KITZINGEN

Leiter hoch – Tassen hoch!

Bei ihm laufen Fäden und Eisengeländer zusammen: Kommandant Markus Ungerer inspiziert die alte Drehleiter. Foto: Diana Fuchs

Die gute, alte Holzspritze. Da steht sie, im Keller des Kitzinger Feuerwehrhauses, und flößt den Betrachtern immer noch Ehrfurcht ein. Die Eisenbeschläge, der massive Wagen und die vier großen, sperrigen Holzräder sind der Beweis: Feuerwehr-Einsätze waren 1880 eine kräftezehrende Angelegenheit. Auch heute, mit modernstem Gerät, brauchen Feuerwehrleute Durchhaltevermögen. Sonst aber hat sich der „Dienst am Nächsten“ gewaltig geändert. Die Freiwillige Feuerwehr Kitzingen zeigt das an diesem Sonntag eindrucksvoll.

Markus Ungerer sagt, er sei „positiv aufgeregt“. Der „Tag der offenen Tür“ soll heuer ein großer Tag werden. Der Kommandant und sein Team möchten, dass das 150. Geburtstagsfest der Wehr den Bürgern lange im Gedächtnis bleibt. „Wir zeigen zum Beispiel, wie man früher Menschen aus verunglückten Fahrzeugen gerettet hat – und wie man es heute macht.“ Parallel werden zwei Rettungstrupps an den Start gehen.

Ein Trupp arbeitet wie im Jahr 1970 mit Handpumpe, Schere und Spreizer, die andere Gruppe rettet ein Unfallopfer mit modernstem Gerät, wie es 2014 gängige Praxis ist. „Das nebeneinander zu sehen, ist schon sehr spektakulär“, ist Ungerer sicher.

„Crash-Rettungen gibt es nur, wenn der Patient sonst auf jeden Fall stirbt.“
Markus Ungerer, Kommandant FFW KT

In der Rettungstechnik habe sich unheimlich viel getan: „Überspitzt gesagt, hat man die Leute früher aus den Wracks rausgerissen. Heute beginnt die medizinische Versorgung meist schon direkt im Fahrzeug.“ Der Notarzt stellt fest, was medizinisch möglich und sinnvoll ist, während der Einsatzleiter der Feuerwehr die technischen Hilfsmöglichkeiten eruiert. „Gemeinsam entscheidet man dann, was die beste und schonendste Art der Rettung ist, die so genannte patientenorientierte Rettung“, erklärt Markus Ungerer.

„Crash-Rettungen“ dagegen gebe es nur noch dann, wenn der Patient sonst auf jeden Fall stirbt. „Ziel ist es immer, den Verunglückten möglichst innerhalb einer Stunde nach dem Unfall in die Klinik zu bringen. Man spricht dabei von der 'Golden Hour'.“

Oft jedoch geht es sogar um Sekunden. Was geschieht, wenn sich in einer Pfanne Fett entzündet und der Koch die Flammen mit Wasser löscht? Und was passiert, wenn jemand im Hochsommer eine Spraydose auf dem Armaturenbrett seines Autos ablegt und dort liegen lässt? Sowohl die Fettexplosion als auch das Spraydosen-Zerknallen schildert die FFW KT ihren Gästen nicht in trockener Theorie, sondern führt es ihnen live vor Augen.

Vom neuen Kommandowagen über Löschgruppen- und Kleinalarmfahrzeuge bis hin zum „Gerätewagen Gefahrgut“ steht zudem der gesamte Fuhrpark für Besichtigungen offen – ebenso wie das FFW-Gerätehaus, das vom Keller bis zum Fahrzeugraum genauestens inspiziert werden darf. Auch die Bundeswehr trägt ihren Teil dazu bei, das Publikum zu beeindrucken, und schickt ein Löschfahrzeug nach Kitzingen, das auf einem Flugfeld zum Einsatz kommt, wenn es am Flugplatz brennt.

Die Feuerwehr-Jugend kümmert sich unterdessen um die kleinsten Besucher, die nicht nur Buttons herstellen dürfen, sondern auch Fotomontagen von sich in kompletter Feuerwehr-Kluft mit nach Hause nehmen dürfen. Beim Losverkauf verdienen sich die Jugendlichen außerdem ein paar Euro. „Wer Glück hat, gewinnt eine Fahrt mit der Drehleiter und kann Kitzingen mal von ganz oben erleben“, stellt Markus Ungerer fest. In dem Eisenkorb in 30 Metern Höhe flößt manch einem der Blick nach unten mindestens so viel Ehrfurcht ein wie das Betrachten der alten FFW-Utensilien.

150 Jahre allzeit bereit

Tag der offenen Tür: Nach dem offiziellen Festkommers „150 Jahre FFW KT“ am Samstag, 20. September, geht es am Sonntag, 21. September, rund ums Kitzinger Feuerwehrhaus in der Landwehrstraße 21 für die Öffentlichkeit brandheiß her.

Von 10 bis 18 Uhr gibt es ein buntes Programm für Alt und Jung mit offizieller Übergabe des Kommandowagens von der Stadt an den Kommandanten (11 Uhr), Weißwurst-Frühstück, Mittagstisch (Floriansbraten mit Spätzle und Salat, Gegrilltes, Pommes etc.), Kaffeebar, spektakulären Schau-Vorführungen, einem eigenen Kinderprogramm, Lostrommel, Hausführung und Fahrzeug-Ausstellung.

FFW KT: 150 Jahre Sicherheit und selbstloser Einsatz: Die Freiwillige Feuerwehr Kitzingen hat heuer, im Jubiläumsjahr, besonderen Grund zum Feiern. Wo früher einige Stunden reichten, um die Handhabung der Geräte zu erlernen, ist heute ein großer zeitlicher Aufwand nötig, um die moderne Technik zu beherrschen. Umso mehr freuen sich der Feuerwehrverein unter seinem Vorsitzenden Carsten Lieb (Stellvertreter Stefan Münch) sowie Kommandant Markus Ungerer (Stellv. Matthias Gernert) über eine starke Führungsriege der Wehr, dutzende aktive Einsatzkräfte sowie zwölf Jugendliche, die „allzeit bereit“ sind. ldk

Quietschgelb: die Ganzkörper-Schutzanzüge lassen sich hängen.
Brandgefährlich: Was passiert, wenn man einen Ölbrand mit Wasser löscht, zeigt die Feuerwehr am Sonntag eindrucksvoll. Foto: FFW Kitzingen
Feuerwehr-Nostalgie: Im Keller des Kitzinger Feuerwehrgerätehauses können die Besucher am Sonntag auch diese vierrädrige Handdruckspritze, Baujahr 1880, begutachten.
Feuerwehr-Nostalgie, die Zweite: Im Keller des FFW-Hauses steht auch diese alte Drehleiter.

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