KITZINGEN

Mit Diebstählen Drogen und Lebensunterhalt finanziert

20 Fälle des Diebstahls, 14 davon mit Sachbeschädigung, und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz: Das Würzburger Landgericht hat einen vorbestraften 44-Jährigen aus Kitzingen zu insgesamt fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und seine Unterbringung zur Drogentherapie in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Vor dem 44-Jährigen, der Amphetamin konsumierte, obwohl er nicht einmal seine Stromrechnung bezahlen konnte, war in Kitzingen eine Zeit lang kein Drahtesel sicher – die meisten Fälle waren gestohlene Fahrräder, die er weiterverkaufte oder selbst verwendete. Bei Einbrüchen in das Getränkelager einer Shisha-Bar und ins Kitzinger Jugendcafé ließ er Getränke, Werkzeug und Elektrogeräte mitgehen, um sie zur Bestreitung von Lebensunterhalt und Drogenkonsum zu verkaufen.

Ende August 2012 erhielt er von einer Mitbewohnerin einen heißen Tipp: Ein Vertreter hatte in der Kitzinger Spielothek, in der sie arbeitete, 3600 Euro gewonnen und das Geld in seinem Auto deponiert. Der 44-Jährige schlug nachts eine Scheibe des Fahrzeugs ein, schnappte sich das Geld und sorgte mit der Zahlung einer Rechnung von 1200 Euro erst einmal dafür, dass in seiner Wohnung wieder Strom aus der Steckdose kam. „Er hat in allen Fällen gewerbsmäßig gehandelt“, stellte die Vorsitzende Richterin Helga Müller fest.

Trotz des ständigen Amphetamin-Konsums war die Schuldfähigkeit des Angeklagten nicht erheblich eingeschränkt, es gab also keine Strafmilderung. „Er hatte keine schweren Entzugserscheinungen“, sagte die Sachverständige. Die 20 Diebstähle erstreckten sich über so einen langen Zeitraum, dass der 44-Jährige in der Zwischenzeit mehrere Verurteilungen sammelte und eine Geldstrafe im Gefängnis abgesessen hat. Die 50 Tagessätze sollte er bezahlen, weil er bei einem versuchten Fahrraddiebstahl erwischt worden war und dem Besitzer des Drahtesels einen Faustschlag verpasst hatte.

In das aktuelle Urteil einbezogen wurde eine zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung des Amtsgerichts Kitzingen vom Januar wegen eines Wohnungseinbruchs in Kitzingen mit einer Beute von 4000 Euro. Von den knapp sechs Jahren Haft muss der 44-Jährige aber nur ein Vierteljahr im Gefängnis absitzen. Dann kommt er – auf eigenen Wunsch – zur Drogentherapie ins Bezirkskrankenhaus Lohr. Steht er die zweijährige Therapie durch, wird der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Eine 24-jährige Bekannte war an fünf der Diebstähle beteiligt und wurde zu 14 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Die junge Frau hatte nach ihrer Verhaftung bei der Polizei „eine wahre Lebensbeichte abgelegt und reinen Tisch gemacht“, so die Vorsitzende. Bei dem 44-Jährigen dauerte es bis zum Prozess, ehe er ein Geständnis ablegte. Beide Angeklagte haben das Urteil noch im Sitzungssaal angenommen.

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