WIESENTHEID

Ohne Bindung entsteht keine Bildung

Freizeitaktivitäten: Linda Scheckenbach, Lilli Colditz und Anna Kestler (von links) zeigen ihre selbst gefertigten Gipsabdrücke. Foto: Godron

70 Prozent der Eltern wünschen sich laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung eine Ganztagsschule für ihre Kinder. In Bayern betrug der Anteil der Ganztagsschüler im Schuljahr 2012/13 nur 12,4 Prozent. Damit ist Bayern Schlusslicht in Deutschland bei der Ganztagsbetreuung. In Wiesentheid gibt es das Angebot bereits seit 1960.

„Die Ganztagsbetreuung über das Tagesheim am Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid sorgt für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagt Elmar Halbritter. Der Studiendirektor ist als Leiter des Tagesheims und des Internats für die Ganztagsbetreuung verantwortlich. „Wir bieten den Eltern eine intensive Erziehungspartnerschaft und pflegen einen wertschätzenden Umgang mit den Kindern“, betont Schulleiter Hilmar Kirch. „Auch leistungsschwächeren Schülern aus bildungsfernen Familien ermöglicht das Tagesheim mehr Bildungsgerechtigkeit“.

Montags bis donnerstags kümmern sich ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher in Wiesentheid um zirka 100 Ganztagskinder der Jahrgangsstufen 5 bis 12. Und das bis 17 Uhr. Am Freitag endet das Tagesheim bereits um 15.30 Uhr, da kein Nachmittagsunterricht stattfindet. Die Kinder können aber auch an diesem Tag bis 17 Uhr betreut werden.

Das gemeinsame Mittagessen mit ihren Erziehern zusammen mit den Internatsschülern stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, ist sich Halbritter sicher. Das Wirtschaftspersonal bereitet das Essen frisch vor, serviert wird es vom Personal. Die Schüler räumen die Tische wieder ab. Die Anwesenheit ist Pflicht, Beginn und Ende ist für alle verbindlich.

Nach dem Essen toben

Nach dem Mittagessen schließt sich eine aktive Pause an, in der sich die Kinder auf den Sporthartplätzen austoben können. Anschließend werden in der Studierzeit die Hausaufgaben unter Anleitung der Erzieher angefertigt. Dies entlastet das Elternhaus, denn damit sind die Hausaufgaben in der Regel erledigt.

„Für berufstätige Eltern, auch Alleinerziehende, ist das Tagesheim somit ein ideales und flexibles Betreuungsangebot. Zusätzlich lernen die Tagesheimschüler durch die klare Zeiteinteilung ihren Alltag zu strukturieren“, erklärt Internatsleiter Halbritter. Während der Studierzeit sind immer einige Lehrer für die Kinder da. Sie können Schüler fachlich unterstützen und Nichtverstandenes noch einmal erklären. Der stellvertretende Internatsleiter Uwe Heiland schätzt diese Zusatzunterstützung als sehr wertvoll ein und betont, dass die Kinder des Tagesheimes daneben auch kreative und soziale Komponenten erwerben.

Ohne Bindung entsteht keine Bildung. Deswegen streben die Erzieherinnen und Erzieher eine intensive Bindung zu den Schülern an. Die Kinder sollen sich wohlfühlen und ihre Entwicklung soll gefördert werden. „Sie sind für uns ein lebendiges Gegenüber und kein Gegenstand“, betont Halbritter.

Im Tagesheim arbeiten ausgebildete Erzieher und Lehrkräfte mit den Schülern während der Mittagszeit, der Studierzeit sowie bei der Gestaltung der Neigungsangebote. Der gesamte Tagesablauf wird von Schule und Internat gestaltet. „Die Schüler mit ihren Erziehern und Lehrkräften tragen damit die Hauptverantwortung für den rhythmisierten Tagesablauf“, erklärt Hilmar Kirch.

Betreuung am Nachmittag

Kosten: Unter besonderen Umständen können Familien für die Kosten der Mittagsverpflegung auch einen Zuschuss über das sogenannte Bildungspaket erhalten. Die Zuständigkeit liegt bei den Landkreisen. Für das nächste Schuljahr liegen die Kosten einschließlich Mittagessen in Wiesentheid bei 98 Euro im Monat.

Andere Angebote im Landkreis: Landschulheim Gaibach: Tagesheim mit Betreuung, von 13 bis 16 Uhr, durchgehend vom selben Erzieher. Kosten: 97 Euro.

Egbert-Gymnasium: Tagesheim für die 5 bis 10. Jahrgangsstufe. 12.15 Uhr bis 16.30 Uhr.

Ganztagsklasse: Unterricht bis 16.20 Uhr. Vermehrt Unterricht in Doppelstunden, zwischen zwei Stundenblöcken am Vormittag gibt es täglich eine Bewegungseinheit sowie eine betreute Arbeitsstunde.

Gymnasium Marktbreit: Offene Ganztagsschule (OGS). Kostenlose Nachmittagsbetreuung von 13 bis 16 Uhr, die Schüler der 5. bis 10. Klassen von montags bis donnerstags in Anspruch nehmen können.

Gymnasium Kitzingen: Kostenloses Ganztagesangebot von Montag bis Freitag, von 13 bis 16.30 Uhr. Mittagessen kann zusätzlich gebucht werden, zirka drei Euro.

Studierzeit: Nach dem gemeinsamen Essen und vor der gemeinsamen Freizeit dürfen die Jugendlichen auch noch etwas für die Schule tun.

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