MÜNSTERSCHWARZACH

Kampf für Bauernrechte

Landwirtschaft zum Anfassen: Euerfelds BBV-Obmann Bruno Scheller mit den Gästen aus Korea bei der Führung durch seinen Stall.

Sie betreiben beide Landwirtschaft, aber größer könnten die Unterschiede kaum sein: Auf der einen Seite die konventionell wirtschaftenden Euerfelder Bauern, oft mit großem Viehbestand, viel Flächen und hohem Maschineneinsatz. Auf der anderen Seite 20 Okölandwirte aus dem Süden Koreas, die im Schnitt nur ein bis zwei Hektar Feld mit viel Handarbeit bewirtschaften. So war das Interesse groß, sich gegenseitig kennen zu lernen und zu erfahren, wie sich die Lage in dem jeweils anderen Land darstellt, heißt es in einer Pressemitteilung der Abtei Münsterschwarzach.

Vor dem Untergang bewahren

Die Katholische Landvolkbewegung (KLB) und der Bayerische Bauernverband (BBV) hatten gemeinsam zum Bildungsabend mit den Gästen aus Korea geladen und der Pfarrsaal in Euerfeld platzte fast aus allen Nähten. Die Koreaner sind Mitglieder der CCFM (Corean Catholic Farmer Movement), in der 1000 Bauern zusammengeschlossen sind. Sie werden von 2300 städtischen Aktivisten unterstützt, die auch die Vermarktung übernehmen. Auf über 200 Märkten und in 26 Läden werden die Produkte der Ökolandwirte verkauft, berichtete Pfarrer Lee Young Seon.

Ein Ziel von CCFM ist es, die ländlichen Dörfer mit ihrer kleinbäuerlichen Struktur vor dem Untergang zu bewahren. Denn durch Lebensmittelimporte aus dem Ausland wird nach Lees Worten die Existenz der Kleinbauern bedroht. Wichtig sei es, die „Souveränität der Landwirtschaft wieder herzustellen.“ Deshalb fordert die CCFM eine Änderung der Verfassung. Unter anderem soll dort der Preis für Reis und die Rechte der Bauern festgeschrieben werden. Zudem berichtete der Geistliche über die schwierige politische Lage in Südkorea und den jahrzehntelangen, teils blutigen Kampf der CCFM für mehr Gerechtigkeit und Bauernrechte. „Wir haben immer unter Einsatz unseres Lebens gekämpft“, betonte er. Als Vorbild nannte er Deutschland mit seinem umfassenden Bildungssystem und der Krankenversicherung, was es in Korea so nicht gebe.

Zuvor hatten die Koreaner den Stall des Euerfelder BBV-Obmanns Bruno Scheller besichtigt. Mit großen Augen bestaunten sie die Melkanlage und die weitläufigen Stallungen, griffen aber auch selbst zur Heugabel, um die Tiere zu füttern.

Weniger Klimagase

Neben Euerfeld war die Abtei Münsterschwarzach Ziel der Gruppe im Landkreis Kitzingen. Dort verdeutlichte Cellerar Pater Christoph Gerhard OSB die Verbindung zwischen Spiritualität und Arbeit, die das klösterliche Leben seit 1200 Jahren prägt. Der Grundsatz, Gott im Alltag ebenso zu dienen wie im Gebet, war nach seinen Worten ein wichtiger Impuls, das Kloster im Jahr 2000 auf regenerative Energien umzustellen.

Neben der Holz-Fernheizung setzt die Abtei auf Strom aus der Biogasanlage, Wasserkraft, Sonne und Wind. Insgesamt, so erläuterte Pater Christoph, erzeugt jeder Deutsche im Durchschnitt elf Tonnen Klimagas, ein Mönch aus Münsterschwarzach mit 5,6 Tonnen nur die noch die Hälfte.

Spaß am Füttern der Tiere im Stall von Euerfelds BBV-Obmann Bruno Scheller. Foto: Walter Sauter

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