WIESENTHEID

Kandidaten-Duell bleibt friedlich

Kurz vor dem Kandidaten-Duell: Vor großem Publikum in der Wiesentheider Steigerwaldhalle posierten die Bürgermeisterkand... Foto: Andreas Stöckinger

Wer nach dem Wahlbroschüren-Schlagabtausch zwischen CSU und Bürgerblock/Freie Wähler Wiesentheid eine hitzige Fortsetzung bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in der Steigerwaldhalle erwartet hatte, wurde (positiv) enttäuscht:

Amtsinhaber Werner Knaier (CSU) und Herausforderer Harald Rößner (Bürgerblock) tauschten vor gut 400 Zuhörern vor allem Argumente aus – und waren bei ihren Standpunkten nie weit auseinander.

Leichtes Spiel als Moderator des Bewerber-„Duells“ hatte Claus Schreiner, Vorstand der Würzburg AG – die Duellanten rangen auf der Sachebene miteinander. Knaier stützte sich bei seinen Aussagen zu acht Themenblöcken vor allem auf die Beschreibung seiner und des Gemeinderats „erfolgreiche Arbeit“. Rößner hielt mit einzelnen Zukunftsvisionen bis 2020 dagegen.

Gab's einen Sieger? Eher nicht. Rößner (46), da nicht im Gemeinderat, geriet zwar mangels mancher Kenntnislücken wie beim von ihm geforderten Leerstandsmanagement in Bedrängnis, fand aber in Knaier (48) einen freundlich-ironischen Gegenspieler. Dass die Gemeinde schon länger hier mit anderen Gemeinden zusammenarbeitet, „das kann der Harald auch nicht wissen“. Mangels Sitz im Gemeinderat.

Knaier wiederum punktete meist mit seinem Amtsbonus. Das ging zu Lasten von Zukunftsaussagen, die oft erst wegen kritischer Worte seines Gegenspielers auf den Tisch kamen. Trotzdem: Bei allen Unterschieden im Detail, ob beim Haushalt, der Erschließung neuer Bauplätze oder bei Knaiers „Aufholbedarf“ beim Tourismus, blieben Unterschiede minimal.

Klarere Akzente gab's bei Wiesentheids größter Herausforderung für die nächsten Jahre: Bei der geplanten Umgehung geht Rößner vom einstimmigen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats ab – statt dem kompletten Entlastungsring übernimmt Rößner die „Position“ der Wiesentheider Grünen, die einen Korridor vor Feuerbach beginnen lassen, der über das Gewerbegebiet Mähling auf die B 286 führen würde.

Knaier ist ebenfalls „dankbar“ für diesen Vorschlag, verweist aber auf die Ratssitzung am Donnerstag, bei der die vom Gutachter geprüfte Variante Thema der Diskussion um die Entlastungsstraße sei. Sein Credo: „Wir brauchen eine Entlastung für den Innenort.“ Die rund 7200 Fahrzeuge täglich sind auch Rößner deutlich zu viel. Allerdings möchte er geprüft wissen, ob die Kurzversion – gegenüber dem rund 15 Millionen Euro teuren Ring – ausreichend Verkehr vom Ortskern wegleitet: „Die Entlastung muss kommen und muss finanzierbar sein.“

Eine leise Schärfe beschert der Diskussion die Frage der Bürgerbeteiligung. Rößners Vorwurf: Die Gemeinde habe entschieden und wolle erst im Nachhinein die Wiesentheider in den Prozess der Umgehung einbinden. Knaier: „Es ist überhaupt nichts entschieden.“ Die Planung für die Entlastungsstraße sei erst im Werden, und: „Es wird nichts ohne die Bürger gemacht.“

Wenig Unterschiede offenbaren auch die Restthemen: Beim Etat fordert Rößner den Verzicht auf „finanzielle Wagnisse“, Knaier pocht auf eine „solide Haushaltspolitik“. Ähnlich sieht's bei der Wirtschaftsförderung aus. Beispiel ist das neue Gewerbegebiet „Mähling“. Da ist das Anwerben von Investoren bei Knaier „Chefsache“, Rößner pocht auf ein Vermarktungskonzept, bei dem externe Experten die Arbeit der Gemeinde unterstützen.

Eher fruchtlos beim friedlichen Duell der beiden Bürgermeister-Kandidaten ist das Eingreifen von außen. Fast alle Redebeiträge kommen von Gemeinderatsmitgliedern. Die und einige Kandidaten für das Gremium quälen mit größter Mühe ihre Wahlkampf-Stellungnahmen zur vom Moderator geforderten Frage um. Ergebnis der Einwürfe von CSU-, Bürgerblock- und Grünen-Mitgliedern: Der Bürger kommt fast gar nicht zu Wort – oder traut sich nicht.

In Volkach und Kitzingen ist das anders: Dort gehört es zum guten Ton, dass die Lokalpolitiker bei Bürgerversammlungen oder – wie zuletzt – bei Podiumsdiskussionen ihre Wahl-Duellanten lediglich durch Applaus unterstützen.
 

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