IPHOFEN

Knauf: Gips kommt wieder häufiger aus der Erde

Die DB Cargo lieferte am Dienstag die zehnmillionste Tonne REA-Gips per Güterzug ins Knauf-Werk in Iphofen. Die ferngesteuerte Entladung gaben (von links) Knauf-Gesellschafter Manfred Grundke, der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer und DB-Cargo-Vertriebsvorstand Raimund Stüer frei.
Die DB Cargo lieferte am Dienstag die zehnmillionste Tonne REA-Gips per Güterzug ins Knauf-Werk in Iphofen. Die ferngesteuerte Entladung gaben (von links) Knauf-Gesellschafter Manfred Grundke, der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer und DB-Cargo-Vertriebsvorstand Raimund Stüer frei. Foto: Andreas Brachs

Der Augenblick und der Rückblick sind ein Grund zur Freude, der Ausblick jedoch bereitet Sorgen: Am Dienstag feierte das Gipswerk von Knauf in Iphofen (Lkr. Kitzingen) die Ankunft der zehnmillionsten Tonne REA-Gips – seit fast 20 Jahren geliefert von DB Cargo, der Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn. Knauf feierte die Ankunft des Jubiläums-Güterzugs mit einem großen Bahnhof: Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer half persönlich beim Entladen, wenn auch nur durch Drücken eines roten Knopfs.

Zu 60 Prozent REA-Gips

Der Baustoffkonzern Knauf fertigt in Iphofen Gipskartonplatten am laufenden Band. Er gehört zu den Weltmarktführern bei Produkten für Trockenbau und bei Dämmstoffen. Der Rohstoff kommt zu 40 Prozent aus Gipssteinbrüchen und zu 60 Prozent aus den Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) der Braunkohle-Verstromung, vor allem aus Ostdeutschland. Dort ist der Gips ein Nebenprodukt.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten rollten auf den Güterwaggons der DB Cargo zehn Millionen Tonnen REA-Gips ins Knaufwerk Iphofen. Das erspart den Straßen rund 80 Laster pro Woche.

Schon Anfang der 1980er Jahre hatte Knauf mit Gips aus ersten Rauchgasentschwefelungsanlagen experimentiert. Daraus erwuchs die Dauerbelieferung, die bis heute anhält. Der REA-Gips stammt aus Braunkohle-Kraftwerken in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Eine versiegende Quelle

Doch genau diese Quelle wird über kurz oder lang versiegen. Darauf machte Manfred Grundke, einer der Geschäftsführenden Gesellschafter der Knauf-Gruppe, mit Blick auf die Zukunft aufmerksam. Sein Problem: Die Energiewende sieht den Ausstieg aus der Kohleverstromung vor. Aktuell berät die Kohlekommission darüber, wann der Ausstieg vollzogen werden soll. Ein Zeitraum zwischen 2035 und 2050 scheint dafür wahrscheinlich.

Für Knauf bedeutet das, sich rechtzeitig nach Alternativen umzusehen. In Unterfranken finden sich zahlreiche Gips-Vorkommen in der Erde. Mal könnte man ihn im Tagebau fördern, mal im Untertagebau wie im Knauf-Bergwerk bei Hüttenheim nahe Iphofen.

Erschließung neuer Abbaugebiete

Das ist der Grund dafür, warum Knauf versucht, neue Abbaugebiete zu erschließen. In der „Altertheimer Mulde“ (Lkr. Würzburg) ist das Unternehmen schon fündig geworden und hat deshalb ein Genehmigungsverfahren samt Bürgerbeteiligung angestrebt. Doch das könnte erst der Anfang sein: Denn nach den Aussagen der Experten bei Knauf gibt es in Unterfranken zwar viel Gips, aber jeweils nur in kleinen Vorkommen.

Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Knauf weitere Abbaugebiete suchen wird – umso nachdrücklicher, je schneller das Aus für den REA-Gips kommen sollte. Wie dann dereinst der gewonnene Gips nach Iphofen transportiert wird, ist die nächste Frage. Nicht immer wird dafür die Bahn das Mittel der Wahl sein.

„Erfolgsgeschichte zweier starker Partner“

Umso mehr feierten am Dienstag Vertreter von Knauf, der ostdeutschen Kraftwerksbetreiber und von DB Cargo die vergleichsweise umweltfreundliche Belieferung des Werks mit Güterzügen. Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer nannte sie eine „Erfolgsgeschichte zweier starker Partner“.

Das Familienunternehmen Knauf sei ein „Innovationsmotor der Baubranche“. Das ließe sich auch an Prestige-Projekten wie der Ausstattung der Hamburger Elbphilharmonie mit Akustik-Gipsplatten von Knauf belegen. Pschierer nannte es ein erklärtes Ziel der Politik, noch mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Appell an Toleranz der Bürger

Der Minister warb bei den Bürgern dafür, gegenüber neuen Infrastrukturprojekten, Deponieflächen und Abbaugebieten aufgeschlossen zu sein. Das sei eine Folge der boomenden Wirtschaft, die sich weiter auf Wachstumskurs befinde.

Knauf-Gesellschafter Grundke dankte dafür, dass der Freistaat Anfang der 1990er-Jahre die Güterzugentladung im Knauf-Werk Iphofen bezuschusst habe. Er betonte, dass die Weiterentwicklung des Unternehmens auch künftig von der politischen Unterstützung abhänge.

Knauf und der Gips

Der Baustoffkonzern verarbeitet allein an seinem Standort in Iphofen bis zu 600 000 Tonnen REA-Gips pro Jahr. Dazu kommen noch etwa 400 000 Tonnen Naturgips. Der Gips aus den Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) fällt bei der Luftreinhaltung in großen Mengen an, ist chemisch identisch mit dem natürlichen Material und überdies besonders rein.

In Iphofen kommen pro Woche fünf bis acht Güterzüge am werkseigenen Bahnhof mit Entladestation an. Das entspricht etwa 80 Lastwagen.

Deutschlandweit werden rund sieben Millionen Tonnen REA-Gips im Jahr erzeugt. Gips-Recycling aus Abfällen könnte bis auf 500 000 Tonnen pro Jahr gesteigert werden, sagen Experten, folglich aber nicht die versiegenden REA-Gips-Quellen ersetzen. Aus Sicht der Baustoffindustrie bleibt nur die Erschließung neuer Abbaugebiete. abra

Ein musikalischer Gruß zum Jubiläum kam von der Bergmannskapelle des Iphöfer Unternehmens Knauf.
Ein musikalischer Gruß zum Jubiläum kam von der Bergmannskapelle des Iphöfer Unternehmens Knauf. Foto: Andreas Brachs

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