UNTERSAMBACH

Otto Hünnerkopfs Abschied: Schwarzes Buch und grünes Herz

Abschiedsgeschenk: Nach 15 Jahren im Landtag hat Otto Hünnerkopf ein Erinnerungsfoto vom Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz bekommen. Die Arbeit dort war ihm wichtig. Foto: Andreas Brachs

Dieses Lob nimmt Otto Hünnerkopf gern mit: Als der langjährige CSU-Abgeordnete seine letzte Rede im Landtag gehalten hat, bedanken sich Grüne und Sozialdemokraten bei ihm. Er sei ein Kollege gewesen, der im Umweltbereich mit Sachverstand gearbeitet habe und nun eine Lücke hinterlassen werde.

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Hünnerkopfs Landtagszeit

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Zimmer in München an einem Tag geräumt

Nach 15 Jahren im Landtag hat Hünnerkopf mit diesem Lebensabschnitt abgeschlossen. Sein Zimmer in München ist an einem Tag ausgeräumt. Wehmut lässt er erst gar nicht aufkommen. Er freut sich auf den kommenden Lebensabschnitt. Mit 67 Jahren geht er getrost in die Rente.

Dabei war der Anfang turbulent: In der CSU habe „Unzufriedenheit“ mit seinem Vorgänger Franz Brosch geherrscht. Doch erst zehn Tage vor der Nominierung eines CSU-Abgeordneten für die Landtagswahl 2003 sei der damalige stellvertretende Landrat Lothar Voltz zu Hünnerkopf gekommen und habe ihm angeboten zu kandidieren.

Turbulenter Beginn

„Ich wollte das nie werden“, sagt Hünnerkopf heute; er habe aber den Wunsch vieler Parteimitglieder nach Erneuerung gespürt. Hünnerkopf gewinnt die Nominierung denkbar knapp mit 50 zu 49 Stimmen. „Danach habe ich fast zehn Kilo abgenommen“, blickt er zurück. So hoch seien der Erwartungsdruck und so groß seine Zweifel gewesen. Am Ende habe er mit Gottvertrauen die neue Aufgabe angepackt und sei letztlich schnell im Landtag angekommen.

Hünnerkopf steht einerseits linientreu und loyal zu seinem schwarzen Parteibuch; andererseits ist er in der CSU ein Exot mit einem grünen Herzen. Seine beruflichen Schwerpunkte Landespflege und Landschaftsökologie kann er mitunter nur schwer bei den Konservativen unterbringen. Manchmal hätten die Kollegen eingesehen, „dass wir als CSU im Umweltbereich engagierter sein müssen – und dann war es wieder ernüchternd“, resümiert Hünnerkopf.

Die größte Enttäuschung

So sei etwa sein 15-jähriger Kampf für mehr Personal in den Unteren Naturschutzbehörden erfolglos geblieben. „Für mich die größte Enttäuschung“, räumt er ein.

Einen Teil des schlechten Wahlergebnisses seiner Partei führt Hünnerkopf darauf zurück, dass sie die Umweltthemen zu wenig ernst genommen habe. Er erklärt: „Für mich ist Klimaschutz genauso wichtig wie Vollbeschäftigung. Aber in dieser Klarheit war ich allein.“

Deutlich ist Hünnerkopfs Haltung in der Nationalpark-Frage: Er tritt eher für kleine Parzellen und verbindende „Trittsteine“ zwischen Schutzgebieten als für eine großflächige Ausweisung von Nationalparks ein. Damit kritisiert er die geforderte Mindestgröße von 10 000 Hektar für einen Nationalpark. Hünnerkopf sieht darin Konflikte mit den angrenzenden Dörfern und Straßen, mit Land- und Forstwirtschaft. Sein Credo: „schützen und nützen“. Er gibt zu bedenken: Schon heute würden die Naturparks ein Drittel der Fläche Bayerns umfassen.

Dieses Thema wäre laut Hünnerkopf auch einer der Stolpersteine für eine Koalition mit den Grünen gewesen. Deren Wertvorstellungen wären mit der CSU oft überkreuz und die grünen Forderungen nach einem Nationalpark der CSU-Klientel nicht vermittelbar.

Gründe für den Verlust der CSU-Mehrheit

Einen Grund für den Verlust der absoluten CSU-Mehrheit sieht der Untersambacher aber auch in „menschlichen Unzulänglichkeiten“. Parteichef Horst Seehofer habe erst viel Zustimmung für sein Thema Migration bekommen, sie aber durch „subjektive Formulierungen“ wieder verspielt. Beeindruckt ist er dagegen von Markus Söder. „Er arbeitet verbissen, hört gut zu und bezieht andere ein“, hat Hünnerkopf erfahren. Er sei ein Teamspieler und Moderator. Den Kreuzerlass findet Hünnerkopf gut. Die Kreuze in den Behörden stünden für die Werte Demokratie und Toleranz. „Der Blick aufs Kreuz kann helfen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen“, so interpretiert es der gläubige Katholik. „Menschlich überragend“ findet Hünnerkopf Günther Beckstein, und großen Respekt hat er für Barbara Stamm, die hart fordern, aber auch verbindend vermitteln könne.

