Kitzingen

Glosse: Viel Glühwein und ein Schwarzbuch

Unser satirischer Wochenrückblick kommt diesmal nicht ohne Alkohol aus. Das als Warnung. Und um ein Schwarzbuch geht es zudem auch noch. Es kommt also einiges zusammen.
Der Planungswettbewerb ist entschieden: So sieht der Neubau des Staatsarchivs in Kitzingen aus, der jetzt Berühmtheit im Steuerzahler-Schwarzbuch erlangte. Foto: Andreas Brachs

Wir dachten schon, der Oktober würde ohne sie zu Ende gehen. Aber dann kamen sie doch noch in die Redaktion geflattert, die ersten Weihnachtsmarkt-Ankündigungen. Samt Hinweis auf Christbaum-Verkauf. So langsam sind ja die Temperaturen so, dass man sich schon mal auf den ersten Glühwein freuen kann. Wobei zu viel auch nicht gut ist: Dieses Jahr, das als guter Vorsatz, werden wir jedenfalls nicht wieder so viel Glühwein trinken, bis wir endlich auch die ganzen Sachen aus Filz gut finden.

Aber das wirklich nur nebenbei, kommen wir schnurstracks zum Thema der Woche: Das Kitzinger Staatsarchiv hat ins Schwarze getroffen. Genauer: Das Projekt schaffte es ins Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler. Manche meinen ja, dass man durch Anschwärzen ins Schwarzbuch kommt. Oder weil man Schwarzach heißt. Aber das ist es nicht, es geht ums Geldverschwenden. Wobei in diesem Fall nicht so ganz klar ist, wo die Verschwendung liegt: In Würzburg ist kein Platz mehr dafür. Also musste sowieso ein Neubau her.

Grundrechenarten außer Kraft gesetzt

Ein gewisser Markus Söder und wahrscheinlich weitere höhere Mächte wollten es, dass das Archiv nach Kitzingen kommt. In Unkenntnis der Sachlage kündigte der damalige Finanzminister an, es gehe um 33 Millionen. Als schließlich ernsthaft gerechnet wurde, waren es fast doppelt so viele Millionen. Kann man also sagen, dass die Differenz zwischen einer falschen Schätzung und einer realen Zahl Verschwendung ist? Hin und wieder kam auch der Hinweis, dass für die 63,5 Millionen Euro nur zwölf Arbeitsplätze entstehen. Was noch falscher ist und endgültig alle Grundrechenarten außer Kraft setzt.

Kurzum: In Kitzingen wurde über die Schwarzbuch-Schlagzeile nur milde gelächelt. Zumal man hier im Landkreis schon genügend Erfahrung mit dem Buch der "öffentlichen Verschwendungen" besitzt. Ältere erinnern sich vielleicht noch an das 320 000 Euro teure Luxus-Klo am Busparkplatz in Iphofen. Das war 2001. Ein paar Jahre später schaffte es eine Flugsanddüne in Dimbach zwischen die schwarzen Buchdeckel. Weil sie für 40 000 Euro abgeholzt werden sollte, nur um Natur durch Natur zu ersetzen.

Um mit einem guten Gefühl ins Wochenende zu gehen, würden wir gerne vermitteln: Vielleicht können ja die Macher des Schwarzbuchs und die Planer des Staatsarchives mal einen Glühwein miteinander trinken gehen. Entsprechende Weihnachtsmarkt-Vorschläge können wir seit dieser Woche gerne liefern.

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