GERLACHSHAUSEN

Maibaum-Klau gleich zweimal

Am Donnerstag um 7.57 Uhr war die Welt in Gerlachshausen noch in Ordnung. Doch dann klingelte bei Feuerwehrkommandantin Annette Hillenbrand das Handy. „Der Baum ist geklaut!“, lautete die Schreckensnachricht.
„Wir haben den Maibaum wieder“, hieß es am Donnerstagabend in Gerlachshausen. Die Sommeracher Dorfjugend schaute beim gleich doppelt erfolglosen Versuch, die Nachbarn zu ärgern, allerdings recht dumm aus der Wäsche.
„Wir haben den Maibaum wieder“, hieß es am Donnerstagabend in Gerlachshausen. Die Sommeracher Dorfjugend schaute beim gleich doppelt erfolglosen Versuch, die Nachbarn zu ärgern, allerdings recht dumm aus der Wäsche. Foto: FOTO Georg Ruhsert

Dort, wo am Vorabend um 23 Uhr noch eine stolze 17-Meter-Birke lag, klebte nur ein kleiner Zettel: „Liebe Gerlachshäuser! Wie ihr sicher schon gemerkt habt, wurde euch euer Mainbaum entwendet. Wie im Brauchtum üblich, bieten wir euch folgende Auslöse an: 50 Liter regionales Bier vom Fass und ein Spanferkel. Wenn ihr unser Angebot annehmen wollt meldet euch bei der Dorfjugend Sommerach!“, war zu lesen.

Die Gerlachshäuser warteten zuerst einmal ab, wie sich die Dinge entwickeln würden. Schließlich wusste ja auch noch niemand von der Schmach. Doch die Sommeracher legten nach. Gegen Mittag wurde Hillenbrand von den ersten Nachbarn angesprochen, dass die Sommeracher Dorfjugend eben auf Radio Gong verkündet hätte, der Gerlachshäuser Maibaum sei geklaut worden – ob das denn so stimme. Nun war entschlossenes Handeln gefragt.

„Einen Baum, den wir selber nicht einmal aus dem Wald schleppen mussten, hatten wir noch nie.“

Feuerwehrmann aus Gerlachshausen

Nach einem kurzen Kriegsrat entschloss man sich, nicht auf die Forderungen einzugehen. Hillenbrand rief beim Radio an und wurde von Moderator Matze Bielek auch direkt live auf den Sender genommen. So konnten die Sommeracher Jungs dann den gut gemeinten Gerlachshäuser Rat hören, sie sollten den geklauten Baum getrost behalten. Wenn Sie daraus Brennholz machen und verkaufen würden, könnte es ja für einen Kasten Bier langen. Den würde man ihnen gerne gönnen. Selbst wolle man sich aber lieber einen neuen Baum aus dem Wald holen.

Es ist nicht ganz klar, ob die Sommeracher Dorfjugend diesen Rat umgehend befolgte. Aber der amüsante Fortgang der Geschichte lässt darauf schließen. Denn als die Gerlachshäuser gegen 18.30 Uhr mit Traktor und Anhänger im Wald ankamen, um ihren Ersatzbaum zu holen staunten sie: Die dafür vorgesehene Birke stand nicht mehr. Vor Ort waren gerade 25 Mann aus Sommerach damit beschäftigt, den Stamm zu entasten, um ihn als Maibaum heimzufahren.

Da allerdings hatten sie schlechte Karten – denn der Baum stand eindeutig auf Gerlachshäuser Gemarkung. Ob dieses Holzfrevels ertappt, gaben die Sommeracher die Birke nach kurzem Wortgefecht schließlich widerwillig heraus. Zur Strafe mussten sie den prächtigen 22-Meter-Baum bis zum bereitstehenden Gerlachshäuser Wagen tragen und aufladen.

„Einen Baum, den wir selber nicht einmal aus dem Wald schleppen mussten, hatten wir noch nie“, amüsierte sich ein Feuerwehrkamerad über den doppelten Sommeracher Misserfolg. Mit rund einer Stunde Verspätung stand der Gerlachshäuser Baum so schließlich doch noch am Festplatz neben dem Feuerwehrhaus.

Für Kommandantin Hillenbrand hatte die ganze Geschichte noch eine andere Seite: „Es hatte sich bei den über 40-Jährigen in den letzten Jahren schon ein wenig Müdigkeit eingeschlichen beim Maibaumholen.“ Diese sei jetzt allerdings wie weggeblasen, und im nächsten Jahr seien sicher alle mit vollem Eifer dabei.

„Ein wunderschöner Streich zum Schmunzeln. Vor allem ist dabei keinerlei Sachschaden entstanden“, freute sich Hillenbrand. Und das sei heutzutage ja wahrlich keine Selbstverständlichkeit mehr.

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