Mehrere Nachwuchstalente gefördert

Als sich Hünnerkopfs Rückzug abzeichnete, legte er Wert darauf, mehrere Nachwuchstalente in der CSU zu fördern. Er habe nicht einen Favoriten gehabt, sondern wünschte sich, dass die Partei bei der Nominierung eine Auswahl bekommt. Bekanntlich setzte sich Barbara Becker in der CSU und im Stimmkreis insgesamt durch.Was rät er seiner Nachfolgerin? „Sensibel sein, den Menschen zuhören und helfen, aber in begründeten Fällen auch Nein sagen. Und nur reden, wenn man etwas zu sagen hat. Bloß keine Dampfplauderei!“

Hünnerkopf selbst will sich nun vermehrt seiner Frau Irene und den vier Enkeln widmen. Seiner Frau ist er dankbar für ihr Engagement. Sie habe ihn unterstützt, beraten und kritisiert. „Immer so, als ob sie selbst dafür steht.“

Ehrenämter für die Zukunft

Außerdem hat der Unruheständler noch einige Ehrenämter, die er ausfüllen oder geordnet übergeben will. In seinem Heimatdorf Untersambach möchte er sich stärker in der Dorfgemeinschaft einbringen, bei der Pflege von Friedhof und Grünanlagen helfen. Gartenarbeit hat für ihn etwas Erfüllendes und Schöpferisches.

Aber ganz lassen von der Politik will er nicht. Hünnerkopf lässt durchblicken, dass er sich 2020 wieder für Gemeinderat und Kreistag aufstellen lassen würde. Auch für den Vorsitz der Senioren-Union sieht er sich jetzt im richtigen Alter. Wenn dann noch Zeit bleibt, will er zwei einsamen Hobbys frönen. Er ist seit 2008 Jäger und seit kurzem Angler. „Man kann da sehr zu sich kommen und den Kopf freibekommen“, hat er beim Ansitzen im Wald erlebt. Dort bleibt Zeit für etwas, was im termingesteuerten Abgeordneten-Alltag selten gelingt: „einfach mal die Seele baumeln lassen“.

Otto Hünnerkopf

15 Jahre lang saß Otto Hünnerkopf (CSU) als Abgeordneter für den Stimmkreis Kitzingen im Bayerischen Landtag. Am 14. März 1951 in Wiesentheid geboren, studierte er Landespflege an der Uni München, Außenstelle Weihenstephan. 1980 promovierte der Diplom-Ingenieur für Landespflege. Bis 1989 war Hünnerkopf Angestellter beim Straßenbauamt Schweinfurt, anschließend bis 2003 Sachgebietsleiter bei der Direktion für ländliche Entwicklung in Würzburg.

Seine politische Laufbahn begann 1972 mit dem Eintritt in die CSU. Seit 1990 sitzt er im Marktgemeinderat von Wiesentheid, seit 2002 im Kreistag Kitzingen. 2003 übernahm er den CSU-Kreisvorsitz.

Der Landtagsabgeordnete wurde 2003 erstmals direkt gewählt (54,3 Prozent), 2008 (44,7 %) und 2013 (50,3 %) bestätigt. Er war stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz.

Seine Ehrenämter: Kirchenpfleger seines Heimatdorfs Untersambach von 1989 bis 2018, Bezirksvorsitzender des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, Ortsobmann im Bauernverband, Obmann der Feldgeschworenen.

Otto Hünnerkopf ist katholisch, seit 1975 mit Irene Hünnerkopf verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel. 

Zukunft: Mehr Zeit für sein Hobby, die Jagd, will Otto Hünnerkopf sich jetzt nehmen. Foto: Fotoarchiv Hünnerkopf
Kurz vor Schluss: Otto Hünnerkopf bei einer seiner letzten Reden im Bayerischen Landtag. Foto: Fotoarchiv Hünnerkopf
Unterstützerin, Beraterin, Kritikerin: Otto Hünnerkopfs Ehefrau Irene hat ihn oft begleitet. Foto: Fotoarchiv Hünnerkopf
Wie 2003 alles begann: Otto Hünnerkopf (rechts) am Anfang seiner Abgeordnetenzeit mit dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Foto: Fotoarchiv Hünnerkopf
Markus Söder spricht beim Tag des Bieres in Seinsheim
Applaus für den Chef: Otto Hünnerkopf (links) findet Ministerpräsident Markus Söder gut. Archivfoto: Daniel Peter Foto: Daniel Peter

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