IPHOFEN

Iphofen will für sozial Schwache bauen

Wohnraum ist knapp und für manche kaum noch bezahlbar, nicht nur in den Metropolen, sondern zunehmend auch auf dem Land. „Es kann sich auch in Iphofen nicht jeder die Miete leisten“, sagte Bürgermeister Josef Mend am Montagabend im Stadtrat. Die Stadt will deshalb im Stadtteil Nenzenheim ein Modellprojekt starten und mit Finanzhilfe des Freistaats sozialen Wohnungsbau fördern. Das Grundstück dafür hat sie bereits erworben. Für das Gebäude hat der Stadtrat einen Architektenwettbewerb ausgelobt, der Grundlage für weitere Entscheidungen in diesem Fall sein wird. Außerdem soll ein Wohnraumkonzept Antworten auf drängende Fragen liefern.

Mend fordert zum Umdenken auf

Nach Jahren, in denen sich Kommunen in Deutschland immer mehr aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen und knappen Baugrund an zahlungskräftige Investoren versteigert haben, will Iphofen ein Zeichen setzen. „Wir müssen auch mal durch ein Beispiel beweisen, dass wir bereit sind, in die andere Richtung zu steuern und günstigen Wohnraum zu schaffen“, sagte Mend. Auf dem Grundstück in der Nenzenheimer Friedhofstraße 10, das die Stadt gekauft hat, biete sich nun ein solches Projekt an.

Obwohl noch keine Planung vorliegt, stand am Montag die Zahl von fünf bis sechs Sozialwohnungen im Raum. Unklar ist, ob das bestehende Gebäude erhalten und saniert oder abgebrochen und durch ein neues ersetzt wird. Der Bürgermeister nannte Kosten von 1,6 Millionen Euro, Genaueres soll der Architektenwettbewerb klären. Der Freistaat fördert das Vorhaben dem Vernehmen nach mit 30 Prozent und gewährt 60 Prozent als zinsloses Darlehen, die restlichen zehn Prozent trägt die Stadt als Eigenanteil.

Das Warten auf den „berühmten Investor“

Mend bewertete das Projekt nicht nur von der sozialen Seite, sondern auch unter städtebaulichen Aspekten. „Wenn wir uns nicht selbst um den Leerstand in den Dörfern kümmern, der Markt wird sich nicht darum kümmern.“ Auf den „berühmten Investor“ zu warten sei selbst in Iphofen vergeblich. Hinzu kommt, was Stadträtin Peggy Knauer in die Debatte einbrachte: „Private Investoren stecken ihr Geld nicht in den sozialen Wohnungsbau.“

Während dritter Bürgermeister Jörg Schanow Kosten von anderthalb bis zwei Millionen Euro für sechs Sozialwohnungen als zu hoch beurteilte, verteidigte Knauer das Projekt. „Ich finde das nicht zu viel. Wir haben uns in den letzten Jahren genug Repräsentationsobjekte hingestellt. Aber im Bereich Sozialwohnungsbau haben wir so gut wie gar nichts“, sagte sie. Wenn nun die Chance bestehe, Fördergelder zu erhalten, sollte man nicht groß diskutieren. Denn der Bedarf für bezahlbaren Wohnraum sei da. Auch Dieter Lenzer sprach von einer „unter dem Strich vernünftigen Sache“.

Die vier interessantesten Wohnraumprojekte

Unabhängig von dem Projekt in Nenzenheim wird die Stadt eine Studie in Auftrag geben, die sich mit der Situation auf dem Wohnungsmarkt in Iphofen beschäftigt. Das 22 800 Euro teure Gutachten soll Ergebnisse zum allgemeinen Wohnungsbedarf liefern, die dem Rat dann als „politische Entscheidungsgrundlage“ dienen, wie Mend sagte.

Daneben konzentriert sich die Studie auf vier interessante Sanierungsobjekte: das ehemalige Gasthaus „Goldene Krone“ in Possenheim, das alte Schulhaus und die Scheune am Anwesen Sportplatz 5 in Hellmitzheim und – für Mend das „spannendste Projekt“ – das Areal am Stadtgraben Ost/Bahnhofstraße in Iphofen, derzeit Sitz der Forstverwaltung. Dort lasse sich binnen kurzer Zeit am schnellsten Wohnraum schaffen. In spätestens vier Monaten soll das Gutachten vorliegen.

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