ESCHERNDORF

Mangelwaren Weinprinzessin: Nach Sarah Fröhlich wird's traurig

Aufs Kissen bitte: Noch lächelt Sarah Fröhlich als Weinprinzessin – doch anstatt die Krone ihrer Nachfolgerin aufzusetzen, kommt der edle Haarschmuck in Verwahrung. Ihr assistieren der Obervolkacher Landesknecht (Willi Bedenk) und der Volkacher Ratsherr (Werner Burger). Foto: Norbert Hohler

Es wurde viel gelacht und gescherzt zum Abschied von Sarah Fröhlich als Escherndorfer Weinprinzessin. Und doch lag ein Schatten über dem kurzweiligen Abend, weil der Weinort keine Nachfolgerin für die 22-Jährige, die Ernährungs- und Versorgungs-Management studiert, gefunden hat.

„Bei uns schlägt der demografische Faktor voll durch“, erläuterte Irmi Endres das Dilemma des 350 Einwohner zählenden Dorfes. Laut der Vorsitzenden des Wein- und Tourismusvereins habe es nur eine Handvoll junger Frauen gegeben, die für das Amt in Frage gekommen wären. „Sie haben sich leider anders entschieden, für Beruf oder Studium, und das muss man akzeptieren.“

Vier Fränkische Weinköniginnen hat Escherndorf hervorgebracht, neben der kürzlich verstorbenen Christine Boll (1968/69) auch Monika Lindner (1977/78), Sandra Sauer (1999/2000) und Eva Steindorf (2005/06). Hinzu kommen zahlreiche tolle Weinprinzessinnen, die für den Escherndorfer Lump und die sonstigen Vorzüge des Ortes mit Charme und Krone geworben haben. Ob Sarah Fröhlich nun die 15. Prinzessin war, wie Thomas Römmelt sagte, als er sich im Namen der Vereine bei der 22-Jährigen bedankte, oder mit den zwei Prinzessinnen aus den 1960er Jahren die 17. – Sarah wird jenseits der Statistik als charmante, allseits geschätzte Vertreterin ihres Ortes in Erinnerung bleiben.

„Ein Wein ohne Weinprinzessin ist wie ein Tanz ohne Musik“, bedankte sich zum Beispiel der stellvertretende Landrat Paul Streng. Er verriet, dass er Gurken seit seiner Kindheit verschmäht, weil er sie in Sommerach pflücken musste und immer den leicht fauligen Geruch aus dem Lager in der Nase hat. „Aber in der Form wie heute gerne wieder“, lobte er die kalte Gurkensuppe im voll besetzten Saal des Gasthaus zur Krone.

Sarahs Namen zerlegte Streng in Attribute: S wie schick (Silvaner, Spätburgunder, Scheurebe), a wie agil, r wie rege (redegewandt, realistisch), a attraktiv und h wie herrlich oder hochintelligent. „Und nebenbei: ein weiteres s geht an deine Eltern für sozialen Aufstieg, den sie durch dich gemacht haben.“

Volkachs Bürgermeister Peter Kornell, dessen Tochter mit Sarah befreundet ist, führte ein interessantes Beispiel für Sarahs Ehrgeiz an. „Eine große Leidenschaft von ihr ist Klarinette spielen. Und da kann sie ekelhaft werden, wenn etwas nicht klappt. Natürlich im positiven Sinn: sie gibt sich nicht mit Durchschnitt, mit dem Gewöhnlichen zufrieden.“

Immer wieder eine Frage

Die so Gelobte verriet, das sie in den vergangenen 38 Monaten immer wieder vor der gleichen Frage stand: „Was ziehe ich an?“ Und weiter: welche Tasche, welcher Schmuck, welche Schuhe, was passt dazu? „Es war oft stressig daheim. Mama und meinem Freund Marco danke ich für die guten Nerven, die Geduld.“

Das Volkacher Weinfest sei der Höhepunkt im Weinjahr gewesen, dazu die Treffen mit den „Mädels“. Gemeint waren die Weinprinzessinnen, wobei Sarah zwei Beispiele herausgriff: „Wir hatten so etwas wie einen Partybus“ schwärmte sie von Beas VW-Bus. Und dazu von der Freundschaft zwischen den Kandidatinnen, die im März zur Wahl der Fränkischen Weinkönigin angetreten waren. „Kristin ist krank, Laura-Sofie muss arbeiten, sonst wären heute alle da.“ Das nächste Treffen ist ein Besonderes – der Polterabend von Barbara Wohlfart im August.

Ach ja, Werner und Willi, Ratsherr und Landsknecht, bekamen ein Sonderlob ab. „Sie waren als Bodyguards echt spitze. Und auf sie war immer Verlass, wenn unsere Gläser leer getrunken werden mussten.“

Sarah, die zum feinen Essen auch die Weine angesagt hatte, übergab vor dem Hauptgang an Papa Michael. „Der wartet schon den ganzen Abend drauf, dass er etwas sagen darf“, stichelte sie. Der Herr Papa merkte zum Königinnen-Wein, einem Riesling, großes Gewächs, an, dass es davon genug im Keller gibt: „Der reicht, egal wen Sarah mal heiratet – selbst bei den ersten fünf Kindern.“ Klingt, als ließe sich das Weinprinzessinnen-Problem ja vielleicht auch so lösen.

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