Kitzingen

Mehr Vielfalt wagen: Appell gegen die Sagrotanlandschaft

Blühstreifen in der Feldflur: Sie bieten Wildtieren Nahrung und Schutz, zudem locken sie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Foto: Gerhard Klingler (Archiv)

Alle reden vom Artenschutz – der Kitzinger Kreistag selbstverständlich auch. Nicht zuletzt durch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" sind Artenschutz und Artenvielfalt verstärkt ins öffentliche Interesse gerückt. In einem Antrag hatte die SPD-Fraktion wissen wollen, wie der Kreis sein Augenmerk verstärkt auf das Artenschutz-Thema lenken könnte und welche weitergehenden Maßnahmen womöglich geplant sind.

Zuvor gab es für die Kreisräte etwas Motivation in Form eines Vortrags unter dem Titel "Landwirtschaft und Artenschutz – geht das?". Werner Kuhn aus Güntersleben, Landwirt, Jäger und Naturschützer, hat jahrelange Erfahrung mit der Anlage und Pflege von Blühflächen. In seinem Referat bei der Kreistagssitzung am Montagnachmittag sprach er auch unangenehme Wahrheiten aus: Dass beispielsweise viele von Artenvielfalt reden, gleichzeitig aber alles bis zum letzten Grashalm sauber gemäht sein muss.

Die Nutzung der Landschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. "Wachsen oder weichen" laute die Devise. Kuhn plädierte für ein ganzheitliches Verständnis für Natur und Landschaft. Dabei würde der aktuelle "Blühflächen-Tsunami" ebenso wenig helfen wie eine Feldflur, die einer "Sagrotanlandschaft" gleiche. Begriffe wie "Feldrandhygiene" sprächen für sich. Einerseits will man Lebensraum für Tiere. Andererseits sei auch das wahr: "Werden Gräben nicht gemäht, kommen garantiert Anrufe von Bürgern, die sich über die Unordnung beschweren."

Mulchen als Problem

Der Referent plädierte auch für eine Wende in der Agrarpolitik. Er nahm seine Berufskollegen in Schutz und prangerte eine teilweise verfehlte Förderpolitik und dem Artenschutz abträgliche Maßnahmen, wie das Mulchen von Brachflächen zu festen Terminen, an. Ein Beispiel: Wollen Landwirte die Fördergelder für die Anlage von zum Beispiel Winterbegrünung erhalten, müssten sie die Flächen bis Ende Februar abgemulcht haben. Ein aus Sicht von Jägern und Naturschützern sinnloser Termin, da mit dieser Maßnahme die letzten Zufluchtsorte und natürlichen Nahrungsquellen für Wild und Feldvögeln in der Landschaft auch noch beseitigt werden. Es brauche ganzheitliche Konzepte. Das Wissen sei vorhanden, es werde aber nicht umgesetzt.

Genau um diese Umsetzung bemüht sich auch der Landkreis. Die Verwaltung trug deshalb in einer Art konstatierten Aktion zusammen, wo man bereits auf dem richtigen Weg sei und was noch getan werden könne. Die Kreisgärtner beispielsweise könnten durchaus noch mehr darauf achten, Flächen später oder nur teilweise zu mähen.

Schafe als Deponie-Pfleger

Selbst bei der Pflege der Deponien könne noch viel für den Artenschutz getan werden. Auf der ehemaligen Reststoffdeponie in Neuses am Sand beispielsweise werden die Flächen durch Schafe abgeweidet. Und auf den Ausgleichsflächen des Landkreises ist vorgesehen, künftig ein Drittel der Gräser und Kräuter im jährlichen Wechsel im Winter stehen zu lassen.

Egal, ob Trenn-, Seiten,- Rand- und Sicherheitsstreifen oder auch Böschungen: Wenn hier generell mehr Vielfalt gewagt würde, könne – so hatte es Werner Kuhn zuvor als eine Art Traum formuliert – der größte Naturschutzpark in Bayern entstehen.

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