Marktsteft

Inspektion aus der Luft: Mit dem Helikopter über Stromtrassen

Um Mängel an Masten, Leiterseilen und Isolatoren früh zu erkennen, überprüft die Main-Donau Netzgesellschaft Mittelspannungsfreileitungen im Landkreis Kitzingen aus einem Helikopter.  Foto: Corbinian Wildmeister

Wer in den kommenden Tagen im Landkreis Kitzingen einen Helikopter beobachtet, der ungewöhnlich nahe an Stromleitungen vorbeifliegt, muss sich keine Sorgen machen. Der Pilot des Hubschraubers weiß genau, was er tut. Seit Montag inspiziert die Main-Donau Netzgesellschaft, ein Tochterunternehmen der  N-ERGIE, sogenannte Mittelspannungsleitungen. Und zwar aus der Luft. Ziel der Aktion sei es, Schwachstellen an Masten, Isolatoren und Leitern frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die meisten Schäden fänden die Experten an Isolatoren, erzählt Inspekteur Michael Pinnau. Das erkenne man an Abplatzungen oder Brandflecken an den Keramikbauteilen. Diese sind die Folge von Blitzeinschlägen. Trotz beschädigter Isolatoren, so Pinnau, können die Leitungen weiter betrieben werden. Auf lange Sicht müsse man sie aber wechseln. Von oben können die Techniker solche Mängel deutlich einfacher feststellen, als vom Boden aus.

Schön war das Wetter am Montag nicht, doch es ging noch: Geflogen wird nämlich nur bei klaren Sichtverhältnissen. Witter... Foto: Corbinian Wildmeister

Mindestens drei Meter Abstand zu Bäumen und Büschen

Vereinzelt stoße man auch mal auf Schäden an Masten, so Pinnau. Zum Beispiel in Gestalt von Rissen im Beton. Bei einem kurzen Inspektionsflug mit Medienvertretern in der Umgebung der Umspannanlage Marktsteft am Montagvormittag haben die Techniker sogleich einen Mangel erspäht. Eine der Litzen, aus denen die Leiterseile bestehen, war gebrochen und hing etwa einen Meter nach unten. Einer der Techniker fotografierte den Schaden, während der Pilot den Hubschrauber möglichst nahe an der Leitung hielt. 

Darüber hinaus überprüfen die Experten, den Abstand zwischen den Leiterseilen und dem Boden. Da sich die Metallseile durch die Wärme im Sommer ausdehnen, hängen sie in dieser Jahreszeit stärker durch als im Winter. Sie müssen aber einen Mindestabstand von drei Metern zu Bäumen und Büschen haben. Mittels Laserscanning lassen sich die nötigen Informationen sammeln, um auch den Abstand im Sommer zu berechnen.

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Zwei bis fünf Meter. So dicht fliegt Helikopterpilot Knut Wagner an die Leitungen heran, damit die Inspekteure etwas sehen können und Messungen möglich sind. Die Herausforderung dabei sei einerseits die Nähe zur Stromleitung, anderseits die Umgebung im Blick zu behalten und auf den Wind zu achten. "Das können eigentlich nur ganz wenige", sagt Wagner auf Nachfrage. Auch nach 34 Berufsjahren als Pilot sei es immer noch sein Traumjob, sagt er. 16 000 Flugstunden hat er auf dem Buckel, schon im Alter von 15 Jahren hat er mit dem Fliegen angefangen.  

Durchschnittlich 15 Minuten hatten die Menschen in Deutschland 2017 keinen Strom

Fünf Tage sollen die Kontrollen der 400 Kilometer Freileitungstrasse in den Landkreisen Kitzingen, Würzburg und Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim dauern. Jährlich begutachten Mitarbeiter des Netzbetreibers die Trassen vom Boden aus. Der Hubschrauber kommt für diesen Zweck nur alle sechs Jahre zum Einsatz. Nach Angaben des Konzerns ist die Versorgungsqualität in seinem Netzgebiet besser als im Rest Deutschland. Knapp sieben Minuten mussten die Menschen 2017 durchschnittlich ohne Strom auskommen, bundesweit seien es rund 15 Minuten gewesen. Durch die Pflege der Trassen solle "dieses Niveau" gehalten, wenn nicht sogar erhöht werden, sagt Pressesprecherin Annemarie Endnder.

Main-Donau Netzgesellschaft
Das Stromnetz der Main-Donau Netzgesellschaft umfasst Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen und ist rund 27 000 Kilometer lang. Es erstreckt sich vom Würzburger Umland im Norden bis Eichstätt im Süden sowie von Weikersheim im Westen bis nach Sulzbach-Rosenberg im Osten.

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