KITZINGEN/WESTHEIM

Nachspiel für die Feldbefreier

Sie narrten ein großes Polizeiaufgebot, brachen vor gut einem Jahr aus einem Wäldchen bei Westheim und fielen dann über Genmais-Pflanzen her, bis sie kurz darauf festgenommen wurden: 56 so genannte Feldbefreier, die bald in Kitzingen vor Gericht stehen. Vermutlich spektakulärer Auftakt einer Prozess-Serie wegen Sachbeschädigung ist der kommende Montag (20. Juli).
Das Bild von der Festnahme eines Feldbefreiers durch die Polizei sieht schlimmer aus, als die Aktion war. Die Aktion vor gut einem Jahr auf einem Genmais-Acker bei Westheim verlief friedlich. Allerdings hat sie ein Nachspiel: Eine Prozess-Serie wegen Sachbeschädigung, die am Montag im Kitzinger Amtsgericht beginnt.
Das Bild von der Festnahme eines Feldbefreiers durch die Polizei sieht schlimmer aus, als die Aktion war. Die Aktion vor gut einem Jahr auf einem Genmais-Acker bei Westheim verlief friedlich. Allerdings hat sie ein Nachspiel: Eine Prozess-Serie wegen Sachbeschädigung, die am Montag im Kitzinger Amtsgericht beginnt. Foto: Archivfoto Haass

Das Strafverfahren gegen zwei Aktivisten der Organisation Gendreck-weg im Sitzungssaal 102 verspricht ein volles Haus. In einer Pressemitteilung laden die Öko-Aktivisten alle Interessierten „herzlich“ zum Prozess ein. Für die Presse ist vorher noch ein Foto-Termin geplant: Mit den beiden Feldbefreiern und Gendreckweg-Transparenten im Vordergrund und dem Amtsgericht als Kulisse.



Ernst wird's um 13.30 Uhr, wenn das Strafverfahren beginnt. Es geht für das Gericht um das Delikt der Sachbeschädigung – begangen auf einem Maisfeld – und für die beiden Angeklagten laut Pressetext um die Chance, im Prozess „ihre Motivation zu der außergewöhnlichen Tat einer größeren Öffentlichkeit zu erläutern.“

Außergewöhnliche Tat

Die außergewöhnliche Tat geschah am 29. Juni 2008: An diesem Sonntagmorgen stürmen um 6.30 Uhr rund 70 Aktivisten aus einem Wäldchen bei Westheim, spurten zu einem rund 300 Meter entfernten Feld und beginnen mit ihrer „Befreiungsaktion“. Sie reißen Genmais-Pflanzen aus und zertreten sie. Bis die überraschte Polizei, die im Bereich Westheim wegen der angekündigten Aktion Wache schiebt, reagieren kann, ist rund ein Drittel der Pflanzen platt.

Dann allerdings sorgt die Polizei für Frieden in der Flur: 56 Feldbefreier werden festgenommen, einige lassen sich vom Acker tragen. Die Stimmung ist friedlich, Demonstranten und Polizei diskutieren. Dann werden die Feldbefreier abtransportiert und nach so genannter erkennungsdienstlicher Behandlung wieder in die Freiheit entlassen.

Das Nachspiel sind Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, die am Montag wohl für ungewohnte Verhältnisse im ansonsten eher beschaulichen Kitzinger Amtsgericht führen werden. Wegen des vermutlich großen Interesses – speziell bei Gentechnikgegnern – sind Einlasskontrollen geplant, teilte Amtsgerichts-Direktor Paul Spengler mit. Einlass sei erst ab 13 Uhr. Auch die Polizei wird den Prozess unauffällig „beobachten“, wie Inspektionsleiter Heinrich Halbleib erklärte: „Wir erwarten keine Störungen.“

Recht entspannt im Gendreck-weg-Pressetext geben sich auch die beiden Angeklagten. Sie sehen ihre Taten als Aktionen des zivilen Ungehorsams und möchten eigentlich lieber Gentechnikfirmen wie Monsanto (Genmais Mon 810) auf der Anklagebank sehen.

Aktion auf dem Marktplatz

Passend zum Prozess und ihrem Kampf um eine gentechnikfreie Landwirtschaft planen die Ökoaktivisten am Montagmorgen eine Aktion auf dem Kitzinger Marktplatz. Sie wollen dort Popcorn abgeben – allerdings nur in Verbindung mit einem „Knebelvertrag“, der ihre „Kunden“ zwingt, künftig nur noch bei ihnen Popcorn einzukaufen. Ähnlich wirke sich für Landwirte die Zusammenarbeit mit dem Gentechnikkonzern Monsanto aus, schreibt die Organisation Gendreckweg in ihrer Pressemitteilung.

Online-Tipp

Viele Berichte zum Thema: http://kitzingen.mainpost.de

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