftsländer. „Das muss jetzt auch für die nordafrikanischen Staaten gemacht werden. Da müssen SPD und Grüne ihre Blockade aufgeben“, so Müller.

Ein starker Staat

In diese Richtung zielte auch Anja Weisgerber mit Blick auf die Bundestagswahl im September. Es brauche einen starken Staat, mehr Videoüberwachung, konsequenteres Abschieben. „Rot-Rot-Grün steht für das Gegenteil. Im Berliner Koalitionsvertrag ist ein erklärtes Ziel, die Abschiebehaft abzuschaffen.“ Das sei verantwortungslos, so die Bundestagsabgeordnete aus Schwebheim.

Verbindlicher im Ton war Otto Hünnerkopf. Der Gastgeber bedankte sich für den unermüdlichen Einsatz der vielen Ehrenamtlichen, ohne die Integration nicht gelingen könnte. Er habe schon vor 40 Jahren im Ökologiestudium gelernt, dass der Migrationsdruck steigen werde, wenn in Afrika kein Friede geschaffen und die Lebensverhältnisse nicht klar verbessert würden. „Es wird sie keine Mauer aufhalten“ habe sein Professor schon damals prophezeit.

Weinfeste und nette Damen

Vom Studium in Würzburg und den schönen Weinfesten schwärmte auch Gerd Müller. „Sollte eine der netten Damen von damals im Saal sein, ich warte nachher draußen links.“ War natürlich geflunkert, weil der Minister nach seiner Rede flott zum Flieger nach Berlin musste. Aber vielleicht ja ein andermal. . .

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