Kitzingen

Kurt Eisner, der Freistaat und die Räterepublik

Oberbürgermeister Siegfried Müller eröffnet die Ausstellung "100 Jahre Revolution" im Foyer des Rathauses. Foto: Robert Haaß

"Bayern ist fortan ein Freistaat." Kurt Eisner war es vor 101 Jahren, der diesen Satz sprach und damit den Freistaat ausrief. Kein CSU-ler, sondern ein Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USDP), der vom 8. November 1918 bis zu seiner Ermordung im Februar 1919 erster Ministerpräsident Bayerns war.

Revolutionäre Zeiten nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg mit großen Umwälzungen für die Bevölkerung, die in einer Ausstellung im Kitzinger Rathaus lebendig werden. "100 Jahre Revolution - in Bayern und Unterfranken" nimmt im Foyer im ersten Stock des Altbaus noch bis zum 7. Oktober auf 32 Tafeln den Besucher mit auf eine Zeitreise, die schon 1914 mit dem Beginn des Krieges startet. Die Folgen dieses Weltenbrandes münden noch vor Kriegsende in große gesellschaftliche Umbrüche und Revolutionen. Der deutsche Kaiser Wilhelm II tritt zurück und auch in Bayern werden die Wittelsbacher abgesetzt. Am 8. November verkündet Eisner den Freistaat.

Eine zentrale Figur der Ausstellung ist eben jener Kurt Eisner, dessen Leben etliche der Bildtafeln gewidmet sind. Von seiner Kindheit und Jugend über die Mitgliedschaft in der Sozialdemokratie, seinen Einsatz als Pazifist und Kriegsgegner, den friedlichen Umsturz und seine kurze Zeit als Ministerpräsident, bis hin zur Ermordung begleitet ihn die Ausstellung. Sie zeigt auch die Zeit der Revolution in Aschaffenburg und in Würzburg.

Erweitert wird die Schau durch die Arbeiten von Schülern des Gymnasiums Marktbreit mit der Leiterin des Kitzinger Stadtarchivs Doris Badel und schafft so den Bezug zu Kitzingen. Lebensmittelknappheit und Wohnungsnot bestimmten hier die Lage. Von "skandalösen Unregelmäßigkeiten in der Lebensmittelzuteilung" ist hier auf der einen Seite die Rede, die auch zu personellen Konsequenzen führten. Um auf dem Wohnungsmarkt zumindest etwas für Entspannung zu sorgen, wurde 1919 für ein gutes halbes Jahr ein Zuzugsverbot nach Kitzingen erlassen. Und sehr zum Ärger der ansässigen Gastwirte untersagte der Magistrat den Aufenthalt von Kurgästen und Sommerfrischlern in der Stadt.

Für Oberbrügermeister Siegfreid Müller ist das Thema der Ausstellung aktueller denn je. "Deshalb ist es wichtig, auch 101 Jahre nach der Revolution sich an die Hintergründe der Revolution zu erinnern und sich diese vor Augen zu führen." Gerade heute mit der steigenden Zahl an Rechtspopulisten in Europa und dem Zweifel an den Werten der Demokratie " ist es wichtig, dass wir Demokraten diese Werte vertreten und verteidigen", so der OB.

Die überregionalen Hauptteile der Ausstellung sind von Ingrid Scherf, einer ehemaligen Kitzingerin, recherchiert und erstellt worden. Ihre Kontakte zu Klaus Christof und dem Stadtarchiv brachte "100 Jahre Revolution" nach Kitzingen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Oktober zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu besuchen.

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