Mönchsondheim

Mönchsondheim: Bedroht eine EU-Verordnung die Existenz von Biobauern?

Die Heubachs Bio-Landwirte aus Überzeugung. Doch sie sehen ihre Existenz bedroht. Warum, erklären sie Landrätin Tamara Bischof bei einem Rundgang über ihren Hof.
Landwirte aus Leidenschaft: Ruth und Gerhard Heubach führen seit 30 Jahren ihren Biobetrieb in Mönchsondheim. Foto: Lukas Kutschera

Eigentlich brennt das Ehepaar Heubach für Biolandwirtschaft. Das sieht und spürt man auf ihrem Hof in Mönchsondheim. Vor fast 30 Jahren war Gerhard Heubach ein Pionier im Landkreis. Als einer der ersten entschied er sich damals, den elterlichen Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Heute sehen Ruth und Gerhard Heubach ihre Existenz in der Bio-Milchviehhaltung bedroht. Die Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) ist zu Besuch auf ihrem Hof, im Rahmen ihrer Firmenbesuche. Sie spricht mit dem Familienbetrieb über die Probleme, mit denen Biobauern im Landkreis Kitzingen zu kämpfen haben.

Bei den Heubachs ist der Stall der Milchkühe direkt neben ihrem Wohnhaus. Gut zwei Dutzend Rinder und ein Paar kleine Kälber sind dort gerade untergebracht, nebenan vier Schweine. Auf den Leitern und im Heu spielen Kätzchen. Wenige Meter hinter dem Hof haben die Jungtiere ihren Stall. "Jedes Rind hat bei uns zehneinhalb Quadratmeter Platz", erklärt Gerhard Heubach der Landrätin – also genau so viel, wie es die EU-Öko-Verordnung vorschreibt. Nach deren Richtlinien stellte Heubach 1991 den Hof seines Vaters auf ökologischen Landbau um. Der neue Stall sei dabei die einzige größere Investition gewesen.

Metzgerei-Sterben macht Probleme in der Landwirtschaft

"Sonst waren es eher Dinge, die wir weglassen mussten", erzählt der Landwirt weiter von der Umstellung. Denn die EU-Öko-Verordnung legt auch fest, was die Tiere in Mönchsondheim zu fressen bekommen, damit ihre Milch als bio verkauft werden kann. "Wir verfüttern nur unser eigenes Bio-Futter", sagt Heubach. "Also kann ich nur so viele Tiere halten, wie wir selbst ernähren können." In Notfällen gäbe es dennoch die Möglichkeit, Futter hinzuzukaufen.

Je zehneinhalb Quadratmeter Stall und Auslauf haben die Rinder auf dem Hof der Heubachs. Foto: Lukas Kutschera

Gedüngt werde nur mit eigener Gülle und Mist. "Der Betrieb muss als Organismus funktionieren", sagt der Landwirt. Biolandbau – das sei eine Kreislaufwirtschaft. In ihrem kleinen Hofladen verkaufen sie Milch Käse und Gemüse sowie Fleisch und Wurst aus eigenen Erzeugnissen. Was übrig bleibt, bekommen die Schweine. Doch dabei gibt es ein Problem, wie Heubach der Landrätin Bischof erklärt: "Für unsere Direktvermarktung ist es schwierig, jemanden zu finden, der für uns schlachtet." Auch auf dem Land schreite das Fleischerei-Sterben rasant voran.

Neue EU-Verordnung bereitet den Bio-Landwirten Sorgen

Weit größere Sorgen bereitet dem Familienbetrieb jedoch ein ganz anderes Thema. Die EU-Öko-Verordnung, nach der sie damals ihren Betrieb umstellten, soll bis 2021 geändert werden. Im Raum stünden Forderungen, die den Tieren den ganzen Tag Freilauf ermöglichten. Für die Heubachs würde das kostspielige Umbauarbeiten bedeuten, die sie nicht stemmen könnten. "Ich hab keine Millionen, und will sie auch nicht investieren", sagt der Landwirt.

Auch Landrätin Tamara Bischof sieht die Forderungen kritisch. Gerade in einem eng bebauten Landkreis wie Kitzingen seien sie unmöglich umzusetzen. Sie fragt das Ehepaar: "Was macht ihr dann, wenn die neue Verordnung so kommt?" Ruth Heubach antwortet nur knapp: "Dann müssen wir unsere Tiere weggeben." 

"Im Prinzip ist es der schönste Beruf der Welt."

Schade für eine Familie, die scheinbar mit Leidenschaft ihrer Arbeit nachgeht. Jeden Tag stecken die beiden viel Arbeit und Herzblut in ihre Landwirtschaft. Ein Arbeitstag gehe für sie mindestens zehn Stunden. Längeren Urlaub – den hätten sie schon lange nicht mehr gehabt. "Zweimal im Jahr machen wir ein verlängertes Wochenende", sagt Ruth Heubach. Und das sei auch nur möglich, weil dann die Kinder den Hof übernehmen würden. "Im Prinzip ist es aber der schönste Beruf der Welt", sagt die Landwirtin. Tauschen wolle sie nicht. "Es ist einfach unglaublich, wenn man in einen Stall reinkommt und es blickt einem ein frisch geborenes Kalb entgegen."

Aufklärungsarbeit: Wie der Landkreis helfen kann

Der Landrätin geben sie daher einige Dinge mit auf den Weg. Zum einen hoffen sie für sich und alle Bauern im Landkreis, dass sie bei der Vergabe von Aufträgen durch das Landratsamt besser berücksichtigt werden. Zum anderen fordern sie, dass der Landkreis Aufklärungsarbeit wie Klassenfahrten auf Bauernhöfe finanziell unterstützt. Nur wer wisse, woher landwirtschaftliche Produkte kommen und wie sie produziert werden, könne die regionale Landwirtschaft wirklich verstehen und wertschätzen. Die Landrätin kündigt an, dass sie entsprechende Fördergelder prüfen werde.

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