KITZINGEN

Mit dem Aal-Taxi vom Main zum Rhein

KINA - Das Leben der Aale steckt voller Geheimnisse
Der Laichplatz der Aale liegt in der Sargassosee, einem Meeresgebiet im Atlantischen Ozean. Foto: Patrick Pleul dpa/Lbn

Der europäische Aal zählt zu den bedrohten Tierarten – und das schon seit Längerem. Eines der Probleme: Wenn die geschlechtsreifen Aale zu ihrem Laichplatz, dem Sargassosee östlich von Florida, schwimmen, fallen sie oft den Turbinen der Wasserkraftwerke zum Opfer. Unter anderem denen der 34 Anlagen im Main.

Das will das Programm „Catch and Carry“ (Fangen und Tragen) verhindern. Der Fischereiverband Unterfranken, das Landwirtschaftsministerium und die Firma Eon haben es vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Auch die Fischer der Koppelfischereigenossenschaft und der Fischerzunft Kitzingen beteiligen sich daran.

130 Kilo Blankaal gefangen

Deshalb haben sie in diesem Herbst wieder 130 Kilogramm geschlechtsreife Tiere, genannt Blankaale, aus ihrem Abschnitt des Mains gefischt. 42 Kilometer Strecke sind die Fischer mit Elektrofanggeräten abgefahren, berichtet Bernhard Ziegler, Obermeister der Fischer- und Schifferzunft Kitzingen. Ihre Fänge haben sie an der Sammelstelle Staustufe Harrbach bei Gemünden abgeliefert. Hier werden die Blankaale auf Lkw geladen und zur Mainmündung gebracht. Von dort haben sie über den Rhein freien Zugang zur Nordsee und anschließend zum Atlantik.

Viele Fischer fahren erst Mitte November

Laut Thomas Hartmann, Interimspräsident des Fischereiverbandes Unterfranken, wurde in diesem Jahr bereits eine Tonne Blankaal aus dem Untermain zum Rhein transportiert. Weitere fünf bis sechs seien noch vorgesehen. Denn viele Fischer machten sich in anderen Teilstücken des Mains und in den Nebenflüssen erst Mitte November auf den Weg, wenn die Wasserstände höher sind.

Im November beginnt übrigens auch die Schonzeit des Aals. „Fischer, die sich am Catch-and-Carry-Programm beteiligen, bekommen aber eine Ausnahmegenehmigung“, erklärt Hartmann. Für die Tiere bedeutet das also: Sobald sie im Rhein sind, müssen sie weder Turbinen noch Netze fürchten.

EU fördert Aalschutz

Dass die Kitzinger schon jetzt unterwegs waren, hat zwei Gründe. „Zum einen wird es später zu kalt“, sagt Bernhard Ziegler. „Zum anderen hat die Erfahrung gezeigt, dass wir weniger fangen, wenn wir erst im November fischen.“ Die Wanderzeit Richtung Atlantik beginne ohnehin bereits im Oktober, kann sich bei mildem Wetter bis in den Dezember ziehen. Auch die EU fordert und fördert den Schutz der Aale: Flüsse sollen so weit durchgängig gemacht werden, dass 40 Prozent der Tiere unbeschädigt ins Meer kommen.

„Diese Vorgabe erreichen wir mit den sechs Tonnen, die wir zum Rhein transportieren“, sagt Thomas Hartmann.

Pflegefischung wird parallel betrieben

Da insbesondere die Kraftwerksturbinen Wanderbarrieren darstellen, besteht Hartmann zufolge ein Vertrag zwischen dem Konzern Eon und dem Fischereiverband Unterfranken. Darin sei eine Pauschale festgelegt, die das Unternehmen den Fischern pro Kilo Blankaal, das sie abliefern, zahlt. Ab einer Gesamtmenge von fünf Tonnen sei eine Obergrenze erreicht – für alles, was darüber hinaus gehe, sinke der Kilopreis. Ferner bezuschusst die EU den Besatz der Flüsse mit Jungtieren.

Neben den Aalen haben die Kitzinger Fischer auch Welse aus dem Wasser genommen; das diene der Pflegefischung, so Bernhard Ziegler. Denn sie haben sich in den vergangenen Jahren enorm vermehrt – und bilden damit das genaue Gegenteil zum gefährdeten Aal.

An der Staustufe Harrbach bei Gemünden werden die gefangenen Aale gesammelt und anschließend abtransportiert. Foto: H. Hausmann
Auch im Main bei Sulzfeld wurden Aale gefangen. Sie werden im Rhein ausgesetzt, damit sie zu ihren Laichplätzen in der S... Foto: Jürgen Hermann

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