Kitzingen

Kurzarbeit bei Fehrer und Leoni, gute Auslastung bei Knauf

Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft hart, im Landkreis besonders die Automobil-Zulieferer Fehrer und Leoni. Wie schaut es bei anderen großen Arbeitgebern aus?
Der Schriftzug des Kabelspezialisten und Autozulieferers Leoni. Foto: Daniel Karmann, dpa

Mit niedrigerem Gehalt zurechtkommen müssen in den kommenden Wochen – und vielleicht auch Monaten – viele Arbeitnehmer im Landkreis Kitzingen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen zahlreiche Betriebe mit voller Wucht. Bei der Agentur für Arbeit sind die Anzeigen auf Kurzarbeit sprunghaft in die Höhe gegangen, teilt Pressesprecher Wolfgang Albert mit. 17 000 waren es am Dienstag in Bayern, konkrete Zahlen zur Kurzarbeit im Landkreis Kitzingen gebe es noch nicht.

Albert nennt es "vernünftig, die Anzeige bei Bedarf möglichst schnell zu schalten". Sie wieder zurückzunehmen sei überhaupt kein Problem. Gut 34 000 Arbeitsplätze für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gibt es im Landkreis Kitzingen, davon knapp 10 000 in Teilzeit. Von der Kurzarbeit besonders betroffen sind laut Albrecht bislang Hotels und Gaststätten, Transport und Logistik, Messebau und Tourismus. Die Automobil-Zulieferer waren am Dienstag noch nicht darunter, doch das könnte sich schnell ändern, wie der Blick auf die hier ansässigen Unternehmen zeigt.

Die Firma Fehrer am Standort in Etwashausen. Foto: Fehrer

Fehrer, 1200 Mitarbeiter im Landkreis:
Herunterfahren auf Minimalbetrieb

Beim Automobil-Zulieferer Fehrer beginnt bereits Ende dieser Woche die Kurzarbeit. Damit reagiert das Unternehmen auf "den Produktionsstopp bei allen unseren Kunden aus der Automobilindustrie, der durch die Corona-Krise verursacht wurde", schreibt Marketingleiterin Ursula Theiß. In Kitzingen, Großlangheim und Wiesentheid beschäftigt Fehrer 1200 Mitarbeiter. Sie entwickeln und produzieren Teile für den Fahrzeuginnenraum wie Sitzpolster oder Armlehnen. Von der Kurzarbeit sind laut Theiß alle Unternehmensbereiche betroffen. "Um die Funktionsfähigkeit zu erhalten, wird Fehrer die Standorte bis auf Weiteres auf Minimalbetrieb herunterfahren." Eine Prognose über die weitere Entwicklung sei nicht möglich. Immerhin habe sich weder bei Fehrer noch beim Mutterkonzern Aunde-Gruppe in Deutschland bislang ein Coronavirus-Verdachtsfall bestätigt.

Leoni, knapp 1000 Mitarbeiter in Kitzingen: Umfangreiche Kurzarbeit
an allen deutschen Standorten

"Umfangreiche Kurzarbeit" in den Werken und Verwaltungsstandorten in Deutschland ist wegen des Stillstands bei den großen Autobauern auch beim fränkischen Kabelbauer Leoni notwendig, informiert Pressesprecher Sven Schmidt. Am Standort Kitzingen, der Bordnetzzentrale des Unternehmens, sind davon knapp 1000 Mitarbeiter betroffen. Man habe vereinbart, "die Produktion in Deutschland kontrolliert herunterzufahren und dabei das Einkommen der Mitarbeiter teilweise abzusichern". Leoni zahle seinen Mitarbeitern einen Aufschlag, der das Kurzarbeitergeld aufstocke. Alles weitere werde lokal vereinbart und könne sich sogar je nach Abteilung unterscheiden, erläutert Schmidt auf Nachfrage. "Die eigentliche Beantragung bei der Arbeitsagentur folgt, sobald diese Details klar sind." Zudem, hieß es in einer vorangegangenen Pressemitteilung, werde Leoni Hilfen des Bundes beantragen, um den finanziellen Spielraum des Unternehmens zu erhöhen.

Heißes Eisen: Auch die Kitzinger Firma Franken Guss ist von der Corona-Krise betroffen und hat Kurzarbeit angemeldet. Foto: Thomas Obermeier

Frankenguss, 620 Mitarbeiter in Kitzingen:
Tageweise Kurzarbeit, aber kein Produktionsstopp

Ebenfalls mit einem Rückgang an Aufträgen zu kämpfen hat die Kitzinger Firma Franken Guss. Wie Julia Hollenbacher, verantwortlich für Marketing und Assistentin der Geschäftsführung, erklärt, stammen die Hauptkunden von Franken Guss Kitzingen ebenfalls aus der Automobilindustrie. "Aber es kommen immer noch Aufträge rein, die wir abarbeiten müssen. Wir haben keinen Produktionsstopp und schließen auch nicht komplett." Auf den Rückgang reagiere die Firma mit tageweiser Kurzarbeit, sowohl im Metall-Guss- als auch im Eisen-Guss-Bereich. Franken Guss hat derzeit etwa 620 Beschäftigte und bereits im vergangenen Jahr teilweise in Kurzarbeit gearbeitet.

Die Hauptverwaltung der Firma Knauf in Iphofen. Foto: Andreas Brachs

Knauf, 2000 Mitarbeiter im Landkreis:
Fabriken sind noch gut ausgelastet

Gute Nachrichten gibt es hingegen von Knauf: Bei dem Gipskonzern droht aktuell noch keine Kurzarbeit. Jörg Schanow, Mitglied der Geschäftsleitung, beruhigt: "Unsere Fabriken in Deutschland sind nach wie vor gut ausgelastet. Sollte sich dies in der Zukunft ändern, weil wir vom Gesetzgeber (wie in Italien) zu einer Schließung unserer Fabriken gezwungen oder Lieferketten von Dritten unterbrochen werden, werden wir zunächst Urlaub und Freischichten abbauen, bevor Kurzarbeit beantragt wird." Rund 35 000 Menschen beschäftigt der Konzern weltweit, etwa 2000 sind es am Firmensitz Iphofen mit Markt Einersheim und Hüttenheim. An fast allen Standorten ist Knauf laut Schanow von der Corona-Krise betroffen, die Auswirkungen seien in den einzelnen Ländern aber sehr unterschiedlich. "Was dies langfristig für jeden einzelnen Standort bedeutet, lässt sich gegenwärtig noch nicht abschätzen."

Gea, 250 Mitarbeiter im Landkreis:
Anlagen der Kunden laufen auf Hochbetrieb

Von Glück reden kann, wer derzeit Nahrungsmittel oder – im Fall von Gea – Maschinen dafür herstellt. Gea ist nach eigenen Angaben einer der größten Systemanbieter für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie mit über 18 000 Mitarbeitern weltweit, davon gut 250 in Kitzingen. Der Standort ist auf Brauereianlagen spezialisiert. Stand heute, sagt Pressesprecher Marc Pönitz, sei in Kitzingen keine Kurzarbeit zu befürchten. "Die Anlagen unserer Kunden laufen auf Hochbetrieb und brauchen auch Service." Zwar rechne man wegen der Krise mit einem Umsatzrückgang für 2020, doch mit der Auto-Industrie sei die Situation nicht zu vergleichen.

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