Kitzingen

Internet-Treff: Keine Angst vorm Smartphone

Der Umgang mit Smartphone und Co – für die Jungen eine Selbstverständlichkeit. Kein Grund für alle Ü60 zu verzweifeln – schließlich gibt es den PC-Treff im Bürgerzentrum.
Norbert und Rita Gesslein (von links) lassen sich von Michael Schmitt das Smartphone erklären.
Norbert und Rita Gesslein (von links) lassen sich von Michael Schmitt das Smartphone erklären. Foto: Julia Lucia

Neun Köpfe nach unten, Blick aufs Smartphone, konzentrierte Stille. Vorsichtig wischen die Finger übers Display. Langsam, denn es ist wieder der letzte Mittwoch im Monat. Zeit für den PC-Treff im Kitzinger Bürgerzentrum. Zeit für alle, die nicht mit Computer, Handy, Tablet oder Smartphone aufgewachsen sind, aber wissen wollen, wie sie mit der Technik umgehen. 

"Mein Mann flippt immer gleich aus."
Teilnehmerin Rita Gesslein, warum sie sich beim PC-Treff das Smartphone erklären lässt

"Ich geb's zu, ich kenne mich noch nicht damit aus, aber ich will es können", sagt Rita Gesslein. Es ist ihr erstes Smartphone. "Mein Mann flippt immer gleich aus", sagt die 60-Jährige. "Er hat keine Geduld." Die dagegen hat Michael Schmitt. Er erklärt mit Engelsgeduld, wie mit einem Smartphone Fotos verschickt werden, wie Einstellungen geändert werden können, oder wie das Smartphone als Navi genutzt werden kann. "Denken Sie daran, navigieren kostet viel Strom", sagt der 66-Jährige. "Am besten Sie kaufen sich einen Adapter für den Zigarettenanzünder zum Laden."

Hedwig Zedlitz freut sich, dass Stephan Reehe ihr geduldig ihre Fragen zum neuen Smartphone beantwortet.
Hedwig Zedlitz freut sich, dass Stephan Reehe ihr geduldig ihre Fragen zum neuen Smartphone beantwortet. Foto: Julia Lucia

Stephan Reehe hilft Schmitt im PC-Treff. Immer eine Stunde und immer den letzten Mittwoch im Monat. Anmeldung ist keine erforderlich und bezahlen müssen die Wissbegierigen auch nichts. Eine Spende fürs Bürgerzentrum wird aber gern gesehen. Schmitt ist als Seniortrainer im Einsatz. Für den Ruhestand hat der Biologe nach einer Beschäftigung gesucht. "Nein, mit Computer und Handys hatte ich beruflich nichts zu tun", sagt er. "Aber das kann man ja lernen." 

Viele Fragen auf einem Zettel

Rita Gesslein ist vorbereitet. Sie hat einen großen Zettel mit vielen Fragen dabei. Gewissenhaft wird abgehakt. Auch wenn er keine Geduld hat, ist ihr Mann Norbert mit ins Bürgerzentrum gekommen. Und auch er hört geduldig zu. Ein Smartphone hat der 70-Jährige schon länger. "Ich hab's halt einfach ausprobiert, aber ich bin auch mal auf die Schnauze gefallen", gesteht er. Ein Stichwort für Schmitt. "Lieber immer erstmal ,Nein‘ drücken", rät der Fachmann. "Und Mails von unbekannten Absendern nie öffnen."

"Oma, das machst du. Das ist super!"
Hedwig Zedlitz kommuniziert mit ihrer Enkelin über Whatsapp

Kopfnicken in der Runde. Mails kommen keine auf das Smartphone von Hedwig Zedlitz. Die 76-Jährige kommuniziert mit dem Nachrichtendienst Whatsapp. ",Oma, das machst du. Das ist super!‘, hat meine Enkelin zu mir gesagt", erzählt sie. Ihr Smartphone mit den extra großen Feldern und übersichtlichem Menü hat sie zu Weihnachten bekommen. Sie nutzt es vor allem, um mit ihrer Tochter und Enkelin in Hessen Kontakt zu haben. "Die jungen Leut' gehen früh aus dem Haus, kommen erst abends wieder heim und sind nie zu erreichen", sagt sie. "Mit Whatsapp melden sie sich und ich weiß, wie's ihnen geht." Die Repperndorferin sieht den Umgang mit der Technik auch als Übung. "Das Gehirn braucht ja auch noch etwas Futter."

Antworten auf individuelle Probleme

Reehe lächelt. Als Maschinenbauingenieur sind ihm Computer und Technik nicht fremd. Seit drei Jahren gibt es den PC-Treff, der immer noch so heißt, aber sich eigentlich meist mit Tablet- oder Smartphone-Problemen beschäftigt, und fast genauso lange ist er ehrenamtlich dabei. Senioren lassen sich seiner Erfahrung nach in zwei Gruppen einteilen: Diejenigen, die neugierig sind und diejenigen, die überhaupt keinen Kontakt zu neuen Medien haben wollen. "Mein Vater zum Beispiel will davon überhaupt nichts wissen", sagt er.

Ganz anders die Männer und Frauen, die ins Bürgerzentrum gekommen sind. Fast hätte die Stunde nicht gereicht, um alle Fragen zu beantworten. Einig sind sich alle, dass es "ein tolles Angebot" ist. Auch in der Volkshochschule gebe es Kurse, aber da müsse man einen ganzen Kurs belegen, damit vielleicht am Schluss die eigene Frage beantwortet wird. "Da geht es hier deutlich individueller und persönlicher" ist die einstimmige Meinung – immer am letzten Mittwoch im Monat im Kitzinger Bürgerzentrum von 15 bis 16 Uhr.

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