Kitzingen

Landratskandidatin Bischof: "Mit Leidenschaft und Erfahrung"

Was hat Landrätin Tamara Bischof in den kommenden sechs Jahren vor? Die größten Herausforderungen? Wie steht sie den Wahlkampf durch? Das Interview mit der Amtsinhaberin.
Auf Wahlkampftour: Landrätin Tamara Bischof tourte kürzlich mit einer Delegation der Freien Wähler in einem batterieelektrisch angetriebenen Serienbus durch den Landkreis Kitzingen.
Auf Wahlkampftour: Landrätin Tamara Bischof tourte kürzlich mit einer Delegation der Freien Wähler in einem batterieelektrisch angetriebenen Serienbus durch den Landkreis Kitzingen. Foto: Viktor Meschko/Atelier ZUDEM
Frage: Kann Sie nach 20 Jahren im Amt noch etwas überraschen?

Tamara Bischof: Ich bin für alle Überraschungen offen – wobei es nach so langer Zeit mit Sicherheit wenig gibt, was mich wirklich verwundern würde.

Was hat sich in den zwei Jahrzehnten verändert? Was ist anders als früher?

Bischof: Ich habe heute einen immensen Erfahrungsschatz und bin nach 20 Jahren hervorragend vernetzt. Irgendwann kennt man so ziemlich alle Stolperfallen. Ich versuche, dass es im Sinne der Bürger rasch vorangeht, denn die Kommunikationswege sind heute viel direkter und die Bürger sollen natürlich schnell Antwort erhalten. Auch die Zusammenarbeit im Kreistag hat sich geändert, ich habe von Anfang an sehr viel Ruhe reingebracht und wir arbeiten alle konstruktiv zusammen. Außerdem sehe ich heute Vieles gelassener als früher.

Wie sieht es mit der Erwartungshaltung der Bürger aus?

Bischof: In unserer schnelllebigen Zeit sind die Anforderungen der Bürger natürlich auch gewachsen. Es wird eine umgehende Dienstleistung erwartet – was ich selbstverständlich auch bieten möchte. Wir sind ein besonderer Dienstleister, die Bürger können sich uns nicht aussuchen. Ich habe ein gutes Team im Landratsamt.

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3 Fragen an: Tamara Bischof / Landratskandidatin Kitzingen
Wie steht der Landkreis heute da?

Bischof: Wirtschaftlich: sehr gut und sehr stabil. Der Landkreis hat geordnete Finanzen, seit 2013 mussten wir keine Schulden aufnehmen. Entgegen der Prognosen freuen wir uns über steigende Einwohnerzahlen. Im sozialen Bereich haben wir viele Angebote eingeführt wie den Familien- und Pflegestützpunkt. Im Bereich Energie und Klimawandel haben wir vor Jahren ein Klimaschutzkonzept erstellen lassen, da müssen wir uns auch in der Umsetzung nicht verstecken, wie zum Beispiel die Ausstattung unserer weiterführenden Schulen mit CO2 neutralen Hackschnitzelheizungen.

Was macht den Landkreis einzigartig?

Bischof: Als Wein- und Kulturlandkreis sind wir einzigartig in Bayern. Nach meinem Amtsantritt habe ich die Schilder an den Landkreisgrenzen austauschen lassen, seither steht da "Weinlandkreis" drauf. Wir haben die Traumtouren entwickelt und arbeiten ständig an unseren Radwegen und deren Infrastruktur.

Was fehlt dem Landkreis noch – außer vielleicht Berge?

Bischof: Im Tourismusbereich fehlen im Drei- und Viersterne-Bereich sicher Hotel-Kapazitäten. Am Main oder im Steigerwald können wir nicht so viele Tagungen anbieten. Wir können unseren Landkreis von den Gegebenheiten her gut vermarkten, in einigen Orten fehlt jedoch das gastronomische Angebot. Gerade bei unseren Traumrunden ist das wichtig: Wenn ich vier Stunden gewandert bin und dann nichts zu essen bekomme, ist das ein Manko. Ansonsten bekommen wir hoffentlich bald unsere Umweltstation. Ein Naturparkzentrum auf dem Schwanberg wäre ein weiterer Wunsch. Zudem brauchen wir eine Verbesserung von Breitband und Mobilfunk im Landkreis, die ich von Land und Bund einfordere.

Zum Wahlkampf – Ihr Kernsatz?

Bischof: Auf meinen Plakaten steht: Mit Leidenschaft und Erfahrung den Landkreis erfolgreich in die Zukunft führen. 

Wie kräftezehrend ist Wahlkampf? Ab wann geht man auf dem Zahnfleisch?

Bischof: Natürlich ist es anstrengend. Ich bekomme aber oft gute Botschaften, es kommt viel zurück. Man kommt nah an viele Menschen in einem überschaubaren Zeitraum. Aber klar ist auch: Man ist als Wahlkämpfer froh, wenn der Wahltag erreicht ist.

Tamara Bischof.
Tamara Bischof. Foto: Michael Mößlein
Haben Sie noch Lampenfieber? 

Bischof: Ich schaue vorher, welche Termine ich habe und was mich erwarten könnte. Da geht es eher um gute Vorbereitung, weniger um Lampenfieber. Wichtig ist, fokussiert zu sein.

Wie nehmen Sie Ihren Herausforderer wahr?

