Landkreis Kitzingen

Jahresstatistik: Unfälle durch Raser nehmen immer mehr zu

Die Kitzinger Polizei hat ihre jährliche Unfallstatistik vorgelegt. Zu hohes Tempo, Wildwechsel und Pedelecs schlagen sich in höheren Unfallzahlen nieder. Was noch auffällt.
Einer der spektakulären Unfälle im Jahr 2019: Glatteis im November führte auf der A 7 bei Martinsheim zu einer Massenkaramboloage.
Einer der spektakulären Unfälle im Jahr 2019: Glatteis im November führte auf der A 7 bei Martinsheim zu einer Massenkaramboloage. Foto: Berthold Diem

Zu schnelles Fahren, Alkohol und Drogen am Steuer halten die Polizei auf Trab. Die Inspektion Kitzingen hat ihre jährliche Unfallstatistik vorgelegt, die im siebten Jahr hintereinander eine neue Rekordzahl erreicht. 2536 Verkehrsunfälle verzeichnete die Polizei im Jahr 2019 im Landkreis Kitzingen. Sechs Menschen starben, 53 wurden schwer und 335 leicht verletzt.

Die Hauptursachen für die weiter steigenden Zahlen sind schnell ausgemacht. So sind die Unfälle in Folge von zu hoher Geschwindigkeit erneut angestiegen. Für die Polizei ist das besonders betrüblich, weil die Folgen bei dieser Unfallart schwerwiegender sind als bei anderen: 70 Verkehrsteilnehmer haben sich dabei verletzt, zwei starben, wie der Leiter der Inspektion, Polizeidirektor Markus Hack, und Verkehr-Sachbearbeiter Harald Hufnagel berichten. Eine weitere Konsequenz: 33 Fahrer mussten ihren Führerschein einen Monat lang abgeben.

Ohne Geschwindigkeitskontrollen geht es nicht

Dabei ereignen sich die Geschwindigkeitsunfälle meist in den Schönwettermonaten. "Dann sind viele Fahrer lockerer drauf", und sie achten offensichtlich nicht so sehr aufs Tempo. Die Antwort der Polizei lautet daher, mit den Geschwindigkeitsmessungen nicht nachzulassen. Wenn möglich, sollen sie sogar verstärkt werden. Dazu leiht sich die Kitzinger Inspektion von der Verkehrspolizei Biebelried eine mobile Geschwindigkeits-Messstation in Form eines Autoanhängers aus. Diesen "Enforcement Trailer" könnte man frei mit "der Vollstrecker" übersetzen. Sein Vorteil: Er kann tagelang am selben Ort die Geschwindigkeiten der Vorbeifahrenden messen, ohne mit Personal besetzt zu sein.

Die Zahlen der Unfälle unter Drogen- (fünf) oder Alkoholeinfluss (24) sind zwar nicht sehr hoch, wohl aber die der Fahrer, die erwischt wurden, weil sie etwas konsumiert hatten. 107 (2018: 77) von ihnen hatten bei einer Kontrolle Drogen im Blut, 146 (99) von ihnen Alkohol. Auf den Anstieg von alkoholisierten Fahrern reagierte der Polizeidirektor "echt schockiert". Eine Steigerung um 50 Prozent innerhalb eines Jahres bestärkt Hack darin, die Kontrollen hoch zu halten.

Immerhin 404 Mal krachte es, weil Fahrer beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren nicht aufgepasst hatten. Das ist ein Rückgang um mehr als 50 Fälle. Man kann nur vermuten, dass die steigende Anzahl von Assistenzsystemen in den Fahrzeugen Unfälle vermeiden hilft. Es wurde zwar niemand getötet, aber immerhin wurden sechs Menschen schwer und 34 leicht verletzt. 

Weitgehend unverändert blieb die Zahl von Unfällen mit Vorfahrtsmissachtung: 160. Hierbei gab es elf schwer und 66 leicht Verletzte. Erfreulich aus Polizeisicht ist der Rückgang der Motorradunfälle von 75 auf 59 im Jahr 2019. Allerdings: In 50 dieser Fälle wurde jemand verletzt.

Unfälle von Senioren nehmen zu

Ähnlich absinkend ist die Anzahl der Radunfälle. Die PI Kitzingen verzeichnete im Vorjahr 53, bei denen es 69 Verletzte gab. Die Ausnahme: Die Zahl der Unfälle mit den aufkommenden Pedelecs stieg von fünf auf 15. Die Polizei appelliert deshalb an Radler, freiwillig Helme und reflektierende Westen zu tragen.

Höhere Zahlen melden Hack und Hufnagel bei von Senioren verursachten Unfällen: 169 im Vergleich zu 144 im Jahr davor. Allerdings betont Hack, dass die Senioren ihre Sache grundsätzlich gut machen. Viele seien erfahrene und besonnene Autofahrer. Die Unfallhäufigkeit steige erst ab einem Alter von etwa 80 Jahren signifikant an, wenn altersbedingt Seh-, Hör- oder Reaktionsvermögen nachlassen. Auch der übliche Blick über die Schulter finde dann, mangels Beweglichkeit, manchmal nicht mehr statt, was zu Unfällen führen könne.

Markus Hack, Kitzinger Polizeichef.
Markus Hack, Kitzinger Polizeichef. Foto: Frank Weichhan

Sehr gute Erfahrungen hat die Polizei mit dem begleiteten Fahren ab 17 Jahren. In der Folge seien die Unfälle in der Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen gesunken. Hatten 2018 noch 126 junge Fahrer einen Unfall verschuldet, waren es 2019 nur noch 99. Die Polizei verweist hier auch auf die positiven Auswirkungen von Fahrtrainings, die es speziell für Fahranfänger, für Senioren und für Motorradfahrer gibt. Sie seien nur wegen der Corona-Pandemie derzeit ausgesetzt.

Stark zurückgegangen ist die Zahl von Schulwegunfällen. Nur noch zwei waren im Landkreis zu verzeichnen. Dabei hat Hack festgestellt, dass es überall dort, wo Schüler- oder Elternlotsen im Einsatz seien, seit Jahren keine schweren Unfälle mehr gegeben habe.

Unfallfluchten sind ärgerlich

Ein großes Ärgernis für die Polizei sind die Unfallfluchten. Bei jedem fünften Unfall macht sich der Verursacher mittlerweile aus dem Staub – Tendenz steigend. Dabei wären, so sagt es der Kitzinger Polizei-Chef, die meisten Fälle problemlos über die Kfz-Haftpflichtversicherung abzuwickeln. So zum Beispiel der typische Parkrempler. Umso dankbarer ist der Polizeidirektor, dass sich immer wieder Zeugen melden, die eine Unfallflucht beobachten. Das veranlasst ihn häufig, sich mit einem Brief zu bedanken. Immerhin kann die Polizei so ein Drittel der Unfallfluchten aufklären und damit den Geschädigten zu einer Wiedergutmachung verhelfen.

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