KITZINGEN

Muslime suchen Kontakt: Aller Anfang ist schwer

„Liebe für alle – Hass für keinen.“ Ahmad Malik und Shergil Ahmad Khan wollen das Motto ihrer Glaubensgemeinschaft mit Leben erfüllen und den Kontakt zur deutschen Bevölkerung suchen.
„Liebe für alle – Hass für keinen.“ Ahmad Malik und Shergil Ahmad Khan wollen das Motto ihrer Glaubensgemeinschaft mit Leben erfüllen und den Kontakt zur deutschen Bevölkerung suchen. Foto: Ralf Dieter

Gekommen war – niemand. Aufgeben wollen sie trotzdem nicht. Den Mitgliedern der religiösen Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat ist es ein Anliegen, in Kontakt mit möglichst vielen Deutschen zu kommen.

Shergil Ahmad Khan ist 26 Jahre jung. Erlebt hat er schon einiges. Im Alter von zwölf Jahren ist er mit seinen Eltern von Pakistan nach Frankfurt am Main gekommen. Dort ist er zur Schule gegangen, dort hat er deutsch gelernt und Freunde gefunden. Khan hat sich nach der Schulzeit zum Imam ausbilden lassen. Für seine Religionsgemeinschaft, die Ahmadiyya Muslim Jamaat, ist er seit dem letzten Jahr beschäftigt. Sein Einsatzgebiet reicht von Miltenberg am Main bis nach Nürnberg. Mittendrin: die Gemeinde in Kitzingen.

Etwas mehr als 500 Mitglieder hat Khan zu betreuen, die meisten in Nürnberg und Würzburg. In Kitzingen sind es rund 50 Gläubige. Sie versammeln sich mit ihrem lokalen Präsidenten, Ahmad Malik, zu den fünf Gebeten pro Tag und zum Freitagsgebet in der Oberen Bachgasse, wo sie auch ihre öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen planen. Ihr Ziel lautet: Vorurteile abbauen, ein anderes Gesicht des Islam zeigen, als es in manchen deutschen Köpfen vorherrscht.

„Wir wollen den Leuten die gute Seite des Islam zeigen.“
Shergil Ahmad Khan, Imam

Shergil Ahmad Khan weiß um die Vorurteile, die in breiten Teilen der Bevölkerung herrschen. „Mit dem Islam verbinden viele Leute nur das Allerschlimmste“, sagt er. Dschihad und Terror beispielsweise. Dass es einen ganz anderen, einen friedlichen Islam gibt, sei manchen Menschen gar nicht bewusst. „Wir wollen den Leuten die gute Seite des Islam zeigen“, erklärt Khan. Die Grundvoraussetzungen dafür sind ihm bewusst: „Integration gelingt nur, wenn man die fremde Sprache beherrscht“, weiß der Imam aus eigener Erfahrung. „Wenn man sich mit der anderen Kultur auseinandersetzt.“ Seine Gemeindemitglieder müssten deshalb aus ihrer eigenen Komfortzone heraus, den Kontakt zu den deutschen Nachbarn suchen. Dass es dabei immer wieder zu Missverständnissen kommen kann, hat er selbst erlebt. Einer Frau nicht die Hand zu geben, sei in Pakistan ein Akt des Respekts. In Deutschland ist er mit diesem Verhalten negativ aufgefallen – hier wird es als respektloses Verhalten interpretiert. „Über solche Dinge müssen wir reden“, betont Khan. Nur: zum Reden gehören immer zwei Seiten.

Rund 500 Flyer hatten die Gemeindemitglieder ausgeteilt, ihre Einladung in der Stadtbibliothek und im Rathaus ausgelegt. Am Dienstagnachmittag wollten sie bei Häppchen und Getränken im Stadtteilzentrum in der Kitzinger Siedlung das Gespräch mit Einheimischen suchen. „Islam und Europa – ein Kampf der Kulturen?“ war die kostenlose Veranstaltung überschrieben. Nach einem kurzen Vortrag sollte der Nachmittag vor allem aus einem Dialog, einem gemeinsamen Austausch bestehen. „Aller Anfang ist schwer“, kommentierte Khan das Desinteresse der Kitzinger. Der frühe Dienstagnachmittag sei womöglich auch der falsche Zeitpunkt für einen Austausch gewesen. Aufgeben gilt für die Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat aber nicht. Sie wollen weiterhin das Gespräch suchen, um die Deutschen von ihrem Willen zur Integration und ihrer friedlichen Gesinnung zu überzeugen. Ein Tag der offenen Tür in der Oberen Bachgasse ist geplant, in der Würzburger Moschee am Heuchelhof ist so eine Veranstaltung seit vielen Jahren Usus. Die Frauen-Organisation innerhalb der muslimischen Gemeinschaft lädt alle Frauen am 14. März zu einem Austausch über das Thema „Die essenzielle Rolle der Frauen für die Zukunft unserer Gesellschaft“ in die Würzburger Moschee ein. Die Jugendorganisation ist in Kitzingen seit vielen Jahren am Neujahrstag im Einsatz. Dann räumen sie in den frühen Morgenstunden die Straßen und Gehsteige von den Überresten des Silvesterfeuerwerkes frei. „Das ist unsere Art, das neue Jahr zu feiern“, sagt Khan mit einem Lächeln.

Geschichte und Motto

Die Ahmadiyya ist Ende des 19. Jahrhunderts in Indien gegründet worden. Nach dem Tod des Gründers spaltete sie sich in zwei Gruppen auf, die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist die weitaus größere. Die Gemeinde sieht sich dem Islam zugehörig. Vonseiten der meisten anderen Muslime wird ihre Lehre abgelehnt. In vielen islamischen Ländern werden die religiösen Gemeinden bekämpft, ihre Mitglieder verfolgt. Weltweit haben die Ahmadiyya Muslim Jamaat nach neuesten Schätzungen mehr als zehn Millionen Anhänger, die meisten in Südostasien. In Deutschland hat sie nach eigenen Angaben rund 50.000 Mitglieder und mehr als 50 Moscheen. Das Motto lautet: „Liebe für alle – Hass für keinen.“

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