Kitzingen

Gutes Netz, schlechtes Netz: So geht Breitbandausbau voran

Viele Haushalte im Landkreis dürfen sich bereits über eine gute Internetverbindung freuen. Für Aussiedlerhöfe und Weiler trifft das nicht immer zu. Doch es gibt Hoffnung.
Die Hutzelmühle (Geiselwind) befindet sich noch im digitalen Mittelalter. Wenn der 14-jährige Bastian Playstation spielen will, muss er oft einen halben Tag warten, bis die nötigen Updates heruntergeladen sind.
Die Hutzelmühle (Geiselwind) befindet sich noch im digitalen Mittelalter. Wenn der 14-jährige Bastian Playstation spielen will, muss er oft einen halben Tag warten, bis die nötigen Updates heruntergeladen sind. Foto: Corbinian Wildmeister

Wenn Sonja Wagner online Geld überweisen möchte, kann es passieren, dass schon die Anmeldung auf der Website ihrer Bank wegen einer Zeitüberschreitung abbricht. Wenn ihr die Schule ihres Sohnes Elternbriefe per E-Mail schickt, kann sie gelegentlich nicht einmal die angehängten PDF-Dateien öffnen. Und wenn sie sich abends über ihren Fernseher Filme oder Serien aus einer Mediathek ansehen will, funktioniert das grundsätzlich nicht vernünftig. Nicht einmal die WLAN-Funktion ihres Druckers kann Sonja Wagner nutzen. "Man kauft sich ein elektronische Gerät und kann es hier nicht nutzen", sagt sie. "Es nervt."

Das Problem: In der Hutzelmühle, dem Wohnort der Familie, gibt es bisher nur langsames Internet. Laut dem Breitbandatlas des Bundes haben im Geiselwinder Weiler null bis zehn Prozent der Haushalte eine Datenübertragungsrate von 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) oder schneller. Gerade einmal vier Wohnhöfe gibt es dort nach Informationen der Gemeinde. 

Manche Updates dauern einen halben Tag

Wie Sonja Wagner berichtet, steht ihrer Familie sogar nur eine Verbindung von rund einem Mbit/s zur Verfügung. Ihre Nachbarin sitze im selben Boot, erzählt Wagner. Gelegentlich wolle diese etwas über Ebay ersteigern. Doch wenn sie versucht, in letzter Sekunde ein Angebot abzugeben, könne sie sich nicht darauf verlassen, dass das klappt.

Vor allem Wagners Sohn Bastian bringt das schlechte Netz zur Verzweiflung. Über seine Konsole daddelt der 14-Jährige gerne mit seinen Freunden Online-Spiele, wie die Fußballsimulation "Fifa". Doch das klappt oft mehr schlecht als recht. Mal läuft das Spiel nicht flüssig, mal stürzt es sogar ab beim Zocken. Und dann sind da noch die Updates, die die Playstation des Schülers regelmäßig verlangt. Dabei handelt es sich oft um große Datenmengen von mehreren Gigabyte (GB).

Breitbandausbau im Landkreis Kitzingen geht gut voran

Zur Illustration: Bei einer Downloadgeschwindigkeit von einem Mbit/s dauert es rund zwölf Stunden, also einen halben Tag, um eine Datenmenge von fünf GB herunterzuladen. Surft im Haus der Wagners noch jemand anderes, dauert alles noch viel länger. "Manchmal nehme ich die Playstation mit zu Freunden, da geht es schneller", berichtet Bastian. 

Anders als in der Hutzelmühle ist in großen Teilen des Landkreises Kitzingen lahmes Internet kein Problem mehr. 93 Prozent der Hausanschlüsse im Landkreis haben zurzeit laut Breitbandatlas schon eine Datenübertragungsrate von mehr als 30 MBit/s, 84 Prozent sogar von mehr als 50 MBit/s. "Aus unserer Sicht ist der Breitbandausbau bisher sehr erfolgreich verlaufen", sagt Emil Fischer vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Würzburg. 

Rund 600 Haushalte werden vermutlich weiterhin unversorgt bleiben

Alle Gemeinden im Landkreis Kitzingen nähmen am bayerischen Förderverfahren teil, so Fischer. Bisher habe der Freistaat den Gemeinden im Landkreis Fördergeld in Höhe von 7,1 Millionen Euro bewilligt. Haushalte, die einen Anschluss mit einer Übertragungsrate (im Download) von mehr als 30 Mbit/s haben, gelten als versorgt. Fischer: "Ein weiterer Ausbau in diesen Gebieten ist nach der derzeitigen Richtlinie nicht förderfähig."

