KLEINLANGHEIM

Nostalgische Diebe mit Lust auf Kaugummi?

Wo gehört er hin? Dieser aufgebrochene Automat wurde auf einem Flurweg zwischen Klein- und Großlangheim gefunden. Die Polizei will nun herauszufinden, wo er ursprünglich hing. Foto: Polizeiinspektion kitzingen

Sinn für Nostalgie beweisen unbekannte Diebe derzeit in und um Kleinlangheim herum. Auf Kaugummiautomaten haben sie es seit zwei Wochen abgesehen (wir berichteten). Wer also dachte, dass es diese Automaten – die spätestens seit der Jahrtausendwende mehr und mehr aus den Ortsbildern verschwunden sind – nicht mehr gibt, der irrt.

An drei Kaugummiautomaten haben sich die Unbekannten im Bereich Kleinlangheim vergriffen. Das geht aus dem Polizeibericht hervor. Die „Serie“ begann vor zwei Wochen in der Nacht auf Dienstag, als in der Pfarrgasse in Kleinlangheim ein Kaugummiautomat von einer Hauswand gerissen wurde. Der aufgebrochene Süßigkeitenspender fand sich später in der Wiesenbronner Straße an einem Bach wieder. Ob ihn die Täter – laut Aussage eines Zeugen handelt es sich um zwei Personen – zu Fuß oder mit einem Fahrzeug tranportierten, ist unklar, so die Polizei.

Bubblegum und Spiders

Im zweiten Fall haben wohl Mouth Painter Bubblegum und Stretchy Spiders die unbekannten Täter zum Diebstahl verführt. Sie befanden sich in dem roten Kaugummiautomaten, auf den ein Radfahrer am Sonntag (26.10.) auf einem Flurweg zwischen Groß- und Kleinlangheim stieß. Am selben Tag wurde im Wald zwischen Großlangheim und Feuerbach auch ein leerer Zigarettenautomat entdeckt. Ob es sich um die selben Täter handelt, ist unklar.

Die vorläufig letzte Tat der Kaugummiliebhaber ereignete sich ebenfalls in der Nähe von Kleinlangheim. Am Montagmorgen (27.10.) entdeckte ein Spaziergänger zwischen Haidt und Atzhausen einen aufgebrochenen Kaugummiautomaten, der offensichtlich von einer Hauswand abgehebelt wurde, wie die Polizei mitteilte. Wie im vorangegangenen Fall ist auch hier unklar, wo er ursprünglich hing. Das ermittelt die Polizei derzeit. An den Automaten hat sie Spuren – wie zum Beispiel Fingerabdrücke – gesichert.

Bei den Ermittlungen gibt es vor allem ein Problem: Die Aufsteller der Kaugummiautomaten sind unbekannt und die Geräte haben – im Gegensatz zu Zigarettenautomaten – keine Typenkennung, die die Nachforschungen erleichtern würden. „Die Automaten werden seit Jahren in Nacht- und Nebelaktionen immer wieder neu befüllt. Dann werden auch die Einnahmen herausgenommen“, sagt Oliver Sponsel von der Polizeiinspektion Kitzingen. Das macht es schwierig herauszufinden, wo der Automat vom Flurweg und der zwischen Haidt und Atzhausen gefundene vor dem Diebstahl aufgehängt war. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, wo Kaugummiautomaten fehlen.

Auch dem Landratsamt Kitzingen sind die Aufsteller der Kaugummiautomaten unbekannt, sagt Reinhold Dürr. Er ist beim Landratsamt für die Lebensmittelüberwachung zuständig und erklärt, dass die wenigen heute noch existierenden Kaugummiautomaten ein „absoluter Randbereich“ sind, über die im Landratsamt keine Liste geführt wird.

„Auffällig ist, dass die Automatendiebstähle um Kleinlangheim herum geschehen“, sagt Sponsel. Der Ermittler bittet die Kleinlangheimer und die Bewohner der Nachbarorte, Augen und Ohren offen zu halten und im Zweifelsfall lieber einmal zu viel bei der Polizei anzurufen. „Die Automaten sind in der Regel mit vier bis acht Dübeln an der Wand befestigt“, erklärt der Ermittler. Sie abzumontieren macht also Lärm.

Dass das Aufbrechen von Kaugummiautomaten kein Kavaliersdelikt ist, zeigt sich spätestens beim Blick auf den angerichteten Schaden. Der beträgt an den drei aufgehebelten Geräten insgesamt etwa 750 Euro. Werden die Täter geschnappt, erwartet sie eine Strafe wegen schweren Diebstahls. Das ganz große Geld lässt sich mit dem Aufbrechen von Kaugummiautomaten indes nicht verdienen. Wir haben in der Redaktion einmal nachgerechnet: Mit einem Automaten mit zwei Schächten, in denen sich je 200 Kaugummis zu zehn und 50 Cent befinden, sind am Ende – wenn alle Süßigkeiten einer Füllung verkauft wurden – etwa 120 Euro.

Mit einem Feuerzeug

Vermutungen, um wen es sich bei den Dieben handelt, will Sponsel nicht äußern. Aus der Zeit als Kaugummiautomaten noch allerorts Verbreitung fanden, ist der Redaktion lediglich bekannt, dass Jugendliche oftmals die paar Pfennige für einen Kaugummi sparen wollten. Beliebt war damals vor allem die Methode mit einem Feuerzeug ein Loch in die Plastikverglasung des Automaten zu brennen. Erfolgreich war das in den seltensten Fällen.

Hinweise an die Polizei Kitzingen unter Tel. (0 93 21) 14 10.

Tatort: Der Automat – der seit Jahren an diesem Gebäude in der Pfarrgasse in Kleinlangheim angebracht war – wurde aufgebrochen und später in der Wiesenbronner Straße entdeckt. Foto: polizeiinspektion Kitzingen

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