Iphofen

Neues Wohnen im alten Gasthof

Was tun mit einem alten Wirtshaus im Ortskern? Im besten Fall sanieren und Wohnraum daraus machen. Ein Beispiel in Possenheim zeigt, wie das funktionieren könnte.
Für das seit Jahren leer stehende Gasthaus Goldene Krone im Iphöfer Stadtteil Possenheim gibt es konkrete Ideen einer Nachnutzung. Foto: Eike Lenz

Wer in der Ortsmitte von Possenheim steht und sich Richtung Norden orientiert, blickt auf ein Gebäude, das seltsam unvollständig wirkt: wie mit dem Fallbeil sauber abgeschnitten an der östlichen Flanke. Und tatsächlich wurde der im Jahr 1715 errichtete ehemalige Gasthof Goldene Krone in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Mitte durchtrennt. Was heute noch steht, genießt Denkmalschutz – und doch ist es ein Glücksfall, dass nicht auch dieser Teil vor zwei Jahrzehnten von der Abrissbirne getroffen wurde. Seitdem die Stadt Iphofen das Anwesen gekauft hat, kreisen die Gedanken darum, wie man den Komplex nutzen könnte. Nun gibt es dazu konkrete Ideen.

Der Haken an der Sache sind die hohen Kosten

Der Hamburger Architekt Michael Buck hat dem Bauausschuss am Montagabend Konzepte vorgestellt, die gleich zwei Probleme der Zeit lösen könnten: Erstens würde ein signifikanter Leerstand in dem 200-Seelen-Ort beseitigt und zweitens ließe sich mit einem Umbau dringend nötiger Wohnraum schaffen, zumal im hinteren Teil durch den Abbruch von Nebengebäuden auch noch vier Bauplätze entstünden. Kein Wunder also, dass der Ausschuss sich einstimmig dafür aussprach, das Projekt weiterzuverfolgen. Der Haken an der Sache: die Kosten und die Grundstücksverhältnisse. Die Stadt ist nur zum Teil Eigentümerin der rund 3000 Quadratmeter großen Fläche. Und: Je nach Variante würde eine Sanierung plus Neubau zweier Wohngebäude zwischen 3,9 und 4,3 Millionen Euro kosten.

Das ist viel Geld, selbst für Iphöfer Verhältnisse. Hinzu kommt, dass über der Stadt „düstere Wolken am Steuerhimmel“ aufgezogen sind, wie auch Bürgermeister Josef Mend mit Blick auf drohende Einbrüche bei den Gewerbesteuereinnahmen zugeben musste. Dennoch sprach sich auch Mend dafür aus, dem Vorhaben eine Chance zu geben. „Mindestens zwei Jahre Vorlauf“ brauche es, bis über alle Grundstücke verhandelt und konkrete Pläne geschmiedet seien. Immerhin wohne in einem der betreffenden Gebäude auch noch jemand. „Wir wollen keinen unter Druck setzen“, sagte Mend. Projekte dieser Größenordnung würden meistens in mehreren Bauabschnitten umgesetzt.

Wie in das Gebäude  neues Leben kommen soll

Als Gasthof mit großem, stuckverziertem Tanzsaal im Obergeschoss war die Goldene Krone einst wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Lebens in dem direkt an der Bundesstraße 8 gelegenen Dorf. Doch das ist lange her. Nun soll das in einen Dornröschenschlaf gefallene Areal zu neuem Leben erweckt werden, und wenn man so will, ist Architekt Michael Buck der Prinz, der es mit seinen Entwürfen wachküsst. Für das denkmalgeschützte Hauptgebäude, das mit erhöhtem Aufwand saniert werden müsste, stellt sich Buck auf zwei Etagen je zwei Wohnungen vor, in denen sich Wohnen und Arbeiten verbinden ließen oder mehrere Generationen unter einem Dach leben könnten. Die gesamte Wohnfläche liegt bei 345 Quadratmetern. Zumindest zwei Wohnungen könnten barrierefrei hergestellt werden.

Für die beiden Neubauten im Umfeld liegen zwei Lösungen auf dem Tisch: Bei der einen läge ein gemeinsam zu nutzender Innenhof zwischen den zwei Baukörpern, die mit zwölf Wohnungen auf eine Fläche von 660 Quadratmetern kämen und von der Poststraße, also von vorne her, erschlossen würden. Bei der anderen wären die beiden Häuser in Form eines L aneinander gebaut. Sie böten – auf acht Einheiten verteilt – etwa 440 Quadratmeter Wohnfläche und wären von hinten, vom Baugebiet Lindenbuck her, erreichbar. Diese zweite Lösung bevorzugten Bürgermeister und Bauausschuss. „Für Possenheim ist es die verträglichere Lösung“, sagte Mend. Ortssprecher Jürgen Adler meinte, Variante zwei würde der „historischen Ansicht gerechter“. Die Alternative mit zwölf Wohnungen wirke „zu gedrängt“.

Die Stadt müsste nicht alles selbst machen

Buck gab die Kosten für die Sanierung des Altbaus mit 2,5 Millionen Euro an, für den Neubaukomplex mit 1,7 und 1,25 Millionen Euro. Nicht enthalten sind in diesen Summen die Grunderwerbskosten und die Erschließung jener vier Bauplätze, die zum Lindenbuck hin entstehen könnten und zwischen 370 und 507 Quadratmeter groß wären. Mend stellte angesichts der Kosten fest, die Stadt müsse „nicht alles selbst machen“, sondern könnte sich an der Stelle auch einen Investor vorstellen. Zudem hoffe und warte er auf Förderprogramme der Staatsregierung, die ja zum Flächensparen aufrufe. „Wir können im Ortskern nie so wirtschaftlich Bauplätze ausweisen wie draußen auf der grünen Wiese.“ Mit der Billigung der Pläne gehe es jetzt erst einmal darum, einen „weiteren Anstoß“ für das Projekt zu geben.

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