Possenheim

Possenheims ehemaliger Ortssprecher Karl Hofmann ist tot

Possenheim war ihm ans Herz gewachsen, und so, wie er von diesem Ort lebte, prägte er ihn selbst. Jetzt ist Karl Hofmann gestorben. Ein Nachruf auf den langjährigen Ortssprecher.
Vor einem Jahr Karl Hofmann in einem Buch seine Erinnerungen an Possenheim aufgeschrieben. Jetzt ist er mit 80 Jahren gestorben.
Vor einem Jahr Karl Hofmann in einem Buch seine Erinnerungen an Possenheim aufgeschrieben. Jetzt ist er mit 80 Jahren gestorben. Foto: Hartmut Hess

Während der jährlichen Bürgerversammlung in Possenheim, die in diesen Tagen hätte stattfinden sollen, war Karl Hofmann Stammgast. Stets saß er im Bürgerhaus am selben Platz vor einem Schoppen Wein und lauschte aufmerksam, und wenn es nach zwei Stunden aufs Ende zuging, ergriff er oft noch einmal das Wort, um seine Themen zur Sprache zu bringen: Feld, Wald und Wiesen. Was so banal klingt, war für Hofmann Lebensinhalt. Er liebte die Natur, und er liebte seine Heimat. Possenheim, dieser 200-Seelen-Ort am Rande der Bundesstraße 8, bedeutete ihm alles.

Vor fünf Jahren steckte ihm Iphofens Bürgermeister Josef Mend den goldenen Ehrenring der Stadt an und würdigte damit das "überdurchschnittliche Engagement" des damals 75-Jährigen. Der Ort, an dem dies geschah, hätte symbolträchtiger nicht sein können: das wiederbelebte Bürgerhaus. Einst als Gasthaus betrieben, war das Gebäude in den 1990er Jahren dem Verfall preisgegeben. Auch nachdem die Stadt es gekauft hatte, um es zu sanieren, blieb sein Schicksal lange ungewiss.

Aus den Trümmern wuchs Possenheims Bürgerhaus

Eines Tages stand Hofmann mit Mend in den Trümmern des baufälligen Anwesens. "Wir sind im Gebälk herumgestiegen, und als wir so auf den morschen Brettern standen, äußerte ich Bedenken", erzählte Hofmann einmal. "Da legte der Bürgermeister seine Hand auf meine Schulter und sagte: 'Karl, wir kriegen das hin, wir müssen bloß den Stadtrat überzeugen.'" Dies gelang. Jeden Tag ging Hofmann während der Sanierung zur Baustelle. Heute steht es da als Kleinod und Bürgerhaus, intensiv genutzt von der Dorfgemeinschaft, die darin neu geboren wurde.

Von 1984 bis 2002 vertrat Hofmann seinen Ort im Stadtrat – als Ortssprecher, aber auch als kritischer Geist. Mitunter konnte er hartnäckig sein und seine Umgebung schon mal nerven, aber das nahm er gerne in Kauf, wenn es um die Belange Possenheims ging. Auch der örtlichen Feuerwehr diente er viele Jahre, erst aktiv, später als Vorsitzender; und der Waldgenossenschaft saß er ebenfalls vor. Vor einem Jahr schrieb er noch ein Buch über seinen geliebten Heimatort aus der Sicht eines Zeitzeugen, persönliche Erinnerungen und Erlebnisse von 1945 bis heute. Es wird bleiben als sein Vermächtnis. Vergangene Woche ist Karl Hofmann – kurz nach seinem 80. Geburtstag – gestorben.

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