KITZINGEN/IPHOFEN

Neue Pläne der GWF: „Wir müssen die Landschaft erneut umbauen“

Dr. Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau.

Er hat große Ziele. Nach wie vor. Dr. Hermann Kolesch war die treibende Kraft hinter dem Konzept „Gästeführer Weinerlebnis Franken“ und den so genannten „Magischen Orten“. Jetzt plant er ein neues Projekt – das die fränkische Weinlandschaft erneut verändern und auf Jahrzehnte prägen könnte.

„Nach dem großen Erfolg der „Magischen Orte des Frankenweins – terroir f“ sollen jetzt neue Impulse gesetzt werden.“ So steht es in der Einladung zum Fränkischen Weintourismus-Symposium am kommenden Montag in Iphofen. An welche Impulse denken Sie?

Dr. Hermann Kolesch: Die wollen wir am Nachmittag, beim Fachsymposium, vorstellen. All zu viel will ich vorher nicht verraten. Nur so viel: Es wird um das Thema Spiritualität in der Kulturlandschaft gehen, beispielsweise um die Frage, wie wir die Kapellen, die Kreuze und die Bildstöcke aktiver in das Landschaftsbild einbauen können.

Warum sollte man am bestehenden Landschaftsbild etwas verändern?

Dr. Kolesch: Weil wir auch weiterhin die Benchmark im Weintourismus bleiben wollen. Deutschlandweit und möglichst auch in Europa. Ich sehe es als Herausforderung, unsere Weinlandschaft weiter zu entwickeln, ja geradezu als Verpflichtung.

In den letzten Jahren sind in Weinfranken 15 so genannte „Magische Orte“ entstanden. Ist das Projekt damit abgeschlossen?

Dr. Kolesch: Noch nicht ganz. In Thüngersheim, Hammelburg und Rödelsee entstehen drei weitere Orte. In Ipsheim ist einer in Planung. Damit wollen wir das Projekt allerdings abschließen.

Die einzelnen Umsetzungen waren nicht unumstritten, allen voran der Literaturbalkon am Würzburger Stein. Warum sprechen Sie von einem Erfolgsprojekt?

Dr. Kolesch: Weil die Resonanz der Gäste überall sehr groß ist. Diese Rückmeldung haben wir von den örtlichen Tourist-Informationen bekommen. Mehr noch: Die „Magischen Orte“ werden für Feiern und Hochzeiten gebucht. Die Wanderkarte zu den „Magischen Orten“ wird gezielt und häufig nachgefragt. Wir haben erst kürzlich wieder 20.000 Stück neu aufgelegt.

Klingt, als wären Sie selbst ein wenig überrascht?

Dr. Kolesch: Das bin ich auch. Die größte Nachfrage herrscht übrigens dort, wo die Architektur am mutigsten umgesetzt wurde. Stetten und Ramsthal boomen geradezu.

Obwohl die Objekte nicht gerade billig waren.

Dr. Kolesch: Die ersten Maßnahmen, beispielsweise auf der Vogelsburg oder in Iphofen, waren relativ günstig. Unter 100.000 Euro. Zum Schluss waren Kosten in Höhe von 250.000 Euro keine Seltenheit.

Wird Ihr neues Projekt ähnlich hohe Wellen schlagen?

Dr. Kolesch. Das kann ich noch nicht sagen. Aber schön wäre es natürlich.

Sind denn auch bauliche Maßnahmen vorgesehen?

Dr. Kolesch: Das will ich nicht ausschließen. Ich gehe davon aus, dass unser neues Konzept ebenfalls den Blick auf die Fränkische Weinlandschaft und ihre Wahrnehmung verändern wird.

Nur dass dieses Mal die Spiritualität im Fokus stehen soll.

Dr. Kolesch: So ist es. Das ist ein völlig neuer Ansatz, von dem ich mir auch Impulse für die Ökosystemdienstleistung in den fränkischen Weinbergen erwarte.

Das heißt?

Dr. Kolesch: Wir wollen die Schöpfung bewahren, die Biodiversität in den Weinbergen stärken. Letztendlich schafft das auch einen Mehrwert für die Menschen, einen höheren Erholungsfaktor.

War die Flurbereinigung in den 70er Jahren der größte Fehler, der gemacht werden konnte?

Dr. Kolesch: Nein. Ohne diese Maßnahme würde es den Weinbau in Franken vermutlich nicht mehr geben. Zumindest nicht in dieser Größenordnung. Natürlich sind Fehler gemacht worden. Die Artenvielfalt und Biodiversität waren damals kein Thema. Für den heutigen Tourismus waren die breiten Wege hingegen ein Segen. Auch heute noch sind dort Wanderer und Radfahrer unterwegs. Aber trotzdem gibt darf es keine Zweifel geben: Wir müssen die Landschaft erneut umbauen.

Werden die Winzer vor Ort, die Weinbauvereine und die Bürgermeister da mitziehen?

Dr. Kolesch: Das ist eine gute Frage. Durch die Einstellung eines Wildlebensraumberaters für den Weinbau wollen wir auf der Grundlage unseres Pilotprojektes im Thüngersheimer Scharlachberg, in dem wir seit nun mehr zehn Jahren eine ganze Weinberglage hin zu wieder mehr Artenvielfalt umbauen, gemeinsam mit den Winzern vor Ort, den Kommunen, aber auch dem Naturschutz diese Aufgabe mutig und zuversichtlich angehen. Es bleibt also spannend im Fränkischen Weinbau.

Symposium

Wann? Montag, 3. Februar.

Wo? Iphofen, Karl-Knauf-Halle.

Was? Ab 9.30 Uhr wird Staatsminister Joachim Herrmann (MdL) die neuen Partner des bundesweit einzigartigen Weintourismuskonzeptes „Franke – Wein.Schöner.Land!“ auszeichnen und den Weintourismuspreis 2020 überreichen (nur geladene Gäste).

Ab 13.30 Uhr ist auch die Öffentlichkeit eingeladen. Dann geht es im Fachsymposium um innovative Ansätze, das gewachsene Potenzial der fränkischen Kulturlandschaft zu nutzen und die Frage, wie neue, zukunftsweisende Wege in der Landschaftsarchitektur beschritten werden können.

Einer der beliebtesten „Magischen Orte“ in Weinfranken, oberhalb von Frickenhausen in der Lage Kapellenberg. Foto: LWG

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