Bischof: Wahl heißt ja: auswählen können. Wenn man einen Mitbewerber hat, ist es spannender. Das führt auch dazu, dass die eigene Mannschaft zusammenhält. Die Motivation ist deutlich größer.

Der Blick voraus: Ihre größten Vorhaben für die nächste Amtsperiode?

Bischof: Die größte Maßnahme ist die Klinik Kitzinger Land. Dann steht die Sanierung der Berufsschule an. Die Digitalisierung in den Schulen wird vorangetrieben. Beim ÖPNV ist ein Meilenstein, dass die Mainschleifenbahn hoffentlich zum 1. Januar 2026 im Stundentakt nach Würzburg und zurück fährt. Der Stundentakt ist insgesamt für den ÖPNV ein Ziel, hier werden auch die großen Haltestellen digitalisiert. Zum 1. September kommt das 365-Euro-Ticket. Die Sanierung der Schwanbergstraße ist ein Großprojekt, wobei ich nicht weiß, ob das in den nächsten sechs Jahren zu schaffen ist.

Was kommt beim Klimawandel auf den Landkreis zu? Die Stadt Kitzingen hat gerade beschlossen, einen Klima-Manager einzustellen.

Bischof: Wir hatten auch schon einen Klimamanager, das hat damals – auch nach Meinung der Kreistagsfraktionen – zu wenig gebracht. Das Thema Wald beschäftigt uns, wir müssen auf Mischwälder umstellen. Wassermanagement ist ein weiteres Stichwort. Wenn weitere Trockenjahre kommen, müssen wir überlegen, wie viel wir bewässern können und mit welchen Methoden. Die E-Mobilität wird weiter gefördert. Die Landwirtschaft wird auf der Tagesordnung bleiben. Und es muss sich jeder fragen, was er persönlich machen kann, wie Urlaubs- oder Einkaufsverhalten überdenken.

Wird es ein grünes Landratsamt geben?

Bischof: Energetisch sind unsere Gebäude zum Teil in einem ausbaufähigen Zustand. Ein Großteil der Gebäude ist zuletzt 1989 saniert worden. Wir werden begutachten lassen, was man hier machen kann. Ein grünes Dach werden wir nicht mal eben so aufbringen können, schon weil es ein denkmalgeschütztes Gebäude ist.

Wie sieht es mit Nachhaltigkeit privat bei Ihnen aus?

Bischof: Wir haben eine Zisterne einbauen lassen, das ist schon 20 Jahre her. Auf dem Dach ist eine kleine Solaranlage für Warmwasser. Außerdem werden wir ein Hybridauto bestellen.

Sie stammen aus einer Landwirtsfamilie. Wie viel Landwirt steckt noch in Ihnen?

Bischof: Wenn man in der Landwirtschaft aufgewachsen ist, in einem Dreigenerationenhaus, muss jeder mithelfen. Bei mir war das von frühester Kindheit bis zu meinem 19. Lebensjahr so. Das ist harte Arbeit.

Haben Sie deshalb mehr Verständnis für die aktuellen Proteste?

Bischof: Ja, weil ich alles nachvollziehen kann. Der Strukturwandel hat ja schon während meiner Kindheit eingesetzt. Den Landwirten hat man auf der Landwirtschaftsschule gesagt, was sie machen sollen. Die Landwirte haben das so gemacht, wie es ihnen erklärt worden ist. Jetzt soll alles falsch sein? Man kann den Landwirten auf keinen Fall vorwerfen, dass sie alles falsch gemacht haben. Sie haben das gemacht, wie sie beraten worden sind. Ich weiß, wie sich die Leute fühlen.

Ein paar Stichworte: Steigerwaldbahn ...

Bischof: Es gibt den Auftrag vom Landkreis Schweinfurt und vom Landkreis Kitzingen an die Bayerische Eisenbahngesellschaft, eine Potenzial-Analyse zu erstellen. Die Prüfung ist richtig und wichtig. Von Schweinfurt bis Gerolzhofen sehe ich mehr als die geforderten 1000 Reisenden pro Werktag, gegebenenfalls auch bis Wiesentheid. Ob es auch bis Kitzingen reicht, wird die Prüfung ergeben. Allerdings fehlt hier noch der Beschluss der Stadt Schweinfurt.

Stichwort Frei- und Hallenbäder ...

Bischof: Die Kinder sollten spätestens in der Grundschule schwimmen können. So weit wir können, müssen wir als Landkreis mithelfen. Bei unserem eigenen Schwimmbad in Dettelbach können wir schauen, ob es noch Kapazitäten gibt. Was die Schwimmbad-Förderung anbelangt, haben wir uns ein Förderprogramm ausgedacht. Was an Struktur vorhanden ist, sollte auch erhalten bleiben.

"Ich sehe heute vieles gelassener als früher."
Tamara Bischof, Landrätin
Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, ob es Ihre letzte Amtszeit sein wird?

Bischof: Das ist noch alles offen. Ich warte diese Wahl und die nächsten sechs Jahre ab. Sie können ja hochrechnen, wie alt ich in sechs Jahren bin.

Was machen Sie am Montagmorgen nach der Wahl?

Bischof: Ein entspanntes Frühstück mit meinem Mann. Danach fahre ich hoffentlich vergnügt in das Landratsamt und schaue mir die Kreistagsergebnisse an, die ja erst gegen Mittag vorliegen werden.

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