 

Nichtsdestotrotz blieben auch nach Abschluss aller Projekte von den rund 30 000 Haushalten im Landkreis noch etwa 600 Haushalte unversorgt, sagt Fischer mit Blick auf Hochrechnungen. Insgesamt wären dann 98 Prozent dann mit mehr als 30 Mbit/s versorgt, 90 Prozent sogar mit mehr als  50 Mbit/s. "Wir haben damit seit Ende 2013 einen Zuwachs von mehr als 50 Prozent", fasst Fischer zusammen. Wann dieser Punkt erreicht sei, lasse sich allerdings nicht genau sagen.

Hohe Kosten für Erschließung von Aussiedlerhöfen

Bei solchen Haushalten, die weiterhin unversorgt bleiben könnten, handele es sich häufig um Aussiedlerhöfe, Mühlen und abgelegene Anwesen, erklärt Fischer. Deren Erschließung mit dem Glasfasernetz sei sehr teuer. Denn je länger der Verlegungsweg ist, desto höher sind auch die Tiefbaukosten. Trotz hoher Beteiligung durch den Freistaat - im Landkreis Kitzingen beträgt der Fördersatz für fast alle Gemeinden 80 Prozent - müssten die Kommunen letztlich entscheiden, ob sie Geld investieren wollen, so Fischer. Und das ist nicht immer unstrittig.

Darüber hinaus sei nicht jeder Privathaushalt dazu bereit, mehr Geld für schnelleres Internet zu zahlen. Im Schnitt gelinge es den Telekommunikationsunternehmen, nur rund ein Drittel der neuen Glasfaseranschlüsse zu vermarkten, sagt Fischer. Wenn in einem ländlichen Gebiet mit sehr wenigen Haushalten Glasfaseranschlüsse gelegt, dann aber nicht genutzt werden, verdienen die Anbieter kein Geld daran. Dabei haben auch diese Investitionskosten. Es handelt sich also um ein Risikogeschäft. 

Da der Breitbandausbau derzeit massiv vorangetrieben wird, sind laut Fischer die Kapazitäten der Telekommunikationsanbieter und der Tiefbaubranche ohnehin voll ausgelastet. "Dadurch steigen die Preise bei Ausschreibungen. Bei Projekten mit nur wenigen Hausanschlüssen werden überhaupt keine Angebote mehr abgegeben."

Birklingen ist schon an Datenautobahn angeschlossen

Während sich die Hutzelmühle bisher noch im digitalen Mittelalter befindet, verfügen beispielsweise die 26 Haushalte im Iphöfer Stadtteil Birklingen seit Dezember vergangenen Jahres schon über Glasfaseranschlüsse, die das sehr schnelle Surfen mit bis zu 1000 Mbit/s ermöglichen. Sandra Servatius erinnert sich noch an die Zeit davor: "Wenn man eine E-Mail mit Anhang öffnen oder verschicken wollte, konnte man einen Kaffee trinken gehen."

Das liegt nun in der Vergangenheit. Das schnelle Netz sei eine Bereicherung für das ganz Dorf, findet Servatius. Auch für ihren ältesten Sohn. Der Elfjährige interessiere sich nämlich für Youtube und Internet-Spiele.  Und da ist schnelles Internet wichtig.

Auch Hutzelmühle wird von Höfebonus profitieren

Doch selbst die Bewohner der Hutzelmühle können hoffen. Wie die Verwaltungsfachangestellte der Gemeinde Geiselwind, Stephanie Ehrmann, mitteilt, wird auch dort innerhalb der nächsten vier Jahre das Breitbandnetz ausgebaut. Das wird durch den sogenannten Höfebonus (Fördersatz von 80 Prozent) ermöglicht.  Mit dem zusätzlichen Förderprogramm des Freistaats sollen "vor allem dünn besiedelte Flecken Bayerns mit schnellem Internet erschlossen werden", heißt es auf der Seite des Bayerischen Breitbandzentrums. Dazu gehört auch die Hutzelmühle. Dann kann auch Sonja Wagner problemlos Online-Überweisungen tätigen – und ihr Sohn digital kicken. 

Wirtschaftslücke
Nimmt eine Gemeinde am Breitbandförderverfahren teil, erhält in der Regel der Anbieter den Auftrag, der die geringste Wirtschaftslücke angibt, also die wenigsten Fördergelder beansprucht. Die Anbieter errechnen die Wirtschaftslücke, indem sie die Kosten des Ausbaus und des Betriebs der Anschlüsse für sieben Jahre aufsummieren und die voraussichtlichen Einnahmen abziehen.

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