KITZINGEN

Nur herein in den Innopark

Die haben was: Lisa Schalme (Immobilien-Management) und Innopark-Leiter Michael Klos inspizieren das ehemalige Offiziers-Casino. Sie würden sich freuen, wenn sich Gastronomie in den Räumen ansiedelt. Deren Flair aus der Garnisonszeit „hat was“. Foto: Fotos (2): Diana Fuchs

Man muss schon hinwollen. Zufällig kommt man kaum an der Ringstraße vorbei, die den Innopark an die Stadt anbindet. Seit Bernhard Becks Innopark GmbH die 52 Hektar große Larson-Kaserne im Oktober 2010 gekauft hat, entwickelt sich dort – von den Bürgern weitgehend unbemerkt – ein ganz neuer Stadtteil. Ein Besuch zeigt: Es tut sich viel, hoch über den Dächern Kitzingens.

Jung, dynamisch, weltoffen – so präsentierte sich das Innopark-Team bei der Eröffnung des Gewerbe- und Industrieparks Anfang September 2012. Bernhard Beck sagte damals: „Wir wollen zeigen, dass Konversion eine Chance und kein Problem ist.“ Das Ziel des Unternehmers: Bis zum Jahr 2015 sollen 450 Arbeitsplätze entstanden sein. Die Region soll als Arbeits- und Lebensmittelpunkt gestärkt werden.

„Der Innopark ist eine Erfolgsgeschichte –

so oder so.“

Michael Klos, Leiter des Gewerbeareals

„Wir sind auf einem sehr guten Weg und legen hier ordentlich Tempo vor“, stellt Michael Klos fest. „Wenn Leute sagen: 'Da oben passiert ja gar nichts' dann haben sie es einfach nur nicht mitgekriegt.“ Der Leiter des Innoparks zeigt Besuchern gern den neun Hektar großen öffentlichen und auch den 45 Hektar umfassenden abgesicherten Bereich, in dem Güter und Innovationen vor fremdem Zugriff geschützt sind; ein Sicherheitsdienst hält rund um die Uhr Wache. „Mittlerweile arbeiten 430 Menschen im Innopark, in 46 Unternehmen“, sagt Klos zufrieden. „Wir sind unserem Ziel voraus.“

Und das, obwohl es durchaus Schwierigkeiten und Ärgernisse zu überwinden gab – und immer wieder gibt. Gerade in der Zusammenarbeit mit den Politgremien sei noch Luft nach oben. „Wenn man so ein großes Konversionsprojekt umsetzt, wünscht man sich einfach Unterstützung von Seiten der Kommune, des Landes und des Bundes; oder einfach mal einen interessierten Besuch.“

Schade findet es der Betriebsleiter, dass der Kitzinger Stadtrat die Möglichkeit, die große Veranstaltungshalle im Innopark als Stadthalle zu nutzen, trotz der eigens erstellten, detaillierten Kostenberechnung erst mal abgelehnt hat. „Die Stadt hätte nicht günstiger an eine Stadthalle kommen können.“

Doch mit negativen Gedanken hält Michael Klos sich nicht lange auf. „Der Innopark ist eine Erfolgsgeschichte – so oder so.“ Die Unternehmen stammen aus den verschiedensten Branchen: „Wir haben zum Beispiel Rechtsanwälte hier, ein Forschungslabor, Landschaftsarchitekten, IT-Fachleute, einen Gastroküchen-Vertrieb, einen Lungenarzt oder auch einen internationalen Großhandel für Autozubehör.“

Der Mix sorgt für eine branchenübergreifende Vernetzung. Ob bei den Mieterversammlungen oder am nagelneuen Imbiss-Kiosk: Man trifft sich, redet miteinander, entwickelt sich und den Park weiter.

Nomen est omen. Das gilt auch für das jüngste „Kind“ der Innopark-Familie. „Am 1. August eröffnen wir unterm Dach der Hauptverwaltung ein Gründerzentrum“, verrät Michael Klos. 20 Arbeitsplätze hat die Innopark GmbH in mehreren Büros eingerichtet und nötige Utensilien – vom Telefon bis zum Kopierer – bereits aufgestellt. Alle, die ein Unternehmen gründen möchten, können hier ihre ersten Schritte machen.

Chance für Visionäre

„Die Büros sind für extrem wenig Geld zu mieten – für um die 200 Euro pro Monat“, erklärt der Immobilienökonom. In der offenen, ungezwungenen Atmosphäre des Gründerzentrums, in dem bereits jetzt Sofas auf dem Flur stehen, sollen sich innovative Ideen und Visionen entwickeln.

