MARKTBREIT

Gespräche im Himalaya: Patenprojekt sorgt für Gerechtigkeit

Eingerahmt von ihrem langjährigen Guide Jagat Man Tamang und dem Leiter der Setidevi-Schule, Ram Kumar Basnet, freut sich die Marktbreiterin Margret Thalmann über die Folgen, die ihr „Nepal-Abenteuer“ nach sich gezogen hat. Ein zukunftsgerichtetes Hilfsprojekt ist daraus entstand... Foto: Diana Fuchs

Die Beiden kennen sich seit 17 Jahren. Sie stammen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Ihre Freundschaft hat etwas Besonderes erschaffen: ein Projekt, das die Welt ein kleines Stück gerechter und Hunderte von Menschen ein ganzes Stück glücklicher gemacht hat. Und weiterhin macht.

Jagat Tamang, um die 50, Nepalese, ist Guide (Gästeführer) im Himalaya. Dort zeigt er Besuchern die Schönheit seiner Heimat. Margret Thalmann aus Marktbreit, 81, liebt die Berge. Im Jahr 2002 – Thalmanns vier Kinder waren längst erwachsen, sie hatte schon Enkel und endlich Zeit, sich einen Traum zu erfüllen – reiste die Fränkin erstmals nach Nepal. Von Kathmandu aus ging es ins Himalaya-Gebirge.

„It was a ten days trek“ – es war ein Zehntages-Trip –, erinnert sich Jagat Tamang noch genau an die erste Begegnung mit Margret Thalmann. So grundverschiedene Menschen sie auch waren, sie verstanden sich trotz der Sprachbarriere sehr gut – Tamang hatte sich durch die Kommunikation mit Touristen selbst Englisch beigebracht. Aktuell befindet sich Jagat Tamang zum ersten Mal außerhalb von Nepal – nämlich in Deutschland, bei Margret Thalmann. Zusammen mit dem Direktor der Setidevi-Schule, Ram Kumar Basnet aus Kathmandu, lernt er auf Einladung von Familie Thalmann das Leben in Europa kennen – doch dazu später.

Zunächst entwickelte sich die Freundschaft zwischen der Marktbreiterin und dem Nepalesen langsam. Jagat Tamang, ein kräftiger Mann mit fröhlichen Augen und lauter Stimme, erzählt in heute gut verständlichem Englisch, dass „Maageet“, wie er Margret Thalmann nennt, nach der ersten Bergtour mehrmals wieder nach Nepal kam. Es sei ihr Traum gewesen, einmal aus eigener Kraft das Basislager des Mount Everest zu erreichen. „Ihre Kondition war sehr gut.“ Zusammen schafften die beiden es schließlich – 2008 standen sie am Ort von Margrets Träumen.

Das, vor allem aber die Gespräche während der langen Auf- und Abstiege, „waren für mich große Geschenke“, sagt Thalmann. „Und für Jagat, denke ich, auch.“

Jagat erzählte Margret unter anderem, dass er seinen fünf Kindern – vier Töchter, ein Sohn – gern eine gute Schulbildung ermöglichen würde, aber dass dafür sein Geld nicht reiche. Er erklärte ihr auch das Schulsystem und die Diskrepanz zwischen teuren Privatschulen, die sich kein normaler Nepalese leisten kann, und den staatlichen Schulen, in denen nur wenig Unterricht stattfindet.

Dann lernte Margret Thalmann Ram Kumar Basnet kennen. Der Direktor der Setidevi-Schule in Kathmandu ist ein ruhiger Mann mit leiser Stimme und gütigen Augen. „Er ist ein wundervoller Pädagoge und lebt für seine Schule“, sagt die Marktbreiterin. Und obwohl sie zunächst überhaupt nicht vorhatte, die Schule zu unterstützen, tat sie schließlich genau das. „Ich habe wohl einen Befehl von oben gekriegt“, meint sie heute und schüttelt lachend den Kopf: „Ich bin nicht der Typ, der betteln geht oder Leute nach Spenden fragt. Aber dadurch, dass ich daheim in Deutschland von meinen Begegnungen erzählt habe, wollten viele meiner Bekannten von sich aus gerne helfen.“

Also stellte die Marktbreiterin das „Projekt Nepal“ auf solide Beine. Um sämtliche Spenden fast ohne Abzüge der Setidevi-Gemeinschaft geben zu können, schloss sie sich einem gemeinnützigen Verein an und entwickelte ein Patenschafts-System. Hilfsbereite Deutsche können seither einem nepalesischen Kind die Schulbildung finanzieren – und ihm so ein Leben fern von Armut ermöglichen.

Auch Jagat Tamangs Kinder konnten auf diese Weise viel lernen. Sein Sohn studiert derzeit in Hamburg, Jagat wird ihn während seines Aufenthaltes zum ersten Mal seit vier Jahren wiedersehen. Margret Thalmann war inzwischen zehnmal in Nepal. Nach dem verheerenden Erdbeben 2015 brachte sie extra gesammelte Spenden sogar bis in ein „vergessenes“ Bergdorf und in ein Waisenhaus. Die Unterstützung für die Setidevi-Schule litt darunter nicht. „Zwischen 13.000 und 15.000 Euro Spenden kommen pro Jahr zusammen“, freut die Fränkin sich. Direktor Ram Basnet betont: „Ohne dieses Geld könnten wir niemals so eine gute Einrichtung sein. Wir haben vor kurzem sogar einen Preis für Bildung bekommen.“ 253 Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen, lernen in der Setidevi-Schule, die doppelt so viele Lehrer beschäftigt wie rein staatliche Schulen. „Alle unserer ehemaligen Schüler haben sehr gute Jobs bekommen oder konnten studieren – und die meisten übernehmen, sobald sie Geld verdienen, selbst wieder eine Patenschaft für ein Schulkind.“

Basnet, Tamang und Thalmann, die sonst ständig in engem Mail-Kontakt stehen, sitzen sich nun täglich schon beim Frühstück gegenüber. Gemeinsam treffen sie Schulkind-Paten, schauen sich deutsche Schulen an, lernen Land und Leute kennen. Am 22. August werden die beiden Männer mit vielen neuen Eindrücken und Ideen nach Nepal zurückkehren. Jagat Tamang sagt: „Ich habe schon viele Menschen im Himalaya geführt. Viele wollten Verbesserungen anstoßen. Aber Margret ist die Erste und Einzige, die es wirklich gemacht hat.“

INFO: rkbasnet1@hotmail.com

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