Hüttenheim

In 40 Jahren vom Besenbinderdorf zum Weinort

Die Verantwortlichen und Geehrten der beendeten Flurbereinigung Hüttenheim V. Foto: Gerhard Bauer

Nach 37 Jahren gingen die Flurbereinigung und Dorferneuerung Hüttenheim V mit einer Feierstunde am Wochenende zu Ende. 1,9 Millionen Euro kostete das Projekt, 1,4 Millionen Euro bekamen die Hüttenheimer als Zuschuss.

Als letzte Vorsitzende des Verfahrens berichtete Eva Kiesekamp vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) von den Anfängen im Jahr 1982. Nach dem Wegebau (1990-2000) folgte 1997/98 die Abmarkung und 2003 die Wertermittlung, der sich die Besitzeinweisung anschloss.

800 Bäume und 1000 Sträucher gepflanzt

Im Zuge der Landschaftspflege mit Pflege- und Nutzungskonzept wurden 800 Bäume und 1000 Sträucher gepflanzt. Die Verfahrensfläche betrug rund 627 Hektar. Gründe für die Anordnung waren die Besitzzersplitterung sowie ungünstige Grundstücksformen. Vor der Bereinigung gab es 2139 Grundstücke mit 255 Besitzständen, danach noch 1052 Grundstücke mit 195 Eigentümern. Es wurden 14 Kilometer (km) Schwarzdeckenwege und 7,5 km Schotterwege mit einem Kostenaufwand von 1,5 Millionen Euro gebaut. 24 km unbefestigte Grünwege ergänzen das Wegenetz. 17,5 km Grünwege wurden aufgelassen.

Der Neuweisenbach, der beim ersten Flurbereinigungsverfahren noch begradigt worden war, wurde mit Ausweisung von Schutzstreifen renaturiert. Die Vergrößerung des leicht mäandrierenden Bachbettes wirkt Abfluss verzögernd und trägt damit wirksam zum Hochwasserschutz bei, wie Kiesekamp sagte.

Ergänzend wurden 14 Erdbecken zur Wasserrückhaltung mit einem Stauraum von 8000 Kubikmetern angelegt, die Wasserrückhaltung westlich des Tannenberges fast alleine 1100 Kubikmeter. Ausgewiesene Pufferstreifen entlang des Baches und der Gräben schützen vor Schadstoffeintrag und entlasten die Landewirtschaft hinsichtlich Gewässerschutzauflagen.

Dorferneuerung als Erfolgsmodell

Die Dorferneuerung führte zu einer Entlastung des Ortes vom landwirtschaftlichen Verkehr, Flächen wurde wieder entsiegelt. Vor allem die Reaktivierung des Dorfweihers und zweier Brunnen werten das Dorf auf. Mit Kostenbeteiligung der Teilnehmergemeinschaft wurden die Kirchenburg und die Alte Synagoge saniert.

Für 154 private Maßnahmen mit einem Kostenvolumen um die 4,3 Millionen Euro wurden 612 000 Euro ausgezahlt. Die Gemeinde trug 379 000 Euro zur Gesamtmaßnahme bei, die beteiligten Grundeigentümer 806 000 Euro.

Jetzt lebt das Dorf

Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert sprach von einem ganz wichtigen Tag für die Gemeinde, denn in nahezu 40 Jahren sei das Besenbinderdorf zum Weinort geworden. Die Dorferneuerung sei die entscheidende Grundlage dafür, dass das Dorf lebt. Namens des Marktes Willanzheim dankte sie dem ALE wie den Vorständen für die geleistete Arbeit.

ALE-Behördenleiter Ottmar Porzelt erinnerte, dass die erste Flurbereinigung in Hüttenheim 1924 startete. Seither gebe es Flurbereingungsmaßnahmen praktisch ununterbrochen. Durch das Verfahren sei das Dorf deutlich aufgewertet worden, das Weinparadies sei ein außergewöhnliches weiteres Ergebnis. Heute stehe die Innenentwicklung im Vordergrund, da die Landwirtschaft anders aufgestellt und Viehhaltung oftmals aufgegeben sei. Porzelt lobte die Bereitschaft der Gemeinde zur Kofinanzierung.

Baudirektor Peter Doneis unterstrich, dass auch der Staat Millionen in Flurbereinigungsmaßnahmen wie beim Straßenausbau zugunsten eines Unternehmens pumpe. Damit habe das Verfahren dank vorausschauender Entscheidungen auch Arbeitsplätze in Hüttenheim generiert und das Dorfleben gefördert.

Dank an Vorstandsmitglieder

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand zeichnete Kiesekamp langjährige Vorstandsmitglieder mit Ehrenurkunden aus: 37 Jahre: Karl-Heinz Falk, Reinhard Hager, Erwin Keil, Kurt Schlegel; 22 Jahre: Rudolf Hager, Hans Stier, Hermann Wilfarth; 16 Jahre: Otto Brückner, Bernhard Gümperlein, Siegfried Hassold, Hans Martin Walter; Verstorben sind mittlerweile Johann Kistner, Werner Schleelein und Ludwig Schlegel

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