„Bernhard Beck hat auch mal so angefangen“, erzählt Klos. Aus der jungen Kolitzheimer Firma Beck Energy ist längst ein weltweit operierendes Unternehmen erwachsen, das sich vor allem in der Solartechnik einen Namen gemacht hat. Erneuerbare Energien und Elektromobilität sind daher auch im Innopark große Themen.

„Auf vielen Gebäuden wurden Solaranlagen installiert. Ein Haus ist schon fast Energie-autark“, stellt Michael Klos fest. Auch in Sachen Strom macht das Gewerbegebiet seinem Namen Ehre: „Der Innopark garantiert seinen Mietern den günstigsten Preis in Deutschland.“ 700 000 der 1 Million benötigten Kilowattstunden Strom produziere der Gewerbepark selbst.

Doch auch im sonnenverwöhnten Innopark gibt es Schattenseiten. Die „lange Wurst“ etwa. So nennen die Entwickler das 600 Meter lange Kasernengebäude, das man von der Ringstraße aus gut sieht. Es steht leer. Eine Zukunftsperspektive gibt es für das „Riesending“ bisher nicht – zumal Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen allesamt erneuert werden müssten. Für viele Millionen Euro.

Kleinere Gebäude finden leichter neue Nutzer. In einen sanierten, eingeschossigen Bau sind zum Beispiel im Januar dieses Jahres die Firmen tyremotive (Automobilteile-Zuliefer-Großhandel) und jfnetwork (IT-Dienstleiter in der Automobil- und Reifenindustrie) eingezogen. Sie freuen sich über 1300 Quadratmeter modernste Bürofläche.

Ein mehrgeschossiges Haus, in dem früher Soldaten wohnten, beherbergt mittlerweile bis zu 60 Gäste. „40 Hotelzimmer sind dauerhaft belegt“, informiert Michael Klos. Firmenangehörige oder Forscher, die zu Besuch sind, übernachten gern vor Ort.

Sorgen macht dem Betriebsleiter aber das Gebäude Nummer 26. Es wurde 1908 aus schmucken Bruchsteinen errichtet und war zuletzt das Offizierskasino der Kitzinger Flak-Kaserne. Im Innern spiegelt sich das feudale Flair vergangener Zeiten wider. Draußen auf der riesigen Terrasse verschlägt einem der einmalige Blick über Kitzingen bis hin zum Schwanberg fast die Sprache.

Michael Klos hofft, dass sich ein Gastronom für die historische Immobilie begeistert und auch einen Biergarten eröffnet. Diesen Wunsch äußerte bereits 2012 Bernhard Beck. „Vieles ist schon verwirklicht. Aber es gibt noch mehr zu tun“, fasst Michael Klos zusammen. Es bleibt also spannend, was sich noch alles tut, hoch über den Dächern der Stadt.

ONLINE-TIPP

Mehr Infos/Bilder: www.inFranken.de

Die frühere Flak-Kaserne

Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die Amerikaner alle Kitzinger Kasernen. 61 Jahre später, 2006, zogen sie ab. Ende 2010 kaufte Bernhard Beck die ehemaligen Larson-Barracks (Flak). Seitdem haben sich dort, im Gewerbe- und Industriepark „Innopark“, 46 Unternehmen angesiedelt.

Infos: www.innopark-kitzingen.de oder Tel. 09321/2680 000. *ldk*

Warten auf neue Nutzer: Diese beiden Gebäude, in denen sich früher die ranghohen Soldaten amüsiert haben, stehen noch leer.
Pure Nostalgie: Die Bar ist ebenso verwaist wie die ganze, große Eventhalle. Die Innopark-Entwickler hätten sie gern als Stadthalle für Kitzingen gesehen, doch der Stadtrat entschied anders. Foto: Diana Fuchs
Zentralbereich: Rund um die Hauptverwaltung haben sich Unternehmen der verschiedensten Branchen angesiedelt. Innopark-Leiter Michael Klos spricht von derzeit 46 Firmen mit 430 Arbeitsplätzen. Foto: Diana Fuchs
„Da schauen Sie mal!“: Von der Terrasse des Offiziers-Casinos aus hat man einen atemberaubenden Blick über Kitzingen. Innopark-Leiter Michael Klos ist ganz begeistert. Foto: Diana Fuchs

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